Frieling-Verlag Berlin
Verlag begrüßt Autoren



Adventsgedicht 2025

01.12.2025

von Hilde Mai


Advent

Wie leuchten die Augen im Advent,
zur Freude uns ein Lichtlein brennt.
Im Zimmer geheimnisvoll Wohlgerüche,
Bratäpfel, Gebäck sind aus Omas Küche. 


Und die geschnitzte Pyramide sich dreht,
auf der die Krippe vom Jesuskind steht.
Der Enkel lauscht nun dem Märchen, der Sage,
rot glühn seine Wangen an diesem Tage.


Der Opa behaglich die Pfeife stopft.
Und an der Futterglocke ein Waldvöglein klopft.
Die Dämm’rung vom Fenster lässt Kälte nicht rein,
die kleine Familie spürt ihr Geborgensein.


Wird’s vierte Lichtlein dann angezündet,
der Tanne Lichterglanz von der Weihnacht kündet.
Vorfreude – du trauter Gast mit willkommenem Schein,
lass mich erwartungsvoll wie die Kinder sein. 

aus:

Stern der Weihnacht – Hilde Mai – S. 9

ISBN 978-3-8380-3332-0

Gedicht des Monats Mai

02.05.2025

von Hilde Mai


Nach der Einführungsmesse des Papstes 
Franziskus I.

19. 3. 2013

Vor hunderttausenden Pilgern auf dem Petersplatz in Rom
aufbrandet Jubel. Dieser Papst ist der Erwartete schon.
Gekommen ist er her vom Ende dieser Welt –
zu teilen mit den Ärmsten – jedes Menschenleben zählt.
Die Babys werden ihm ins Papamobil gereicht,
dass Gottes Segen nicht von ihnen weicht.
Franziskus ist der Papst der Armen.
Setzt sichtbar Zeichen, dass sich reg Erbarmen.
In dieser kalten Zeit der Not
geschehen Wunder gegen Leid und Tod.

aus:

Welt der Poesie. 24. Edition – Gerwin Haybäck (Hrsg.) – S. 68

ISBN 978-3-8280-3851-6

Gedicht des Monats Dezember

02.12.2024

von Hilde Mai


Wunsch zur Weihnacht

Vom Balkon in diesem Jahr
glänzt der Tanne Lichterschein.
Leis bewegt sich Engelshaar.
Inn’rer Friede kehre ein.

All die Bosheit, das Verlor’ne,
das Vergess’ne, das nachts reizt,
Kinderaugen – Auserkor’ne –
klagen an, ihr Blick beweist’s.

Seht die Christros’ in dem Garten.
Gute Tat erlösend naht,
denn die Elenden erwarten
Heimstatt, Heilung, klugen Rat.

Darum zünd’ ich an viel Licht.
Jedes Zweiglein kündet dann:
Leuchte still, du Angesicht,
das Erbarmen übern kann
.

aus:

Stern der Weihnacht – Hilde Mai (S. 20)

ISBN 978-3-8280-3332-0

Gedicht des Monats November

01.11.2024

von Steffen Teichmann



Herbststille

Haiku 85

flügelstill steht Luft
frei im Fallflug Flüstern hat
baumlos Baumlingblatt

traumstill geht das Licht
schaumweich löst es Wolkengrau
Wind Gefieder ruft


rauling Ruf verhallt
flatterflink im Buntblattwald
baumlos flüstert Blatt


flammt rot im Regen
der mit Stein und Blättern spricht
im Windbewegen



31. Oktober, 12. November 2023

aus:

Welt der Poesie. 24. Edition – Gerwin Haybäck (S. 174)

ISBN 978-3-8280-3851-6

Gedicht des Monats

01.10.2024

von Angela Finke


Eine Weinprobe

Einen Riesling, gar Chablis
möchte ich munden
bei alljährlicher Verkostung
in des Herbstes Zeiten.
 
Schaumgebilde mich erwarten
teure Wasser in
allen Farben
Aromenfülle sowie Kelterschwere
und des kleinen Todes
zuckrig’ Last.
 
Hell erleuchten sich die Blicke
die Wangen glühen
Finger brennen
und noch lang mit dir
verbunden
harrt man aus
in enger Rund’.

aus:

Erlesenes genießen mit allen Sinnen – Angela Finke (S. 56)

ISBN 978-3-8280-3873-8

Gedicht des Monats

01.08.2024

von Erwin und Hannelore


Die Krone

Für mich trägst Du eine Krone,
eine Krone, schön wie eine Sonne
und die Krone, meines Herzens Freiheit,
leuchtet meiner Seele voller Wonne,
denn vor der Sehnsucht, war ich ohne!
 
Die Krone erwacht erneut zu Unserer Zeit,
Du strahlst und glänzt in Deiner Seele Licht,
durch Deiner Seele Schönheit im Gesicht,
die Liebe ist im Gleichgewicht,
der innre Kranz, wird so zum äußren Schein,
die Liebe meiner Seele hüllt Dich ein
und die Schönheit von dem Kranz
schützt unsrer Seelen Liebesglanz!

aus:

Das Tor zum Glück ins Blütenland der Liebe – Erwin und Hannelore (S. 30)

ISBN 978-3-8280-3839-4

Gedicht des Monats

01.07.2024

von Samira Schogofa 


Pusteblume

Ich würd’ so gern den ganzen Sommer leben,
eh’ meine Schirmchen schweigend schweben
schwerelos der Sonn’ entgegen.
Dann tanz’ ich gerne mit dem Wind,
der mir jegliche Schwere nimmt.
Ich weiß, ich bin ein Himmelskind.
Vielleicht flieg’ ich genau dahin.
Vielleicht ist’s auch ein Neubeginn.

aus:

Wenn Worte blühen. Literatur de luxe. Band 7 - Steffen Teichmann (Hrsg.) - S. 105

ISBN 978-3-8280-3818-9

Gedicht des Monats

03.06.2024

von Fabio Koch


Sommernacht

Wenn der blutrote Himmel
im Meer versinkt
und sich rußfarbene
Schatten gen Horizont
schieben,
wenn funkelnde Glühwürmchen
in leisem Rhythmus
die Dunkelheit zu
erleuchten beginnen
und freche Zikaden
langsam ihr
munteres Zirpen
einstellen,
wenn Mond und Sterne
ihre wonnigen
Lichter am Firmament
mit stillem Gruß
zur Erde richten
und allmählich
erfrischende Kühle
die kleine Welt
dort unten küsst,
wird der glühendheiße
Sommertag mit
feuchtem Auge zur
schwärmerisch schönen
Nacht.

aus:

Die schimmernden Welten des Travis Berman - Fabio Koch (S. 52)

ISBN (Print) 978-3-8280-3824-0

Gedicht des Monats Mai

08.05.2024

von Volker Ullmann


Der geheime Ort

Ich kenne einen Ort, an dem Palmen sich Geschichten erzählen,
das Meer und der Himmel schillernde Farben wählen,
Düfte von Orangen- und Zitronenblüten die Luft erfüllen;
wo sich Glücksgefühle selbst enthüllen,
ein lauer Wind dich umweht
und deine geheimen Wünsche fortträgt.


