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Meinungsmacher – Wer entscheidet über die Themen unseres Alltags und unsere Ansichten?


Um uns ein umfassendes Bild vom Weltgeschehen zu machen, müssten wir täglich etliche internationale Zeitungen lesen, doch die meisten Menschen haben dazu keine Zeit und vermutlich auch nicht die Lust. Was bekommen wir also vom Weltgeschehen mit? Zunächst einmal nur das, was wir proaktiv im Fernsehen, Rundfunk, Internet und in der Presse konsumieren oder was durch Hörensagen von anderen (Freunden, Familie, Kollegen, etc.) an uns herangetragen wird. Somit kennen wir nicht alle aktuellen Konflikte und Ereignisse auf der Welt, schon gar nicht solche, die nicht unmittelbar uns oder unser Land betreffen. Wir bekommen nur einen sehr kleinen Ausschnitt von dem mit, was auf der Welt passiert.

Wer entscheidet darüber, was wir erfahren sollen?

Bei Presse, Fernsehen und Rundfunk sind es in der Regel die Redaktionen, die die Themen festlegen. Dabei agiert eine Redaktion eigentlich immer aus einer Situation des Überangebotes heraus. Es passiert nicht zu wenig auf der Welt, sondern viel zu viel. Bei der Auswahl spielt ein Relevanzkatalog eine Rolle. So wird einem tragischen Unglück umso mehr Aufmerksamkeit im Fernsehen eingeräumt, je näher es den deutschen Zuschauern ist. Ein Terroranschlag, der elf Menschenleben fordert, bekommt mehr Aufmerksamkeit, wenn er sich in Berlin ereignet hat, als wenn er in Kaschmir stattfand. Und die Art der Themen hängt vom Medium ab. So spielt für einen Fernsehsender des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (ÖRR) die Popularität eines Themas eine weit geringere Rolle als für einen privaten Sender. Als sich z. B. Helene Fischer von Florian Silbereisen trennte, war das für die Tagesschau kein Thema, in den Nachrichten von RTL und ProSieben aber schon. 

Bilden wir uns unsere eigenen oder wählen wir vorgefertigte Meinungen?

Wie aber gelangen wir zu einer Meinung zu einem bestimmten Thema? Für den Prozess der Meinungsbildung spielt das Wie der vom Journalismus verbreiteten Informationen eine entscheidende Rolle. Auch können bestimmte Personen, Gruppen oder Institutionen aus dem staatlichen und nicht-staatlichen Bereich sich der Medien bedienen, um im Meinungsbildungsprozess Einfluss zu erlangen, sodass dies dem Leitprinzip der Objektivität zuwiderlaufen würde. 
Fakt ist, dass die öffentliche Meinung immer stärker polarisiert wird. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu erkennen, dass Staaten, Institutionen, politische Gruppierungen und Konzerne die öffentliche Meinung nach ihren Interessen zu steuern versuchen – mit unterschiedlichem, aber durchaus relevantem Erfolg. Insofern sollte alles, was man über einen bestimmten Konflikt oder ein politisch brisantes Thema hört, hinterfragt werden, indem man die betreffenden Informationen auf Vollständigkeit und ihren Wahrheitsgehalt prüft. Erst recht, wenn einflussreiche Persönlichkeiten die Themen der Zeit prägen und Meinungsmacher die Medien nutzen, um ihre Ansicht zu verbreiten und Macht auszuüben. 
Das ist vor allem in den sozialen Medien (Facebook, Twitter, YouTube etc.) der Fall. Die im Internet auf verschiedenen Kanälen verbreiteten Informationen sind mit allergrößter Vorsicht zu genießen. Falschmeldungen sowie verzerrte Informationen und Berichte im Netz sind keine Seltenheit, manchmal sogar bei den seriösen Medien. Oft geschieht die Einflussnahme auf die Meinungsbildung ganz subtil, aber manchmal auch sehr offensichtlich. 

Wie wird unsere Meinungsbildung manipuliert?

