Frieling-Verlag Berlin

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Von der Kunst im Buch 

Manchmal wird den Künsten unterstellt, in Konkurrenz zueinander zu stehen. Zum Beispiel die Literatur und die bildende Kunst. Zwei Künste, die nicht gegensätzlicher erscheinen könnten: Die eine versucht durch Wörter, in den Köpfen der Menschen Bilder entstehen zu lassen. Die andere versucht durch Bilder, in den Köpfen der Menschen Geschichten entstehen zu lassen. Aber eigentlich verfolgen beide das gleiche Endziel: In den Herzen der Menschen Gefühle auszulösen. Sie tief zu berühren, einen Teil ihrer Seele für immer zu verändern. Und wenn man noch genauer hinsieht, offenbart sich, dass der Dialog zwischen Text und Bild permanent das literarische und malerische Schaffen bereichert. Wie viele Gemälde, die in unseren Museen hängen, erzählen uns die Geschichten antiker Helden und biblischer Märtyrer? Geschichten, die zuerst niedergeschrieben wurden. Und dann erst die ganzen Schriftsteller*innen, deren Auseinandersetzung mit bildender Kunst sich in ihrem Schaffen widerspiegelt. Goethe fertigte auch kunstkritische Schriften an. Franz Kafka erschuf Zeichnungen, die mittlerweile auch großen Anklang finden. Bei Heinrich Mann bildet die Interaktion von Kunst und Literatur den Kernbereich seines Werkes und auch er war als bildender Künstler tätig. Rainer Maria Rilkes Frühwerk wurde maßgeblich von den russischen Ikonen beeinflusst. Dies sind nur einige Beispiele aus einer langen Reihe, doch wir wollen Ihnen zeigen, wie sich die Kunst konkret in der Literatur äußern kann und wie auch Sie sich das zunutze machen können.

Illustrationen

Einige Bücher für die Jüngsten unter uns sind Bildergeschichten, die komplett ohne Texte auskommen. Doch auch viele Bücher für ältere Kinder sind noch illustriert, um den Text für die Kinder aufzulockern und durch die bunten Bilder ansprechender zu gestalten. Doch seien wir ehrlich, wir Erwachsenen mögen das doch auch. Jeder Mensch hat seine eigenen Vorstellungen, wenn er einen Text liest. Umso spannender wird es, wenn Künstler*innen zu Romanen Illustrationen anfertigen. Denn hier eröffnet sich uns eine ganz andere Perspektive auf den Text. Die Illustrationen können durch ihren Stil und ihre Farbgebung maßgeblich die Wirkung einer Geschichte beeinflussen. Sie können die Handlung in eine düstere oder aber auch fröhliche Atmosphäre einbinden. Und auch die Figuren können die Illustrationen auf eine bestimmte Art charakterisieren, die sich so vielleicht nicht im Text befindet. Sie haben sich schon immer gefragt, welche Bilder das Lesen im Kopf eines anderen Menschen entstehen lässt? Werfen Sie einen Blick in ein Buch mit Illustrationen! Sie sind begierig darauf zu erfahren, welche Aspekte eines Romans Ihnen entgangen sind, ohne irgendwelche langen Texte darüber lesen zu müssen? Schauen Sie sich Illustrationen dazu an!

Ekphrasis

Unter Ekphrasis wird jede literarische Beschreibung eines Werkes aus der bildenden Kunst verstanden. Dabei ist in der ursprünglichen Bedeutung eine sehr anschauliche und bildliche Beschreibung gemeint, durch welche die Leser*innen zu Zuschauer*innen gemacht werden sollen. Denn eine gute Ekphrasis gibt die Details, die Szene und das Zusammenspiel der Farben derart naturgetreu wieder, dass das Bild vor den Augen der Lesenden lebendig wird. Demnach kann die Ekphrasis auch als literarische Visualisierungsstrategie bezeichnet werden. Berühmte Ekphraseis lassen sich bereits bei den antiken Dichtern Homer und Vergil finden und die Verwendung dieser Strategie zieht sich bis in die Moderne. 

Die Ekphrasis ermöglicht es, den Leser*innen und Betrachter*innen neue Impressionen und Perspektiven zu eröffnen. Die sehr bildliche Darstellung kann die Imagination Ihres Publikums anregen und sie tiefer in die Geschichte ziehen. Aber sie können auch dazu dienen, Ihre Geschichte in einen größeren künstlerischen und historischen Rahmen einzubetten. 

