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Die Jugend von heute und das Bücherlesen

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Wie eine 15-Jährige die Lesekultur ihrer Generation sieht

 

„Die Jugend von heute interessiert sich nur noch für Smartphones, Soziale Medien und Likes.“ Aussagen wie diese hört man immer häufiger über die Teenager von heute. Die Generation Z (kurz: Gen Z) bezeichnet junge Leute, die in etwa zwischen 1997 und 2010 geboren wurden und somit momentan zwischen 12 und 25 Jahren alt sind. 

Ich bin 2006 geboren und dadurch eindeutig noch Teil der Gen Z. Obwohl ich verstehe, woher diese Vorurteile meiner Generation gegenüber herkommen, muss ich sagen, dass das Über-einen-Kamm-Scheren nicht so ganz der Wahrheit entspricht. 

 

 

Das Stereotyp der Jugend

Ich lese gerne, und es gibt selten einen Anlass, zu dem ich kein Buch mitnehme. Aber ich habe die Beobachtung gemacht, dass, sobald ich ein Buch aus der Tasche hole und anfange zu lesen, immer die gleichen Bemerkungen gemacht werden. Ich sei eine totale Ausnahme, denn niemand in meinem Alter würde heute noch Bücher lesen. Natürlich kann ich diesem Bild nicht komplett widersprechen, denn definitiv gibt es Menschen, die kein Buch mehr in die Hand genommen haben, seit sie das letzte Mal eine Schullektüre lesen mussten, aber pauschalisieren kann man die gesamte Jugend deshalb trotzdem nicht. Ist es nicht der Sinn der Sache, dass jeder Mensch andere Interessen hat? Ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass vor dreißig oder fünfzig Jahren jede einzelne Person ein Bücherwurm war, denn auch da hatten die Leute bestimmt schon unterschiedliche Interessen.


Die neue Weise des Lesens

Ich persönlich muss allerdings sagen, dass die meisten meiner Freunde genau die gleiche Liebe für Bücher empfinden wie ich. Es ist allerdings vielleicht nicht mehr ganz so offensichtlich wie zu früheren Zeitpunkten, denn es gibt viel mehr Wege, ein Buch zu lesen, als nur das physische, gebundene Buch in der Hand zu halten. Von Hörbüchern über E-Book-Reader bis hin zu Lese-Apps auf dem Handy ist alles dabei. Es mag vielleicht so aussehen, als würde jemand die ganze Zeit nur Spiele auf seinem Handy spielen, dabei wäre es möglich, dass jene Person einfach nur den neusten Bestseller in der Kindle-App liest. Dass diese Version des Lesens sogar teilweise viel umweltfreundlicher und auch preiswerter ist, ist wahrscheinlich ein Thema für einen anderen Tag.


Neuinterpretation Buchclub

Eine Sache, die sich auch verändert, vor allem auch wegen der Pandemie, ist die Art und Weise, wie Leute sich aktuell über Bücher austauschen. Auch wenn die typischen Buchclubs, bei denen man sich noch in Präsenz sieht, immer seltener werden, stirbt die Idee dahinter nicht aus. Ganz im Gegenteil! Durch Soziale Netzwerke wie Instagram, Twitter, YouTube, Snapchat, TikTok etc. haben sich die Möglichkeiten um einiges erweitert. Der Austausch findet nur einfach nicht mehr primär in Präsenz statt, sondern läuft über die eben genannten Apps. Die Gemeinschaft hat sich ausgedehnt und ist durch die ständig wachsenden Plattformen besser verbunden als je zuvor. Booktok und Bookstagram sind die Namen von zwei der größten Online-Lesegemeinschaften. Diese Namen ergeben sich aus dem englischen Wort für Buch und der jeweils dazugehörigen Plattform wie in diesen Fällen TikTok bzw. Instagram.

Die meisten meiner Buchempfehlungen bekomme ich auch durch solche Gruppen oder verschiedene Apps, die nur für das Bewerten von Büchern programmiert wurden, wie Goodreads oder Story Graph. Zusätzlich zu den endlosen Empfehlungen gibt es dort Funktionen, die es einem ermöglichen, Übersichten der Bücher zu erstellen, die man schon gelesen hat oder noch zu lesen plant.


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Inklusion ist das A und O

Im ständigen Wandel sind auch die Büchertrends und allgemein die Anforderungen, die ein Buch heutzutage erfüllen sollte, damit der Geschmack der jüngeren Leser*innen getroffen wird. Obwohl jeder natürlich eigene Vorstellungen vom Inhalt eines Buches hat, ist die Art und Weise, wie die Ideen umgesetzt werden, von zunehmender Bedeutung. Am wichtigsten sind Sachen wie die Repräsentation von Kulturen, Menschen, Sexualitäten, Sexismus und Gendern. Dabei kommt es nicht nur darauf an, dass es im Buch vorkommt, sondern dass es auch so geschrieben wird, wie die Kulturen oder Menschen repräsentiert werden möchten. Das Besprechen von Tabu-Themen wird auch immer wichtiger, denn generell ist das Hauptziel, dass sich jede*r wohlfühlt und dabei noch etwas über andere lernen kann. Der Wunsch nach einer sicheren Gemeinschaft geht auch über das Buch hinaus. Autor*innen verkaufen immer öfter weniger Bücher, wenn herauskommt, dass sie kritische Aussagen treffen oder Leute unterstützen, die dies tun.

Generell muss ich sagen, dass es mich sehr freut, in welche Richtung sich die Buchgemeinschaft entwickelt – und ich bin sehr gespannt auf das, was in der Zukunft noch kommen wird. Es gibt auch in meiner Generation noch genug Menschen, die der Realität gerne noch mit einem guten Buch entfliehen, und ich denke auch, dass das so bleiben wird. Es gehört dazu, dass sich Dinge verändern, und das ist beim Lesen und Büchern genauso. Denn das ist der Wandel der Zeit.

 
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