Ich kenne einen Ort, wo der Marmor weiß glüht,
Bougainvillea an den Wänden blüht,
wo Probleme von selbst verschwinden
und Träume sich wiederfinden,
wo perliger Sand auf den Dünen glänzt
und Gitarrenklang ins Herz sich brennt.


Ich kenne einen Ort, wo Wellen über Klippen springen,
Menschen auf Felsen über die Liebe singen,
wo man das Meer hört, riecht und schmeckt,
die wärmende Sonne dich wiedererweckt,
wo die Zeit unendlich erscheint:
Dort bist du mit dir und der Welt vereint.

aus:

Gedanken aus der Grenzenlosigkeit - Volker Ullmann (S. 17)

ISBN (Print) 978-3-8280-3834-9

Gedicht des Monats April

02.04.2024

von Inna Zagrajewski


DAS WICHTIGSTE THEMA

Der Brief-Witz

Das wichtigste Thema –
                 gestern und heute,
es bleibt auf immer:
„die Liebe
               zwischen Leuten“.
Sie bringt Leuten
                          Freude,
sie bringt immer
                          Lust.

„Du liebst mich!“
„Ich lieb’
              dich!“

Mit herzlichen Grüß’n!


aus den Archiven der Autorin

Gedicht des Monats März

01.03.24

von Barbara Schafflützel


Frühling am Untersee

Habt ihr schon vernommen?
Der Frühling will nicht kommen.
Hat sich versteckt am Berg hinterm Schnee
und schaut nur schüchtern übern See. 

Die Sonne scheint, der Wind weht kalt
und nirgends frisches Grün im Wald. 
Da hilft nur warten und verstehn,
auch dieser Winter muss vergehn! 

In ungeahnter neuer Pracht
ist bald auch diesmal der Frühling erwacht – 
Erwachen nicht nur draussen in der Natur, 
besonders im Herzen – sei ihm auf der Spur, 
dann wirst Du’s mit neuen Augen sehn – 
das ständige Werden und Vergehn.

aus:

Spiegelungen – Barbara Schafflützel (S. 29)

ISBN (Print) 978-3-8280-3813-4

Gedicht des Monats Februar

01.02.2024

von Ernst Bühler


Liebeszeit

Sie liebten sich zärtlich 
Sie liebten sich toll
Ihre Liebe war ehrlich 
Das Glücksglas war voll.

Ihr Schifflein nahm Fahrt auf 
Leichter Wind trieb die See 
Das Leben kein Wettlauf 
Das Glück lachte per se. 

Erste Stürme brachten 
Das Schifflein ins Wanken 
Doch niemals gedachten 
Sie der Liebe Schranken. 

Wellen krachten über Bord 
Sie hielten sich mit Mut 
Das erste schlechte Wort 
Jedoch schlug um in Wut. 

Dann als der Zorn der See
Sich legte staunten sie 
Verwunderter denn je
Wie war’s gekommen, wie?

Nicht einzig die Liebe
Hält wüsten Stürmen stand
Tiefe Freundschaftstriebe 
Bringen ewig blühend Land. 

aus:

Unterm Hibiskus Strauch – Ernst Bühler (S. 46f.)

ISBN (Print) 978-3-8280-3809-7

ISBN (E-Book) 978-3-8280-3810-3

Gedicht des Monats Januar

05.01.2024

von Susanna Schötschel


Jahreswechsel

Wenn ich wandere durch die menschenleeren Gassen,
fällt es mir schwer, meine Gedanken zu begreifen und zu fassen.

Die Ruhe vor dem Sturm, so ungewohnt,
ja fast beängstigend erscheint.

Sind in der Silvesternacht
tatsächlich alle Menschen
mit ihren Familien oder Freunden vereint?

Das Ende eines Jahres schenkt uns Zeit,
Zeit, Erinnerungen an Vergangenes
rückblickend zu betrachten.

In jedem von uns schlummern jene Denkwürdigkeiten,
bis sie nun an einer Wende plötzlich erwachten.

Warum muss man erst an einer Kreuzung stehen,
ehe wir wirklich Wichtiges erkennen, damit wir es sehen?

Doch was, man lasse es mich wissen,
ist an Sinn und Bedeutung so groß?

Dinge, die elementar ein Gefühl von Sicherheit geben,
erscheinen auf einmal unglaublich wertlos.

Und dann?

Wenn alle scheinbaren Notwendigkeiten zum Leben vorhanden sind?
Für uns alle, ob arm oder reich, ein sorgenfreies Dasein beginnt?

So fiebern wir also mit einem inszenierten Feuerwerk
lautstark dem neuen Jahr entgegen.

Einen Impuls jedoch verspüre ich,
eine Offenbarung niederzulegen:
Ich hungere nicht, ich friere nicht,
keine Soldaten bewaffnet auf unseren Straßen marschieren.

Reumütig ich mir eingestehe,
den Blick für aufrichtige Dankbarkeit zu verlieren.

In einer unterschwelligen Scham versunken,
weil ich realisierte, was ich nie wirklich sah.

Allen Menschen hier sowie auf der ganzen Welt
ein gesundes, friedliches neues Jahr.

aus:

Zeugnis des Schweigens – Susanna Schötschel (S. 52)

ISBN (Print) 978-3-8280-3814-1

ISBN (E-Book) 978-3-8280-3815-8

 

– 2023 –

 

Gedicht des Monats Dezember

01.12.2023

von Fabio Koch


Licht in der Dunkelheit

Ein Licht wird entfacht,
erhellt den Raum
in ruhig-loderndem Schein,
knistert leise vor sich hin
als Licht in der Dunkelheit.

Entflammtes Feuer erfüllt den Raum
und wärmt die kalten Glieder,
die Flamme sieht den Tannenbaum
und singt die alten Lieder.


Die warme Hütte, umringt von Eis,
steht fest in ihrem Gebilde,
das lodernde Feuer belohnt den Fleiß
und wärmt die alte Hilde.

aus: Auslese zum Jahreswechsel. 32. Edition – Hannelore Deinert (Hrsg.) – S. 64

ISBN 978-3-8280-3781-6

Gedicht des Monats November

01.11.2023

von Friederike Morgenrot


Herbstspaziergang

Ich lausche dem Fallen der Blätter im Herbst,

ich lausch‘ deinen Gedanken, die dur mir erzählst,

uns’re Liebe ist leicht und unbeschwert,

wohl, weil du nicht alles verrätst.

