Frieling-Verlag Berlin

Verlag sucht Autoren

Ein Essay schreiben

Sei es in den Buchhandlungen, in Zeitungen oder in den Schulen und Universitäten: Der Essay ist überall. Doch was genau macht einen Essay überhaupt aus?
Viele denken erst einmal an einen Art Aufsatz. Besonders im angelsächsischen Raum wird dafür ein fest strukturiertes Modell genutzt. Zuerst kommt eine kurze Einleitung, dann ein Hauptteil aus mehreren Absätzen, welcher die Diskussion und Betrachtung enthält, und schließlich ein kurzer Schluss, um die Argumentationsstränge zusammenzuführen. Gerade diese Form des Essays findet in Schulen und Universitäten vermehrt Beachtung.
Doch ein Essay kann viel mehr sein als nur ein banaler Aufsatz. Damit Sie die Eigenheiten des Essays besser verstehen und schließlich selbst umsetzen können, werfen wir zunächst einen Blick zurück zu seinen Anfängen.


Die Ursprünge des Essays

Als Begründer der Essayistik gilt der französische Philosoph Michel de Montaigne (1533-1592). In den Zeiten von Reformation und Religionskriegen wurde das Verständnis von Wahrheit erschüttert. Der katholische Glaube, der als absolut gegolten hatte wurde durch die Protestanten in Frage gestellt. Eine zweite Wahrheit wurde propagiert. Auch die literarische Tradition unterlag strengen Regeln und verherrlichte oft eine absolute Wahrheit. Vor diesem Hintergrund suchte Montaigne eine neue literarische Form, mit welcher er sich der Wahrheit nähern konnte. So trat er in seinen Essays als Fragender auf, der Antworten sucht und sie letztlich häufig nicht findet. Für Montaigne stand im Vordergrund, Fragen aufzuwerfen und keine dogmatische Lehrmeinung zu verbreiten. Aus diesem Grund zeigt sich in Essays häufig eine subjektive Perspektive, da diese offensichtlich individuell ist und keinen Allgemeinanspruch stellt. Montaigne führte aber auch Folgerungen oder Erkenntnisse oft nur so weit aus, dass die Leser:innen eigene Assoziationen und damit eigene Gedanken zu einem Thema entwickeln konnten.


Themen von Essays

Demnach ist ein Essay eine geistreiche Abhandlung, in welcher unterschiedlichste Phänomene betrachtet werden, dabei kann es sich um gesellschaftliche, kulturelle oder wissenschaftliche handeln. Je nach Interesse können Sie sich das Thema ganz frei aussuchen. Die persönliche Auseinandersetzung der Autor:innen mit dem Gegenstand steht beim Essay Fokus. Es geht also nicht darum, ein Thema komplett zu erfassen, sondern vielmehr darum einzelne Aspekte herauszugreifen.
So gibt es verschiedene Spielarten des Essays, beispielsweise literaturkritische, reflektierende, beschreibende oder argumentative. Für welche Art Sie sich entscheiden ist egal, wichtig ist nur, dass Sie neue Ideen entwickeln. Auch eine eigene und ungewöhnliche Sichtweise kann betont werden. Dabei reicht es jedoch nicht, einfach nur seine Meinung kundzutun, Sie sollten Ihre Haltung argumentativ gut begründen.


Die Charakteristika des Essays

In einem Essay dürfen Sie die Kriterien wissenschaftlicher Methodik vernachlässigen. Somit haben Sie als Essayist*in auch relativ große Freiheiten bei der Form. Sie müssen sich nicht an eine exakte Struktur mit Einleitung, Hauptteil oder Schluss halten. Doch Sie sollten trotzdem nicht Ihren roten Faden vergessen! Schließlich möchten Sie die Leser*innen in eine bestimmte Richtung lenken.
Ein Charakteristikum des Essays ist die subjektive Perspektive, die auch kenntlich gemacht werden darf. Die Benutzung des Wortes „Ich“ ist Ihnen also nicht verboten. Ironie, Humor und bildliche Sprache sind in Essays ebenfalls erlaubt und sogar erwünscht. Achten Sie jedoch auf ein gutes Maß! Denn ein Essay wird erst durch eine ausgewogene Kombination von Argumentation und sprachlicher Eleganz perfekt. Gerne dürfen Sie auch Ihre Leser:innen miteinbeziehen: Versuchen Sie sie zu überraschen, sie zum Nachdenken zu bringen. Dafür eignen sich zum Beispiel Fragen, die Sie entweder offenlassen können oder nur zum Teil beantworten, um Ihr Publikum in eine bestimmte Richtung zu lenken. Ihr Essay braucht nur eine schmale Literaturbasis, trotzdem sollten Sie einige Referenzen einbauen, denn so können Sie Ihre Argumentation stärken.


