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Fremdenfeindlichkeit



Woher die Angst, warum der Hass?

Gefährliche Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Hausfriedensbruch und Brandstiftungen. Das alles sind Übergriffe, die sich in den letzten Jahren vermehrt gegen Flüchtlinge richteten. Auch die Pegida-Demonstrationen und der Vormarsch der AfD bestärken den Ausdruck einer aggressiven Stimmung im Land. Immer mehr wird Fremdenfeindlichkeit in Deutschland und generell in der westlichen Welt thematisiert. Doch was genau verleitet Menschen dazu, sich rechtsextremen Parteien und Aktivitäten anzuschließen? Was genau bewegt sie, sich diesem Hass hinzugeben?



Angst vor dem Fremden – Wie ist diese begründet?

Mit Fremdenfeindlichkeit wird die ablehnende und feindselige Haltung gegenüber allem, was innerhalb der vertrauten Lebensumstände als fremd oder bedrohlich empfunden wird, beschrieben. Sie richtet sich somit gegen Menschen, die sich durch ihre Herkunft (Ausländerfeindlichkeit), Religion (Antisemitismus) oder Hautfarbe (Rassismus) von der eigenen Umwelt unterscheiden, und äußert sich in Ausgrenzung, tätlichen Angriffen, systematischer Vertreibung bis hin zur Ausrottung. Bestimmt sind Ihnen gerade Beispiele aus der Geschichte durch den Kopf geschossen, die diese Definition untermalen. Denn die Angst vor dem Fremden existiert bereits seit undenklichen Zeiten. Schon die Römer hatten damals Vorurteile gegenüber allen Menschen, die nicht aus demselben Kulturkreis stammten, nannten sie „Barbaren“ und behandelten sie minderwertig. Auch die jahrhundertelange Sklaverei und Ausgrenzung von Schwarzen in den USA, der Holocaust und der ihm zugrundeliegende Hass gegenüber Juden und anderen Minderheiten zur Zeit des Nationalsozialismus sind Extremfälle, die einerseits veranschaulichen, dass Fremdenfeindlichkeit in ganz unterschiedlichen Zeiten ein Problem war, und die andererseits zeigen, zu welch monströsen Formen sie sich auswachsen kann. In diese Reihe gehören auch die Verbrechen der Rechtsradikalen in unserer Gegenwart. Nun stellt sich natürlich die Frage, wo die Ursprünge einer solchen Haltung liegen. Wie lässt sie sich erklären?


Schubladendenken und Abwertung von anderen Gruppen – Können Menschen nicht anders?

Es ist erstaunlich, wie der Mensch im Ausland mit Neugier und Offenheit auf Fremdes zugeht und im eigenen Land teilweise mit Abwehr reagiert. Ist es engstirniges Denken? Die Verteidigung des eigenen Gebiets, da Fremdes bedrohlich und verunsichernd wirkt?

Über die Ursachen von Fremdenfeindlichkeit gibt es unzählige Diskussionen. Man kann allerdings sagen, dass wir Menschen schon früh lernen, in Kategorien zu denken und dies auch ganz unterbewusst tun. Diesen Kategorien teilen wir bestimmte Merkmale zu, die man als Stereotype bezeichnen kann. Zum Problem wird es natürlich, wenn wir bestimmten Gruppen beziehungsweise Stereotypen vorwiegend negative Eigenschaften zuweisen, da Vorurteile leider eher wahrgenommen werden als Dinge, die dazu im Widerspruch stehen, und oftmals schwer zu überwinden sind. Im Grunde kann man sagen, dass unsere gesamte Gesellschaft in Gruppen organisiert ist und dies schon in der Kindertagesstätte anfängt, wenn die Kinder in verschiedene Gruppen gesteckt werden. Doch wir kategorisieren nicht nur andere, sondern auch uns selbst, um uns mit anderen besser identifizieren zu können. Aber warum ist uns das so wichtig? Ganz einfach. Wir fühlen uns in Gruppen wohler, da sie ein Zugehörigkeitsgefühl und Vertrauen wecken. Und je unähnlicher, desto fremder und desto mehr grenzt man sich von solchen unähnlichen Gruppen ab. Durch die Abwertung von anderen Gruppen steigern viele ihr Selbstwertgefühl. Warum die fremdenfeindliche Haltung im Osten Deutschlands beispielsweise stärker ist als im Westen, hängt zum Teil ebenfalls mit letzterem zusammen. Nach dem sozialen Wandel der Wiedervereinigung fühlten sich viele Bürger aus dem Osten zu kurz kommend und somit in ihrem Selbstbewusstsein gekränkt, was neben einer gewissen autoritären Einstellung aus DDR-Zeiten zu einer übersteigerten Gruppenidentifikation führte. 