 

Ich liebe das Rauschen der Bäume im Wind,

ich lieb‘ es, dass wir uns versteh’n,

ich mag die Wege, die wir geh’n,

wohl, weil wir zusammen sind. 


aus: Fernab der Wirklichkeit - Friederike Morgenrot S. 49

ISBN 978-3-8280-3796-0

Gedicht des Monats Oktober

04.10.2023

von Gudrun Monitzer


Poesie des Alltags

Wie viel Poesie
liegt doch
in einem warmen Sommerregen 

In einem blühenden Apfelbaum 

In einem Regenbogen 
der sich schillernd 
über das Tal spannt 


Wie viel Poesie
liegt doch in einem Lächeln
das du für mich hast 

Wie viel Poesie
liegt doch im Alltag
Wie schön ist doch
der Alltag 


„Versuchen Sie, ihre Gedanken zu ordnen“
haben sie mir gesagt
Ich dachte das sei so schwer
dabei ist es leicht 


Nur manchmal finde ich
zu viel Ordnung in meinem Kopf 
leider ein bisschen
langweilig!!!

aus: Einfach die Wahrheit - Gudrun Monitzer S. 61

ISBN 978-3-8280-3776-2

Gedicht des Monats September

04.09.2023

von Maurice Hönscher


Die andere Seite vom Mittelmeer

In einem anderem Leben
Hätte ich vielleicht
Weniger Glück gehabt
Und wäre
Auf der anderen Seite vom Mittelmeer geboren

Ich würde wieder viel in Zelten schlafen
Nur dieses Mal nicht auf einem Campingplatz
Ich würde wieder Barfuß laufen
Nur dieses Mal nicht freiwillig
Ich säß wieder in Schlauchbooten
Nur dieses Mal nicht mit Bier auf einem Baggersee

In einem anderem Leben
Wäre ich vielleicht
Auf der anderen Seite vom Mittelmeer geboren

Und würde wieder nicht verstehen
Warum Menschen
In Blickweite von Rettungsbooten
Ertrinken müssen

aus:

In einem anderen Leben - Katarina Grgić • Sonderband des diesjährigen Lyrik-Wettbewerbs. S. 51

ISBN 978-3-8280-3743-4

Maurice Hönscher ist einer der drei Gewinnerinnen und Gewinner. 

Gedicht des Monats August

01.08.2023

von Sabine Lange


In einem anderen Leben

Mein Wissen hegt' ich lang, heut' ist es real,
war immer zu bang', und oft war es Qual.

Gefangen ohne Gitter, Leben das ich nicht verstand,
gesucht etwas, das ich gar nicht zu kennen vermochte.
Nichts was ich kannte mit meinem Empfinden verband,
mein Spüren, mein Sein gnadenlos unterjochte.
Mein Leben, friedvoll, könnt' sagen erfüllt, und doch,
mit einem Wort, einem Satz, dem Mut zu mir stehen,
vermisst hätt' ich weder Freunde, Hobbies, Beruf, noch
irgend was and'res worum hört' ich mich flehen.

Hab' Fluchten gesucht, glückstrahlend als Kind,
bei Worten wie „na, kleines Fräulein“
Freude versteckt, konfus und geschwind,
und hab' mich geschämt für mein Dasein.
Als Kind noch hatt' ich's entgültig und klar,
musst' warten, so hatt' ich's erfahren,
dann könnt' ich ihn geh'n, im 18ten Jahr,
meinen Weg, trotz jenen Müh'n und Gefahren.

In all' meinem Tun, in all' meinem Sein,
hatt' ich nur die Rolle gespielt,
die die Welt von mir wollte zum bitteren Schein,
doch meiner Seele mich niemand bestiehlt.
Heut' lebe ich, glücklich, Jahrzehnte vergangen,
so vieles verloren, was ich hätt' gern erlebt.
So will ich nur raten, wenn ihr lebt in dem Bangen,
Lebt euer Leben so wie ihr es versteht.

aus:

In einem anderen Leben - Katarina Grgić • Sonderband des diesjährigen Lyrik-Wettbewerbs. S. 65

ISBN 978-3-8280-3743-4

Sabine Lange ist eine der drei Gewinnerinnen und Gewinner. 

Gedicht des Monats Juli

11.07.2023

von Simon Felix Geiger


Pizzabäcker

Beruflich aufbrechend
aus ökonomisch-abgesicherten Brotverdienzwängen
hinein mich wandelnd
aus dem empathischen Sozialarbeiterzuhören
hinein in die dynamisch aktive Pizzabäckerszene:
Schürze, Schieber, Mehl, Tomaten, Mozzarella,
steinofenheisse Vielbelegerei, tomatensoßenberührte
Teig-Tomaten-Käse-Hinschmelzmomente...


Keine kranken Klienten-Themen mehr bearbeiten,
vielmehr belegen, einfach nur kneten
und selbst kreativ gestalten und Pizza
dolcevita-knusprig-leicht
napolianisch fantastisch locker
den belastenden Sozi-Themen
teigblasengleich enthoben, frisch beladen,
wie in ein neues, gewandeltes Leben hineingeschoben.


Hier geht ein Stern am Pizzabäcker-Himmel auf,
herzholzheiss, und die Sozialarbeiter-Trübsal lodert
in den Flammen eines neu erweckten Lebens,
das pizzabodengleich aufgeht
wie ein weitwerdendes Herz,
das mit Heißhunger das Pizzabäckersein
enthusiastisch ergreift.


aus:

In einem anderen Leben - Katarina Grgić • Sonderband des diesjährigen Lyrik-Wettbewerbs. S. 37

ISBN 978-3-8280-3743-4

Simon Felix Geiger ist einer der drei Gewinner und Gewinnerinnen. 

Gedicht des Monats April

03.04.2023

von Christoph Schmassmann


Kaffeekranz

Warm gebräunt – versprichst du Genüsse
Ungeahntes erweckst du in dem, der dich trinkt
 
Doch ohne dich – meine Süsse
schmecken seine Küsse mir bitter
wenn Raum und Zeit mich von dir trennt
 
Und in seinem Dampf dein Bild
zur Erinnerung gerinnt
an dein Haar im sanften Wind
Traum und Rausch mich zu dir bringt
 
So oft sein Kuss auf meinen Lippen brennt
mein Herz sich stets zu dir bekennt
vergess ich kurz, wie Zeit verrinnt
auch wenn ich ihn mit anderen trink


aus:  Welt der Poesie. 22. Edition. S. 141

ISBN 978-3-8280-3679-6

Gedicht des Monats März

21.03.2023

von Gundi Albrecht-Boese


Der Film des Lebens


der film beginnt
ohne vorspann
die schauspieler wechseln
doch der hauptdarsteller bist du
mal ist er schwarz-weiß
und mal sehr bunt
manchmal läuft er in zeitlupe
und dann wieder rasend schnell
die schauplätze wechseln
anweisungen kommen vom regisseur
das ende bestimmt der zufall

aus: Gedanken - Gundi Albrecht Boese (S. 25)

ISBN 978-3-8280-3541-6

Gedicht des Monats Februar

07.02.2023

von Rita Kocher


Junge Liebe


Unter dem Kastanienbaum
auf einer kleinen Bank,
da traf ich meine Liebe,
wir halten unsere Hand.
 
Der Tag schließt seine Augen,
die Nacht zeigt ihr Gesicht,
der Mond am Himmel leuchtet
mit seinem Abendlicht.
 
Der Abschied ist schon nahe,
vorbei vertraute Zeit,
wir müssen uns nun trennen,
aus unserer Zweisamkeit.
 