Die Erstellung eines Essays

1.    Orientierung:

Am Anfang steht die Frage: Welche Art von Essay möchte ich schreiben?
Überlegen Sie sich, welches Thema Sie besonders reizt, und fangen Sie mit einer Materialsammlung an. Dadurch gewinnen Sie einen Überblick und können sich leichter entscheiden, wie Ihr Essay ausschauen soll. 

2.    Kern:

Nun entwickeln Sie auf der Grundlage Ihrer Materialiensammlung einen Kerngedanken, der den roten Faden Ihres Essays bestimmen wird. Am besten suchen Sie sich wesentliche Gedanken heraus und fügen alle Assoziationen hinzu, die Ihnen dazu einfallen.
Als nächstes sollten Sie sich für eine Argumentationsstrategie entscheiden. Dabei kann es hilfreich sein, sich verschiedene zu überlegen und miteinander zu vergleichen. 

3.    Rohfassung schreiben:

Versuchen Sie einmal stichwortartig, Ihre Ideen und Argumente aufs Papier zu bringen. Dann gilt erst mal: Hauptsache schreiben! Der Anfang, die ersten Worte sind immer die schwierigsten, darum nichts wie durch. Ihr erster Entwurf muss noch nicht perfekt sein. Außerdem kann es auch sein, dass Sie beim Schreiben noch Schwachstellen in Ihrer Argumentation finden und vielleicht nochmal Ihren Aufbau verändern müssen. Das ist ganz normal, und selbst wenn es sich nicht gut anfühlt, ist es sehr hilfreich für ein gutes Ergebnis!
Essays sind nicht zu unterschätzen, denn sie sollen eine starke Argumentation mit einer literarischen Sprache verbinden und gleichzeitig innovative Ideen präsentieren. Also verzweifeln Sie nicht, wenn Sie nicht auf Anhieb zufrieden mit Ihrem Ergebnis sind. Oft lässt sich die Unzufriedenheit beim letzten Schritt, der Überarbeitung, lösen. Aber Sie könnten auch versuchen, einen neuen Weg für Ihr Thema und Ihre Ideen zu finden. Probieren Sie doch einfach mal verschiedene Argumentationsweisen aus! Das trainiert nicht nur Ihre Schreibfähigkeiten, sondern auch Ihre Kreativität. Und wie heißt es so schön: Übung macht den Meister und in diesem Fall auch das Meisterwerk.

4.    Überarbeitung:

Lassen Sie den Text ruhig ein paar Tage liegen, um ein bisschen Abstand zu bekommen, und starten Sie erst dann mit der Überarbeitung.
Dafür führen Sie sich am besten noch einmal Ihren roten Faden vor Augen: Was will ich sagen?
Sind meine Argumente stark und verständlich? Betrachten Sie auch nochmal Ihre Sprache. Lässt sich Ihr Essay flüssig lesen? Ist Ihre Sprache anregend genug oder können Sie sie durch ein paar Stilmittel noch aufpolieren?
Am besten lassen sich diese Fragen durch den Blick einer Person Ihres Vertrauens beantworten. Durch sie können Sie überprüfen, ob Ihr Essay die Wirkung auf Leser*innen entfaltet, die Sie beabsichtigen.


Ist Ihr Ehrgeiz gepackt und Sie wollen nichts lieber, als Ihren eigenen Essay zu schreiben? Trauen Sie sich! Kurbeln Sie Ihren Kopf an und überraschen Sie uns mit Ihren neuen und kreativen Ideen. Wir freuen uns schon darauf, Ihren Essay zu lesen!