Künstlerromane

In Künstlerromanen wird von dem Schicksal eines Genies oder Künstlers erzählt. Dabei werden meist das Schaffen, das Leben und das gesellschaftliche sowie persönliche Umfeld der Künstler*innen geschildert. Bei der Figur des künstlerischen Genies kann es sich aber um Schriftsteller*innen, Musiker*innen sowie bildende Künstler*innen handeln. Besonders bekannte und für dieses Genre prägende Romane sind Ludwig Tiecks „Franz Sternbalds Wanderungen“ (1798) und Eduard Mörikes „Maler Nolten“ (1832). Der Künstlerroman ist bis heute ein feststehender Begriff der Literaturwissenschaft, sein Ursprung liegt in der deutschen Frühromantik und er erfreut sich noch immer Beliebtheit. Doch auch Biographien über bildende Künstler*innen sind weit verbreitet. Denn nichts scheint das Publikum so zu faszinieren, wie Menschen, die allein aus ihrer Vorstellungskraft heraus greifbare Schönheit erschaffen können.

Graphic-Novel-Adaptionen von Romanen

Die Graphic Novel, übersetzt auch illustrierter oder grafischer Roman, ist eine Art von Comics, die sich im Gegensatz zu den meisten Comicbüchern oder -heften überwiegend an Erwachsene richtet und dementsprechend eine höhere Komplexität aufweist. Interessant sind auf diesem Gebiet besonders die Literaturadaptionen. So wurden zum Beispiel schon Romane und Erzählungen von Frank Kafka in Graphic Novels umgewandelt, aber auch von anderen Autor*innen finden sich etliche Adaptionen: Albert Camus, Goethe, Alexandre Dumas, Theodor Fontane, Antoine de Saint-Exupéry und noch viele mehr! Genau wie bei den Illustrationen bietet sich den Leser*innen ein ganz neuer Blick auf die Romane und Erzählungen und andere Aspekte können stärker wahrgenommen werden. Und besonders toll ist, dass eine Graphic Novel die ganze Geschichte durch Bilder darstellt und Sie sich so von noch viel mehr tollen Zeichnungen bezaubern lassen können.

Kunst als Inspiration

Zeichnungen, Fotografien, Gemälde und Statuen können natürlich nur ihrer Schönheit wegen betrachtet werden. Doch die bildende Kunst kann auch oft ein Inspirationsauslöser für Schriftsteller*innen und Dichter*innen sein, meistens ganz zufällig. Ein Detail, eine Form, ein Farbe, eine Szene stößt in unserem Kopf etwas an und schon entspinnt sich eine Geschichte darum. Manche Meisterwerke der Kunst inspirierten sogar eine Unmenge an Romanen, das berühmteste Beispiel dafür ist wohl die Mona Lisa. 

Doch die bildende Kunst kann Sie auch noch unterstützen, wenn Sie schon eine Idee im Kopf haben und Sie gerade dabei sind, zu recherchieren. Haben Sie schon einmal geschaut, wie das Thema Ihres Romans beispielsweise in Gemälden dargestellt wird? Denn dort lassen sich auch die großen Themen des Lebens wiederfinden: Liebe, Verlust, Tod, Angst, Stärke, Verrat, Freundschaft, Glaube, Lust. Und das in allen möglichen Szenarien und Stilen. 

Kunst kann auch bei der Beschreibung einer Figur Ihres Romans helfen. Betrachten Sie doch einfach mal ein Porträt und überlegen Sie sich, welche Gesichtszüge, welche Gestik oder Mimik Ihnen sofort ins Auge stechen. Doch Sie können auch versuchen herauszufinden, welche Eigenheiten die Urheber*innen des Gemäldes besonders herausstellen wollten. Ist es das sanfte Lächeln, der geneigte Kopf oder der sich wegdrehende Körper der Porträtierten? Auch Orte und deren Atmosphären lassen sich gut über bildende Kunst studieren, besonders wenn es sich um weit entfernte oder fantastische Welten handelt. 

Kunst und Literatur

Wer könnte nach diesem Einblick noch Literatur und bildende Kunst in Konkurrenz zueinander stellen? Es erscheint wie ein Sakrileg, überhaupt daran zu denken, jetzt, da man sieht, wie sehr sie einander bereichern und sich gegenseitig ehren. Und sind Theater und Film, mit den aufwendigen Kulissen, den verspielten Details der Kostüme sowie ihrer Drehbücher, nicht einfach nur die zu Fleisch und Blut gewordene Verbindung von bildender Kunst und Literatur? 

Sie sind jetzt inspiriert und voller Tatendrang, die bildende Kunst in Ihren Roman einfließen zu lassen? Wir warten schon ungeduldig darauf, das Ergebnis Ihres Schaffens als Manuskript in den Händen zu halten!