Die Blätter leise rauschen,
beim Abschied singt der Wind,
er singt eine Liebesweise,
als wir auseinander sind.
 
Die Jahre sind vergangen,
Glück und Freundschaft ging,
geblieben ist die Sehnsucht
nach meiner Liebe hin.
 
Des Windes Abschiedslied
höre ich in meinem Traum,
er singt die alte Weise
unter dem Kastanienbaum.
 
21. Februar 2018


aus: Welt der Poesie. 22. Edition. S. 59

ISBN 978-3-8280-3679-6

Gedicht des Monats Januar

10.01.2023

von Reinhold Nisch


Beginn von etwas


Wir trafen uns

auf einer Reise,

mehr zufällig.

Du warst sehr kalt,

vielleicht, weil Frost herrschte.

Die Silvesterparty

in einer fremden Stadt

des Kontinents

war zart beschwingt,

doch du warst spröde.

Erst viele Tage drauf

kamst du,

ein kleines Wunder, 

zu mir -

und freutest dich

mit mir, -

sehr zaghaft,

aber doch,

ich glaubte -

für die Ewigkeit -

bei dir

zu rasten.


aus: Sinnliche Bekenntnisse. S. 81

ISBN: 978-3-8280-3617-8

- 2022 -

Weihnachtsgedicht 2022

von Erwin


Frohe Weihnachten!


Ein Engel lauscht still in die Nacht

und leise rauschen seine Flügel

da hört er wie ein Kindlein lacht

… sanft schneit es auf dem Hügel.


Er hängt sein Lichtlein an den Baum

der Schnee knirscht leicht im Wintertraum


… und Glöcklein klingen freudenhell

von drüben von der Stadt

der Weihnachtsmann der schreitet schnell

damit auch jeder seine Freude hat.


Es klingen Lieder in der Nacht

und es ist Glück und Frieden

was unser’n Engel glücklich macht

… denn es sind seine Lieben.


Sanft glitzern die Kristalle

und bunter Lichtschein kommt herüber

der Weihnachtsmann beschenkt sie alle

… im nächsten Winter kommt er wieder.


Die Vöglein kuscheln sich im Nest

das Kind ruht in der Wiege

die Welt hält eine friedvoll Rast

der Engel wünscht, dass es so bliebe.


Wir wünschen all unseren Autorinnen und Autoren, dem gesamten Team und allen Bücherliebhaberinnen und Bücherliebhabern ein besinnliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins Jahr 2023!

Gedicht des Monats Dezember

01.12.2022

von Sigrid Steinke


Christröslein

Von der Polarluft eis’gem Hauch
spür ich die weiße Kälte auch.
Der Schnee ist gekommen von Norden her
und lässt frieren Mensch und Tier.

Ich traue meinen Augen kaum,
was grünt da bei dem Tannenbaum?
Etwas schönes, weißes Anmutiges ich hier seh.
Ein Blümlein steckt seinen Kopf aus dem Schnee.

Es ist ein Christröslein
und seine Blätter sind zart und fein.
Es hat die Kraft zum Blühen gefunden
und auch eisige Kälte überwunden.


aus: Welt der Poesie. 21. Edition. S. 133

ISBN 978-3-8280-3626-0

Gedicht des Monats November 

01.11.2022

von Frank Delonie


Der Literat 

Der Literat sitzt parat als Buchstabenakrobat,
dem rechten Worte von Natur aus auf der Spur.

Wort um Wort, Satz um Satz
von jedem Ort, so formt er seinen Schatz.
Buchstabe um Buchstabe - ein euphorisch gebildeter Knabe!
Silbe um Silbe schafft er im Spagat,
auch liest er viel und hört gut zu,
so führt der Literat parat zum „Rendezvous“!

Der Literat sitzt parat Als Chronist und Zeitwart,
dem rechten Worte auf der Spur, so zu jeder Stunde -
und ist mit den Lesern stets im Bunde!


aus: Welt der Poesie. 22. Edition.

ISBN 978-3-8280-3679-6

Gedicht des Monats Oktober

04.10.2022

von Elisa Adam


Meeresrauschen

Wie sehr genieße ich das Meeresrauschen
& den Wellen einfach nur zu lauschen.
Wie schön finde ich es, den Möwen beim Fliegen zuzusehen.
Ich kann dieser Landschaftsidylle einfach nicht widerstehen.
Um meine Nase herum weht eine See-Brise.
Es ist der Wahnsinn, wie sehr ich diesen Augenblick genieße.
Um mich herum ist keine Menschenseele.
Ein Moment, wo ich mich von der Realität davonstehle.
Ich bin einfach nur im Hier und Jetz'.
Wie sehr ich manchmal das Leben wertschätz'.
Also atme ich ein letztes Mal ein und wieder aus,
öffne meine Augen und schaue nochmal aufs Meer hinaus.


aus: Wenn Worte Blühen. Literatur de luxe. Band 5. S. 16

ISBN 978-3-8280-2632-1

Gedicht des Monats September

01.09.2022

von Sabine Wich


Abschied vom Sommer

Sommergraue Weiden
niemands Land mehr kleiden.
Staub und Wind bedecken,
nichts ist zu erwecken.

Vogelfedern treiben,
wollen nicht mehr bleiben.
Abschied winkt wie Sterne
stetig in der Ferne.

Wachsen zeigt sein Enden
still in unseren Händen.
Feld und Baum verneigen
ihr Gewand und schweigen.

Wolkenfähnchen fliegen,
qas ist, will sich anschmiegen,
des Sommers helles Wesen
im Himmelsblau verlesen.

Brennend Herz verdichtet,
dass es nicht vernichtet,
in Liedern, die bewahren, 
was gut ihm widerfahren.

Kühle Lüfte jagen
nunmehr in den Tagen
des Sommers letzte Stunden,
frei und ungebunden.


aus: Welt der Poesie. Band 17 (S. 132)

ISBN 978-3-8280-3417-4

Gedicht des Monats Juli

01.07.2022

von Lena Jörk


Was bleibt denn, wenn ich einmal geh?
Ich nicht mehr auf der Erde steh?
Was habe ich bis dann erreicht,
wenn das Leben langsam aus mir weicht?

Bin kein Millionär geworden,
besitz auch keine großen Orden.
Die Klimakrise nicht beendet
und zu wenig Geld gespendet. 

Doch werd ich diese Welt verlassen,
wird mein Vermächtnis nicht verblassen,
denn ein kleiner Teil von mir
Steckt für immer auch in dir.

Hab dir die ganze Welt erklärt,
wie man auf dem Fahrrad fährt,
wie man schwimmt im tiefen Meer
und sicher ist im Stadtverkehr.

Hab dir gezeigt was Liebe ist,
und was für ein toller Mensch du bist.
Wie du andere glücklich machst,
wenn du einfach herzlich lachst.

Und wenn ich einmal gehen muss,
dann ohne Hass, Leid und Verdruss.
Denn das, was meine Werte sind,
steckt in dir, mein Kind.