Wen man ablehnt, der kann nie etwas richtig machen

Im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, die 2015 ihren Höhepunkt hatte, wurde Fremdenfeindlichkeit immer mehr zum Thema. Gerade durch den islamisch motivierten Terrorismus fühlen sich viele Menschen in ihrem Land bedroht – selbst von friedlich lebenden Muslimen, die zum Teil selbst aufgrund von Terrorismus flüchten. Auch hier machen sich eigensinniges Schubladendenken und andere psychologische Faktoren wie der Hang zu einfachen Lösungen oder die Entlastung durch das Finden von Sündenböcken besonders bemerkbar. Lehnt man eine Gruppe ab, so hat diese Gruppe keine Chance, etwas „richtig“ zu machen. Arbeitet ein Asylbewerber nicht, was er gesetzlich auch nicht darf, so liegt er uns auf der Tasche und nutzt das Sozialsystem aus. Arbeitet er doch, so nimmt er „unsere“ Arbeitsplätze weg. Kein Ausweg in Sicht. Betrachtet man einen farbigen Deutschen z. B. als den Fremden, so werden auch seine deutschen Nachkommen noch in der vierten Generation gefragt, wo sie herkommen. Keine Akzeptanz in Sicht. Da stellt sich natürlich die Frage, wie man eine solche Haltung am besten ablegt.


Die Welt mit den Augen „der Fremden“ sehen

Es ist nicht immer leicht, gegen Vorurteile anzukämpfen. Vor allem, da diese in manchen Köpfen schon zu fest verankert sind. Aber eine entscheidende Möglichkeit besteht darin, anderen beizubringen, dass besagte Gruppen gar nicht so fremd sind, wie man denkt. Dass sie uns gar nicht so unähnlich sind. Dazu reicht es, sich in deren Lagen zu versetzen. Zu versuchen, die Welt mit ihren Augen zu sehen. Was würde man selbst tun, wenn im Heimatland nichts weiter als Krieg herrscht? Wenn man jeden Tag mit der Angst lebt, nicht zu überleben? Jeden Tag betet, dass der Familie nichts zustößt? Menschenrechte verletzt werden, Terrorismus überhandnimmt, der Staat von Diktatur geprägt ist und die Lage generell nichts weiter als Unbehagen bereitet? Würde man bleiben? Oder nicht doch seine Sachen packen, seine Liebsten an die Hand nehmen und sich irgendwo draußen in der Welt ein neues Leben aufbauen, ein Leben, das sicherer ist? Würden wir nicht ähnlich handeln wie sie?
Es gibt unzählige Berichte und Reportagen, die das Gefühl vermitteln, selbst einmal eine Flucht zu erleben. Die uns die Lebenslage von Asylbewerbern näherbringen, zeigen, dass sie arbeiten wollen und andere Vorurteile widerlegen. Bildung und Aufklärung sind hier das Stichwort.


Dem „Fremden“ begegnen und den Menschen erkennen

Es gibt aber auch eine Möglichkeit, die noch viel besser funktionieren könnte als eine Reportage. Und zwar der reale Kontakt zu Menschen, die eine Geschichte zu erzählen haben. Die eine Flucht überlebt haben. Dieser Kontakt kann beispielsweise durch das soziale Engagement im Flüchtlingsheim nebenan oder schon durch andere Begegnungen im Alltag hergestellt werden. Ein Bild kann sich schnell ändern, wenn man selbst Erfahrungen mit Fremden gemacht hat oder Kontakte, die einem nahestehen, von solchen berichten. 


Selbst über Erlebnisse, Gefühle und das Dilemma zum Thema Fremdenfeindlichkeit schreiben

Sie haben eine eigene ergreifende Lebensgeschichte zum Thema Flucht und Fremdenfeindlichkeit, die nicht ungehört bleiben darf? Eine Geschichte, mit der sie anderen Menschen die Augen öffnen oder einfach nur ihre Erfahrungen teilen wollen? Dann erzählen Sie diese Geschichte. Vielleicht gehören Sie aber auch zu den Menschen, die sich durch „Fremde“ bedroht fühlen? Dann hinterfragen Sie Ihre Angst-und Ablehnungsgefühle und beschreiben Sie, wovor Sie sich fürchten. Austausch durch Literatur – anders als Stammtischparolen und Gruppenwahn – ist oftmals ein sehr effizientes Mittel, sich selbst zum Nachdenken zu zwingen und andere zum Nachdenken zu bewegen.