Ob beabsichtigt oder nicht, jeder Bericht in den Medien suggeriert uns zugleich (in unterschiedlichem Ausmaß), was wir gut und was schlecht finden sollen, was wir kritisch und was zustimmend betrachten sollten. Das erfolgt zum Beispiel durch die Wortwahl bei der Wiedergabe einer Nachricht. Die Wortwahl beeinflusst die Interpretation eines bestimmten Sachverhalts, insbesondere bei Verwendung einer emotionalen Sprache. Dazu kommt, dass Informationen zu einem Ereignis oft einfach weggelassen werden, was die Darstellung des Ereignisses und damit auch unsere Meinung beeinflusst, häufig zugunsten einer bestimmten Seite. Gemäß dem Pressekodex sind Nachrichten und Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Das geschieht leider nicht immer. Auch nicht im ÖRR. Manchmal hat man es auch dort mit selektiver und tendenziöser Berichterstattung zu tun. Das kann sich zum Beispiel daran zeigen, dass bei einem Konflikt der Wiedergabe der Meinung einer bestimmten Seite vergleichsweise mehr Artikelraum bzw. Sendezeit eingeräumt wird. Ohne dass wir es wissen bzw. merken, wird manchmal auch der Kontext einer bestimmten Information unterschlagen, was aber fatal ist, denn der Kontext ist zum Verständnis der Information und für die Meinungsbildung wesentlich.
Auch im Internet, einst als das demokratischste Medium gefeiert, werden diese Tricks genutzt. Jeder kann Informationen posten, kommentieren, teilen. Doch immer mehr Artikel, Bilder oder Videos im Internet sind gefälscht und manipuliert. Trotzdem werden sie häufig völlig unkritisch aufgenommen und millionenfach geteilt. Es ist also sehr wichtig, den Inhalt und die Glaubwürdigkeit einer Nachricht beurteilen zu können.

Kann man zwischen Lüge und Wahrheit überhaupt noch unterscheiden?



Der Begriff Fake News ist mittlerweile ein geflügeltes Wort. Fakes, also gefälschte Informationen, sind ein Instrument von Hass-Kriminalität im Netz, aber auch von politischen Parteien, die Stimmung gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen machen möchten. Wie erkennt man, ob eine Nachricht oder ein Bild im Internet ein Fake ist? Mit vier einfachen Schritten lässt sich der Wahrheitsgehalt einer Nachricht hinterfragen:

  1.  Wer ist die Quelle? Von wem stammt die Nachricht? 
  2. Wird die Nachricht von anderen seriösen Medien und verlässlichen Seiten bestätigt?
  3. Was zeigt ein Bild wirklich? Taucht das Bild bei der Suche auch auf anderen Seiten auf und im gleichen Kontext? 
  4. Wann wurde die Nachricht verbreitet? Steht ein Datum dabei und kann das Datum stimmen? 

Ich zweifle, also bin ich


Falls wir uns unvoreingenommen mit einem Thema beschäftigen wollen, dann können wir uns durchaus eine eigene objektive Meinung bilden. Zunächst sollten wir nicht immer davon ausgehen, dass alle, die in den Medien ihre Meinung zu einem Thema äußern, auch Experten sind und deren Meinung richtig ist. Oftmals wissen diese vermeintlichen Experten nicht mehr als wir oder berufen sich auf nicht verlässliche Quellen. Wichtig ist, sich nicht voreilig dazu zwingen zu lassen, eine Meinung zu bilden. Wir benötigen Zeit, um seriöse Fakten und Informationen zu einem Sachverhalt zu sammeln.
Vor allem in den sozialen Medien erreichen uns zudem so viele verschiedene Meinungen, dass wir nicht mehr in der Lage dazu sind, wirklich über unsere eigene Anschauung nachzudenken und ein eigenes Urteil zu fällen.

Das Postfaktische Zeitalter – wenn Fakten keine Rolle spielen

Allerdings gibt es Menschen, die sich von allem abschotten, das ihrer eigenen Meinung nicht entspricht – ein Phänomen, das politische Meinungsbildungsprozesse beeinflusst und unter dem Begriff „Filterblase“ diskutiert wird. Diese Menschen konsumieren also nur Informationen, die ihnen „gefallen“ und ihre schon fertigen Meinungen bestätigen. Manche mögen einwenden: Hat nicht jeder Mensch das Recht auf freie Meinungsbildung, und sei diese auch noch so schief entstanden? Hat nicht jeder Mensch ein Recht auf Unwissen? Während das Recht auf Nichtwissen als selbstbestimmter Informationsverzicht gerade einen mündigen, die Folgen seiner Entscheidung überblickenden Menschen voraussetzt, ist der Mensch in der Filterblase gerade nicht mündig und informiert. Für ihn und alle, die im „postfaktischen Zeitalter“ leben, spielen Fakten keine Rolle. 
 Daraus folgt im Umkehrschluss: Wer nicht in einer Filterblase leben möchte, muss seine Meinung, aber auch die von anderen, immer wieder kritisch auf ihre Gründe hin hinterfragen und versuchen, faktenbasiert zu seiner Meinung zu gelangen. Denn Meinungsbildung ist ein dynamischer und kein statischer Prozess.

 

 
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