Lena Jörk ist eine von drei Gewinnern*innen des Lyrikwettbewerbs 2022 "Wenn ich einmal nicht mehr bin".

Gedicht des Monats Juni

01.06.2022

von Peter Kleine


Was ich hier in Klarheit sage, 
trifft bei euch erst später ein.
Ihr mögt sehen diese Tage
meines Lebens, meines Seins.

Kinderseele einst behütet,
Wiegenlied im Sternenlicht,
jede Wohltat wurd‘ vergütet.
Zauberhaft: So ficht mich nichts.

Plante fest, die Welt zu bessern,
hin zur Exzellenz allein.
Ziele durften mal verwässern,
herrlich war‘s, ein Kind zu sein.

Erhabenes stimmt‘ hoffnungsvoll,
ganz nobel, hilfreich, mutig,
und sanfte Größe jeder Zoll,
da edle Herzen schlugen gütig.

Geborgenheit macht´ stark und schafft
Verlässlichkeit in dunklen Tagen, 
verlor im Blick, was fehlerhaft,
war hilfreich in manch schweren Lagen.

Auch trug das Leben öfter Trauer,
trat auf in stählernem Gewand,
erbarmungslos schlug‘s auf die Mauer,
die traulich Träume jäh verbannt.

Der Heil‘ge Gral ward nicht gefunden,
das Irdische gewährt ihn nicht.
Doch viele wunderbare Stunden
verheißen Licht, das Dunkel bricht.

„Lass dir nicht den Kindheitsglauben
nehmen, wenn du suchst ein innig Heim.
Niemand kann die Sehnsucht rauben“,
sagt des Lebensstimme mein.


Peter Kleine ist einer von drei Gewinnern*innen des Lyrikwettbewerbs 2022 "Wenn ich einmal nicht mehr bin".

Gedicht des Monats Mai

03.05.2022

von Jasmin Treyße


Einzig die Erinnerung 




W arum siehst du mich so an


A lles gegeben, was ich kann


S ag, wirst du an mich denken?




B leib noch eine Weile bei mir, sei ganz Mein

L ass mich nicht umsonst gewesen sein

E inen Moment nur, kannst du ihn mir schenken?



I ch gehe, mit dir in meinem Herz


B itte - vergiss mich nicht


T ät ich selbiges doch auch für dich


Jasmin Treyße ist eine von drei Gewinnern*innen des Lyrikwettbewerbs 2022 "Wenn ich einmal nicht mehr bin".

Gedicht des Monats April

12.04.2022

von Dahee Tem


Frühlingsblüten


(in Memory of Maria)

Des Windes sanfte Brise
in Blüten der Blumenwiese,
die Erinnerungen erwachen,
schöne Momente mit Lachen.

Der Wind der Wärme soll wehen,
ohne Worte alles verstehen.
Die Tage vor den Augen halten,
mit gemeinsam erlebten Zeiten.

Der Wind der Nähe soll wehen,
den Gedanken beistehen.
Der Austausch in vielen Stunden,
die Lösungsvarianten erkunden.

Der Wind der Liebe soll wehen,
Augenblicke dankbar sehen.
Die Bilder des Erlebten erfassen,
ich muss dich gehen lassen.

Der Wind der Hoffnung soll wehen, 
Erinnerungen niemals vergehen.
An den Gott immer tief glauben,
den Tränen freien Lauf erlauben.

Die Seelenverwandte, sie fehlt,
der Weg ist nicht mehr versperrt.
Die Liebe zu den Frühlingsblüten,
im Herzen will ich alles hüten.


aus:

Wenn Worte blühen. Literatur de luxe. Band 5 - Dahee Tem (S. 182)

ISBN 978-3-8280-3632-1

Gedicht des Monats März

01.03.2022

von Roswitha Charlotte Schwenk


Blütenzauber


im Land des Lächelns

berührt der Mond sanft

die schlafenden Kirschblüten

trägt ihren Duft durch die Nacht

und in der Morgenröte

atmet der Tau den Liebreiz

des kühlenden Windes

durch den Schleier der Zeit

ein flüchtiger Augenblick verweilt

wie der Schatten des Mondes im Licht


aus:

Welt der Poesie 21. Edition - Roswitha Charlotte Schwenk (S. 125)

ISBN 9783-8280-3626-0

Gedicht des Monats Februar

01.02.2022

von Heidrun Stödtler


Majoran


duftendes Haus

fettiger Därme

Fleisch dreht sich

im alten Wolf

das Karussell jault

löst den Guss

der Jahre

fließt

in glitschige Hände

der Schlachter

braucht Schnaps

verschüttet ihn

zitternd

neben den Messern

auf salzigem Brett

bröselt Majoran

über schmierige Wege

fliehen Spinnen

Mäuse schnuppern

vorm Schrank

auch ohne Würste

Gerüst der Löcher

das Haus fast gestorben

neben dem Mist

wuchernde Kräuter

geben noch Kraft

die Alten

in Truhen verborgen

Schürzen mit 

Taschen voll Duft


aus:

In der Mitte der Welt - Heidrun Stödtler (S. 47)

ISBN 978-3-8280-3670-3


- 2021 -

Gedicht des Monats Dezember

15.12.2021

von Hilde Mai


Advent


Wie leuchten die Augen im Advent,

zur Freude uns ein Lichtlein brennt.

Im Zimmer geheimnisvoll Wohlgerüche,

Bratäpfel, Gebäck sind aus Omas Küche.


Und die geschnitzte Pyramide sich dreht,

auf der die Krippe vom Jesuskind steht.

Der Enkel lauscht nun dem Märchen, der Sage,

rot glühn seine Wangen an diesem Tage.


Der Opa behaglich die Pfeife stopft.

Und an der Futterglocke ein Waldvöglein klopft.

Die Dämm'rung vom Fenster lässt Kälte nicht rein,

die kleine Familie spürt ihr Geborgenheit.


Wird's vierte Lichtlein dann angezündet,

der Tanne Lichterglanz von der Weihnacht kündet.

Vorfreude - du trauter Gast mit willkommenem Schein,

Lass mich Erwartungsvoll wie die Kinder sein. 


aus:

Stern der Weihnacht - Hilde Mai

978-3-8280-3332-0

Gedicht des Monats November

11.11.2021

von Evert Sanders


Novembertage


Der November wird kaum einen Liebhaber finden,

es sei denn, ein Mensch feiert Wiegenfest.

Sein Walten betrübt uns mit feucht-kalten Winden,

mit Dunkelheit, Grautönen, kahlem Geäst.


Auch Sturmregen zählt zu Novembers Waffen.

Und oft verwünschen wir die nassen Peitschenhiebe.

Doch nur dank ihrer Tänze kann der Feuerball schaffen,

was ohne ihr Toben fruchtlos bliebe.


Denn wenn als Bruder der Sonne der Wind nicht wär',

blieben im Lande die Kornspeicher leer.

Und fehlte die regendurchfeuchtete Krume

sprössen weder Baum noch Blume.


