Neid
Neid – Wann ist er destruktiv und wann ein Ansporn?
Allgemein gilt Neid als ein Gefühl, das gute Menschen nicht haben sollten. Neid wird gesellschaftlich als negativ angesehen. Und doch steckt dieses Gefühl tief in uns Menschen drin und ist nicht grundsätzlich schlecht. Jeder von uns war schon mindestens einmal in seinem Leben neidisch auf einen anderen Menschen.
Doch was genau ist Neid? Ein Gefühl, das mit der Begierde verbunden ist, etwas zu haben oder zu sein, das ein anderer Mensch – meist jemand den wir kennen – besitzt oder ist: sei es sein schickes Auto oder den tollen Job oder das blendende Aussehen oder das viele Geld oder die vielen Freunde und sein Erfolg bei Frauen oder Männern.
In diesem Zusammenhang stehen auch „Sozialneid“ und „Futterneid“. Während Futterneid im Tierbereich aus einem Konkurrenzverhalten heraus entsteht, meint man mit Sozialneid die Verachtung von Reichtum, Erfolg und Privilegien, wobei dieser Begriff umstritten ist, da er eine Debatte über soziale Gerechtigkeit diffamieren würde.
So oder so: Neid muss an sich nicht immer etwas Schlechtes, sondern kann sogar nützlich sein, denn Neid kann uns anspornen, etwas zu erreichen. Also lassen sich zwei Klassen von Neid ausmachen:
• positiver bzw. guter Neid und
• negativer bzw. destruktiver Neid
Negativer vs. positiver Neid
Wenn jemand missgünstig ist, dann spricht man von negativem oder destruktivem Neid. Jemand beneidet einen anderen Menschen um etwas, das man gerne haben möchte, und hofft, die beneidete Person wird die Sache, um die man sie beneidet, verlieren und vielleicht sogar Schaden erleiden. Hier nimmt Neid ganz klar destruktive Formen an. Man missgönnt demjenigen Menschen etwas Bestimmtes, weil man es selber nicht hat. Kaum jemand wird jedoch zugeben, ein „Neidhammel“ zu sein. Abgesehen davon, dass Missgunst eine schlecht angesehene menschliche Eigenschaft ist, würde man mit seinem offenen Neid zuzugeben, dass man der beneideten Person gegenüber unterlegen ist, da sie etwas besitzt oder ist, was man selbst nicht hat oder ist.
Neid kann aber auch durchaus positiv und ein Ansporn sein, etwas erlangen zu wollen, um das man jemanden anderen beneidet. Wenn ein Freund eine Weltreise gemacht hat und davon erzählt, und der andere sagt, „ich beneide dich, weil du auf deiner Reise so viele tolle Dinge erlebt hast“, dann ist das eine positive Form, seinen Neid auszudrücken. Man sagt damit, dass man gerne auch so etwas Schönes erleben möchte (in dem Beispiel die Reise), ohne aber dem anderen die positive Erfahrung zu missgönnen, im Gegenteil, man freut sich für ihn oder sie.
Ein weiteres Beispiel für positiven Neid ist, dass der Erfolg eines anderen Menschen, zum Beispiel im Beruf, den Ehrgeiz des Neiders wecken kann, selbst beruflich erfolgreich zu sein. Neid verwandelt sich dann in Ansporn und Produktivität.
Warum sind wir neidisch und missgünstig?
In der Regel entsteht dieses Gefühl, weil wir uns mit jemandem messen und vergleichen. Uns fällt auf, dass jemand etwas besitzt, das wir auch gerne hätten oder schon immer haben wollten. Nun kommt es darauf an, wie jemand mit seinem Neidgefühl umgeht und was er oder sie daraus macht. Spornt es uns an, oder lässt es uns missgünstig werden? Und wieso entwickeln manche Menschen einen positiven Neid, während andere destruktiven Neid erfahren? Die Psychologie will herausgefunden haben, dass Menschen mit einem niedrigen Selbstwertgefühl eher zu negativem Neid und Missgunst tendieren als Menschen mit einem höheren Selbstwertgefühl. Auch Zufriedenheit mit seinem Leben beeinflusst, ob wir schnell neidisch werden oder nicht und wie wir selbst mit Neid umgehen. Vermutlich spielen auch charakterliche Eigenschaften eine weitere Rolle.