Wir müssen Wind und Regen als Freunde begreifen,

welche wirken, dass uns're Ähren reifen,

und neue Blüten und Fruchtknospen sprießen.

In Dankbarkeit lasst uns November begrüßen.


aus:

Welt der Poesie, 21. Edition - Evert Sander (S. 112)

ISBN: 978-3-8280-3626-0

Gedicht des Monats Oktober

26.10.2021

von Dieter Picklapp


Das Wetter


Täglich fällt vom Himmel Regen

zu des Wachstums Wohl und Segen. 

Zu des Menschen größter Wonne 

scheint ihm danach wieder Sonne. 


Des Wetters Zwiespalt ist extrem, 

die Sonne wettert angenehm,

des Regens nasse Feuchtigkeit 

vermählt sich mit der Trockenheit. 


Doch alles, was dazwischenliegt, 

macht sich dem Menschen unbeliebt, 

und Stimmungsbarometerretter

ist oftmals nur noch Sonnenwetter. 


aus:

Geistesblitze - Menschliche Schwächen - Dieter Picklapp (S. 45)

ISBN: 978-3-8280-3651-2

Gedicht des Monats September

22.09.2021

von Sonja Dworzak


Herbsttage

Der Herbst in seinen schönsten Farben

Wandelt in gelben Tönen die Natur,

Die Bäume, reich mit Frucht beladen,

Zieren bunt leuchtend Wald und Fluren.

Der Tag mit warmen Sonnenstrahlen

Erblüht in herbstlich frischem Glanze,

Wo letzte Rosen ihre Blüten falten,

Vereinen Schmetterlinge sich zum Tanze.

Ein Netz mit tausendfachen Fäden

Ins Strauchgewirr kunstvoll hineingewebt,

Manch Spinnen, ihr Geflecht gestaltend,

Lauern unermüdlich auf Getier.

Nächtlicher Tau benetzt die Wiesen,

Die nur mehr wenig Blumen tragen,

Langsam werden die Abende länger,

Die lauen Winde wehen kalt und rau. 

aus: 

Ich atme ein und aus die Welt - Sonja Dworzak (S. 38)

ISBN: 978-3-8280-3622-2

Gedicht des Monats August

24.08.2021

von Bernd Michael Hanel


Märchenhafte Ferien auf Hiddensee 


I

Es gab Sonne,

Es gab Mond,

Wie Glas schimmernde Tautropfen, 

Spinnennetze und Meer.

Meer und regenbogenfarbene Himmel. 


II

Es gab Nebel,

Es gab blühende Heide,

Reife Mehlbeeren und schwarzen Holunder. 

Dann noch die Geräusche von Vogelschwärmen, 

Lärmende Spatzen und

Wieder Meer.

Meer und haltlosen Dunst. 


III

Es gab Regen,

Es gab feuchte Wiesen und 

Schwermütige Stürme,

Silberne und kupferne Sonnenstrahlen. 

Es gab tanzende Schwalben,

Gebratene Fische, feinen Tabak

Und wieder das Meer,

Absinthgrünes, schwarzes, blaues Meer. 


IV

Süße Sinnlichkeit gab es, 

Und es gab

dich. 

aus: 

Wir, die wir mitten im Leben steh'n - Bernd Michael Hanel (S. 72-73)

ISBN: 978-3-8280-3609-3

Gedicht des Monats Juli

20.07.2021

von Steffen Teichmann


Mein Schmetterling

Sonett 306


Zieht's mich zu dir, zu dir in die Wiese,

will es singend, singend in mir werden,

und ich wünsch' mir, wünsch' mir deinen Arm,

der mich nimmt und warm umfangen hält.


Fliegst du zu mir, zu mir in die Wiese,

will es in mir flattern, singend werden,

und ich wünsch' mir, wünsch' mir deinen Arm,

der mich nimmt und warm gefangen hält.


Fliege zu mir, sei mein Schmetterling,

zärtlich hab' ich dich in meinem Bauch,

leg' dich zu mir, zu mir in die Wiese.


Liege bei dir, bei dir in der Wiese,

bin dein Falter weich auf deinem Bauch,

flattere um dich, bin dein Schmetterling.


aus:

Sinnliche Bekenntnisse - Erotisches Geflüster über Liebe und Leidenschaft. (Seite 107).

ISBN: 978-3-8280-3617-8 

Gedicht des Monats Juni

16.06.2021

von Carmen Quantius


Zwischen den Welten

Ich sah noch die Lichter am Ufer der Meere

eben, ach, war ich noch hier, war ich da,

doch nun lieg ich still und ich schau in die Leere,

wo mir die Ferne auf einmal so nah.

 

Der Klang jener Wellen wird leise und leiser,

Sterne verblassen zu Nebel und Grau,

ich rufe und schreie und fühle mich heiser,

kalt ist die Seele, die Winde sind lau.

 

Hinfort meine Wege, vom Denken zertreten,

wieder und wieder ergreif ich die Flucht

und lausche dem Treiben, dem Wechsel und Steten,

ewig gefangen im Schatten der Bucht. 


Carmen Quantius ist eine von drei Gewinnern*innen des Lyrikwettbewerbs 2021 "Wenn es dunkel wird in mir".

Gedicht des Monats Mai

18.05.2021

von Johan Crim


Todessehnsucht

Verborgen unter hohen Bäumen
liegt ein leeres Grab
erwartet mich in meinen Träumen
lockt stetig mich hinab.

Täglich rückt des Todes Kunde
näher an mein Herz heran
schließt sich kalt um meine Wunde
die die Zeit nicht heilen kann.

Wartend zähl ich jede Stunde
ruhelos, wie unter Bann
leerer Blick auf kalter Weite
Flügelschlag der einst befreite
dreht im Kreis und jede Runde
endet dort, wo sie begann.

Schweigen dringt aus meinem Munde
schlingt sich um mich seelenlos
wartend zähl ich
Grauen zwingt mich
zitternd nach dem Grunde –
wo ich bleibe, regungslos.

Leiermann ich hör’ dich spielen
unerbittlich, monoton
Krähen lachen ob den Zielen
Einsamkeit, ich komme schon.


 

Johan Crim ist einer von drei Gewinnern*innen des Lyrikwettbewerbs 2021 "Wenn es dunkel wird in mir".

Gedicht des Monats April

21.04.2021

von Mirjam Rebhan

 

Manchmal

Manchmal
Kommt sie schleichend.
Kleine Tippelschritte
Tiefer die Wendeltreppe hinab.
Jede Stufe ein weiterer dunkler Gedanke.
Jede Stufe ein Gewicht mehr,
Das mich im Bett hält.
Mit jeder Stufe schwindet meine Kraft,
Meine Hoffnung,
Das Licht.

Manchmal
Sitze ich schon mittendrin.
Öffne die Augen
Und es ist dunkel um mich.
Kein Licht dringt rein und
Nichts dringt raus.
Die Hoffnungslosigkeit
Hat alle Fenster
Zugenagelt.

Manchmal
Ist sie da, sobald der Vorhang fällt.
Grad noch umgeben
Von Menschen, Lachen und Strahlen.
Dann ist die Vorstellung aus
Und das Licht erlischt.
Ich sitze
Alleine
Im Dunkeln.

 

Mirjam Rebhan ist eine von drei Gewinnern*innen des Lyrikwettbewerbs 2021 "Wenn es dunkel wird in mir".

Gedicht des Monats März

10.03.2021

von Regina Franziska Fischer


IM FRÜHLINGSRAUSCH


Mit halb geschlossenen Augen

Den Frühling verkosten

Die Sprache der Amsel verstehen

In ihrem sinnlichen Gesang und

In die hungrige Seele

Fließen lassen


Mit halb geschlossenen Augen

Den Abendhauch tief einatmen

Einlullend empfängt er Dich

Gleich einem Seidenschleier

Vor der ersten Frühlingsnacht


Erwachen mit neugierigen Augen

Wiesen und Wälder im Frühlingskleid

Durchstreifen und ersten zarten

Blüten die verdiente Kusshand

Zuwerfen


Alles im kostbaren Werden

Nie mehr vergehen...


in Liebe für meine Schwester Christine Pollok

zu ihrem 65. Geburtstag. Happy Birthday!


aus:

Roland Watzke (Hrsg.)

"Wenn Worte blühen. Literatur de luxe. Band 4"

ISBN: 978-3-8280-3600-0

Gedicht des Monats Februar

10.02.2021

von Susanne Gehrke


Weiße Flocken


Weiße Flocken schweben nieder,

ihre Freunde mitgebracht,

toben, tanzen, singen Lieder,

ergreifendes Lachen durchdringt die Nacht,

weiße Flocken vom Winde getragen,

heller Schein, ein Funkeln nur,

der Wind, der Wind, muss es ertragen,

in seiner Liebe verfolgt er die Spur,

eine Flocke hat es ihm angetan,

er pustet, lächelt und feuert sie an,

die Schöne, die Schöne nimmt ihn nicht wahr,

so wartet er aufs nächste Jahr.

 

aus:

Susanne Gehrke

"DEIN WEG ZU DIR - Gedichte, die das Leben schrieb"

ISBN: 978-3-8280-3522-5

Gedicht des Monats April

 16.04.2020

von Christine Pollok


Du bist da

für Wilhelm


Ganz und gar eins,

verliebt in deine Seele, 

überwinde ich Zeit.

Wandere mit dir

durch Tag und Nacht

und sehe dich

im ersten Licht

des Erwachens.

Das Tor ist weit,

sanft meine Flügel

des ruhenden Geistes.

Wie könnte ich zweifeln

im Urknall meines Seins

mit Sonnenstaub im Haar

der kosmischen Klänge?

Du bist da.

Ganz einfach.


aus:

Christine Pollok

"Jetzt ist ewig"

ISBN: 978-3-8280-3242-2

Gedicht des Monats August

 von Maria Quinius

 

Zeit zu Zweit

 

Ich denke in so mancher Stunde, für mich jede Sekunde,
die ich mit dir verbracht
in Liebe und Lust.

Haut auf Haut,
Hand in Hand,
zusammen und doch allein.

Die Sehnsucht treibt mich zu dir, wie der Wind die Wellen
das Meer peitscht
und wieder vergisst.

Gedicht des Monats

23.04.2019

von Rüdiger Freiherr von Neubeck


Ostern 2019

Leise locken tausend Sterne
Schenken Zauber unsrer Welt
Glänzen nah und in der Ferne
Welche Gottes Segen hält


Tiefer träumen unsre Tage
Von Erlösung immer neu
Flüstern ihre alte Sage
Die der Schöpfung bleibet treu


Singen dann die Chöre weicher
Schwingt die ganze Welt schon mit
Und empfängt die Liebe reicher
Durch des Heilands Himmelsritt.


© Rüdiger Freiherr von Neubeck, 2019

Gedicht des Monats Dezember

01.12.2018

von Anna-Lena Mutschall


Und wenn

Und wenn meine Lippen auf ewig schweigen 
aber innerlich mein treues Herz zerbricht, 
und voll Sehnsucht sich die Lider neigen:
Wenn du nur wüsstest, wie oft mein Herz deinen Namen spricht!

Und wenn meine Liebe zu dir fliegen könnt' –                                                                                         so würd sie sanft dein Antlitz berühr'n;                                                                                                   sei mir das Glück mit dir nur einmal noch gegönnt:                                                                            Doch nie wieder  werd' ich deine Hände in den meinen                                                                 spür'n?

Und wenn noch immer meine Seele stumm nach deiner ruft –                                                                so bleibt's mein Geheimnis doch auf immer dar;                                                                                    war unser Ende auch tragisch und verflucht:                                                                                        Weiß ich doch, dass es unvergesslich: echte Liebe war!



aus:

Johann-Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Welt der Poesie – Almanach deutschsprachiger Dichtkunst – 17. Edition" 

ISBN: 978-3-8280-3417-4

Gedicht des Monats November

01.11.2018

von Ricardo Gondim


Meine Seele hat es eilig

Ich zählte meine Jahre und entdeckte, dass mir weniger Lebenszeit bleibt als die, die ich bereits durchlebte.

Ich fühle mich wie jenes Kind, das eine Packung Süßigkeiten gewann: Die ersten aß es mit Vergnügen, doch als es merkte, dass nur noch wenige übrig waren, begann es sie wirklich zu genießen.


Ich habe keine Zeit mehr für unendliche Konferenzen, wo man Statuten, Normen, Verfahren und interne Vorschriften diskutiert; wissend, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen, die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.

Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen.

Ich will nicht in Meetings sein, wo aufgeblähte Egos aufmarschieren.

Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten.

Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Stellen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.

Die Menschen, die keine Inhalte diskutieren, sondern kaum die Titel.

Meine Zeit ist zu knapp, um Überschriften zu diskutieren.

Ich will das Wesentliche, denn meine Seele hat es eilig.

Ohne viele Süßigkeiten in der Packung...

Ich möchte neben Menschen leben, die sehr menschlich sind.

Die über ihre Fehler lachen können.

Die sich auf ihre Erfolge nichts einbilden.

Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen.

Die nicht vor ihren Verantwortungen fliehen.

Die die menschliche Würde verteidigen.

Und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten.

Das Wesentliche ist das, was das Leben lohnenswert macht.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die das Herz anderer zu berühren wissen.

Menschen, denen die harten Stöße des Lebens beibrachten zu wachsen mit sanften Berührungen der Seele.

Ja ... ich habe es eilig ... um mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.

Ich versuche, keine der Süßigkeiten zu verschwenden, die mir noch bleiben.

Ich bin sicher, dass sie köstlicher sein werden als die, die ich bereits gegessen habe.

Mein Ziel ist, das Ende zufrieden zu erreichen - in Frieden mit mir, meinen Liebsten und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du merkst, dass du nur eines hast.

  aus:

Ricardo Gondim

"Tempo che foge!"

ricardogondim.com.br

Gedicht des Monats August

01.08.2018

von Roland Watzke


Dichte Zeiten


Und manchmal gibt es


dichte Zeiten ...