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Kann man lernen, seine Neidgefühle im Zaum zu halten?
Zumindest lässt es sich lernen, nicht ganz so neidisch auf andere Menschen zu sein. Die Psychologie rät hier sogar, die entstehenden Neidgefühle zuzulassen und genauer unter die Lupe zu nehmen, indem man sich die Frage stellt: „Was habe ich davon, wenn ich das besitze oder bin, worauf ich gerade so neidisch bin?“
Im nächsten Schritt kann man versuchen, seine negativen Neidgefühle in positive zu verwandeln, indem man nicht nur das vermeintliche Defizit sieht, sondern sich bewusst macht, dass man aus diesem erkannten Defizit etwas lernen kann. Ein Beispiel: Der Nachbar wohnt in einem schönen Haus, und man selbst ist so neidisch auf ihn und sein Haus. Die Frage lautet hier: Was hat der Nachbar getan, um sich das Haus leisten zu können? Musste er Opfer dafür bringen? Muss er nicht vielleicht hart dafür arbeiten und noch jahrelang Raten abzahlen? Vielleicht kann man sich selbst ein Haus leisten, wenn man dafür spart oder den Nachbarn fragt, wie er sein Ziel erreicht hat. Missgunst lässt sich also in Ehrgeiz und Ansporn verwandeln.
Seine Neidgefühle hält man auch dadurch im Zaum, indem man keine unrealistischen Vergleiche mit anderen anstellt und sich dadurch abwertet. Ein unrealistischer Vergleich wäre zum Beispiel, sich mit einem international bekannten Schauspieler zu vergleichen. Wenn man sich schon mit anderen vergleicht, dann sollten es auf Augenhöhe sein. Am besten ist jedoch, wenn man sich nicht auf die eigenen vermeintlichen Defizite konzentriert, die man in seinem Leben erkannt haben will, sondern sich über das freut, das man erreicht hat, besitzt und selber ist. Das Sprichwort, wonach das Glas nicht halb leer, sondern halb voll ist, verdient also hier Beachtung, um nicht in die Neidfalle zu tapsen.
Neid ist ungesund
Zumal in Studien herausgefunden wurde, dass negativer Neid unser Wohlbefinden negativ beeinflusst. Je neidischer eine Person ist, desto weniger zufrieden ist sie mit sich selbst und ihrem Leben. Neidische Menschen tendieren oftmals auch zu Pessimismus, sie machen sich und anderen das Leben unnötig schwer. Negativer Neid kann sich also auch auf einen selbst destruktiv auswirken.
Neid vs. Schadenfreude vs. Eifersucht
Besonders anstößig ist es, wenn ein neidischer Mensch Schadenfreude empfindet, weil der beneideten Person etwas Schlimmes widerfahren ist. Manch ein Neider freut sich nicht nur darüber, sondern wünscht der beneideten Person sogar, dass ihr etwas Schlimmes passiert. Bisweilen wird Neid mit Eifersucht verwechselt. Während Neid ein Ausdruck von Minderwertigkeitsgefühlen und geringem Selbstwert darstellt und mit Groll und Missbilligung einhergeht, ist Eifersucht eine Emotion, die zutage tritt, wenn man in Konkurrenz mit jemandem tritt und Angst hat, etwas an den Konkurrenten zu verlieren – sei es einen Menschen oder eine Sache. Insofern kann es auch vorkommen, dass neidische Menschen zu Eifersucht tendieren.
Auch wenn Neid gesellschaftlich verpönt ist, es ist nicht schlimm, hin und wieder neidisch auf jemand zu sein. Worauf es letzten Endes immer wieder ankommt, ist, dass man mit seinem Leben unterm Strich zufrieden ist und keine unnötigen oder unrealistischen Vergleiche mit anderen Menschen anstellt. Wenn wir uns darauf konzentrieren, was wir haben und sind, dann lernen wir, unser eigenes Leben wertzuschätzen, und können uns auch für andere freuen – selbst wenn andere mal etwas mehr als wir haben.