– des Dichters Zeiten –

Zeiten voller Ereignisse.

Es passiert vierzig Jahre nur

Alltägliches, wenig ...

Und dann überschlagen sich

die Dinge


Dichte Zeiten, des Dichters Zeiten!


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Wenn Worte Blühen – Literatur de luxe – Band 1" 

ISBN: 978-3-8280-3431-0

Gedicht des Monats Juli

01.07.2018

von Evelyn von Wietersheim


Treibstoff Sehnsucht


Die Welt voller Träume vom Glück,
voller Hoffen und rastlosem Streben,
doch sobald wir Erfüllung erleben,
ist wieder die Sehnsucht zurück –

und die treibt uns, egal was wir machen,
als Vision der vollkommenen Welt
und wird wieder ihr Scheitern verlachen,
weil sie sich für unsterblich hält.

Und das ist sie. So sehr wir gestrebt,
ist sie doch niemals ganz zu befriedigen,
weil die vollkommene Welt hienieden
allein von den Träumen lebt.


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Wenn Worte Blühen – Literatur de luxe – Band 1" 

ISBN: 978-3-8280-3431-0

Gedicht des Monats Juni

01.06.2018

von Manfred Elsässer

 

Die wunderbare Adelheid


Es ist für mich die Adelheid,

egal, ob mit, ob ohne Kleid,

für heute und für alle Zeit

im ganzen Lande weit und breit

die wirklich allerschönste Maid;

und dabei ist sie sehr gescheit.

Das sage ich ganz ohne Neid.

Ich gebe gern ihr das Geleit,

egal, ob's regnet oder schneit

und ob der Weg auch noch so weit.

Und wenn dann jemand zu mir schreit:

"Ich hab mich doch ihr geweiht",

dann scheue ich auch keinen Streit

und trage gern auch manches Leid.

Für sie bin dazu ich bereit;

es fehlt mir dazu nie der Schneid.


aus:

Manfred Elsässer

"Von oben gehoben" 

ISBN: 978-3-8280-3428-0

Gedicht des Monats Mai

01.05.2018

von Werner Hauke


Du bist


Musst du's jetzt noch nicht besorgen,
so verschiebe es auf Morgen
und du hast an deiner Seite
ein ermutigendes Heute.

Endlich kannst du dich verführen,
deinen Wünschen nachzuspüren,
und, was aus den Augen war,
kurz entschlossen aufzuschnüren.

Endlich kannst du inspizieren,
in Regalen obduzieren,
und was deine Neugier weckt,
zielgerichtet ausprobieren.

Und du kannst auch neu sortieren,
und dich schnell vom Plunder trennen,
um am Ende eins zu können:
Wichtiges zu profilieren.

Was du später kannst besorgen,
hat auch Zeit bis übermorgen
und du brauchst auch morgen nicht,
deine Tatkraft zu verborgen.


aus:

Werner Hauke

"Bremsvorgänge" 

ISBN: 978-3-8280-3433-4

Gedicht des Monats April

01.04.2018

von Winfried Aurich


Das Buschwindröschen – Anemone


Wie Löwenzahn auf satten Wiesen,
blüh´n Anemonen tief im Wald. 
Wenn sie so reich um Buchen sprießen,
ruft keck der Mai: ,,Ich komme bald´´.

Dann knackt´s und raschelt´s in den Bäumen,
die Knospen üben Nabelschau.
Die Hüllen fallen, Blätter träumen,
von grünen Blättern unterm Blau.

Auch Vögel sind nun aus dem Häuschen,
begrüßen lustvoll die Natur,
durch´s Laub da rascheln Haselmäuschen
und blicken schau daraus hervor.

Was kreucht und fleucht ist guter Dinge,
der Amsel Lied schallt durch die Luft,
an Blüten schwelgen Schmetterlinge,
es weht durch´s Land ein süßer Duft.

Wer denkt da nicht an ew´ge Treue,
weil doch der Frühling schnell vergeht.
Das Röslein blüht auch nur auf´s Neue,
wenn es den Winter übersteht.

Gedicht des Monats März

01.03.2018

von Anne David


Fernweh

 

Auf einem Bahnsteig stehen.

Züge kommen, fahren weiter.
Soll man einsteigen?

Ahnung lockender Ziele
und doch –
es nicht wagen.

Vertrauten Bahnsteig
nicht tauschen wollen
mit fragwürdiger Reise.

Und doch
sich sehnen
nach den unbekannten Fernen.

So steht man
oft ein Leben lang
und versäumt.

Warum
wagt man nicht
die Fahrt ins Ungewisse?


aus:

Anne David

"Gedankenspiele über Nichts und Alles" 

ISBN: 978-3-8280-3427-3

Gedicht des Monats Februar

01.02.2018

von Mia Lada-Klein


So wie du bist

So wie du bist und nicht anders,

will ich dich haben.

So wie du bist, ganz und gar,

will ich dich lieben.


Mit allen Schattengestalten, die um dich herumtanzen.

Mit allen Blessuren, die das Leben auf die und in dir

hinterlassen hat.

Mit allen irren und wirren Gedanken, die kommen und gehen.

So wie du bist und nicht anders,

will ich dich.


Mit allen Splittern in deinem Herzen, die der Vergangenheit

geschuldet sind.

Ich will dich mit allen Dämonen,

die dich begleiten.

Ich will dich nicht anders,

nur so wie du bist.

In deiner ganzen Einzigartigkeit,

von Nebel und Magie umhüllt.

Ich will dich als Lichtgestalt

und als Schattenwesen.

Sei wie du bist,

was du bist,

wer du bist,

denn dafür liebe ich dich.


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Welt der Poesie. 17. Edition" 

ISBN: 978-3-8280-3417-4

Gedicht des Monats Januar

01.01.2018

von Sabine Wich


Winter


Der Winter

friert Worte ein

in die Stille weißen Schnees.

Heute und morgen

werde ich schweigen,

obwohl mein Herz

in rauer Kälte brennen will.

Die Starre hofft ...

Geduld wird bald überwunden sein.

Mein weißes Blut

wird en Strom nicht entbehren,

der nach dem ersten Bruch

die Liebe schwemmen will.

Meine Stimme

wird sich erheben,

den Ton gewahr seines Grundes,

der im Frühjahr leise

die Zweige färben wird.


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Welt der Poesie. 17. Edition" 

ISBN: 978-3-8280-3417-4

Weihnachtsgedichte 2017

 Weihnachtsgedanken (von Winfried Aurich) 

Des Herbstes Trauer geht zu Ende

und Ruhe macht sich in uns breit,
es naht ja schon die Sonnenwende
und kurz darauf die Weihnachtszeit.

Die Tage werden wieder länger
auch Frühlingsblüher sind bereit.
Es piepsen bald die kleinen Sänger,
der Lenz webt schon an seinem Kleid.

Wir können nun kurz Atem holen,
in trauter Runde, Kerzenschein.
Der Winter schleicht auf kalten Sohlen,
des Sommers Lachen holt uns ein.

Versucht beim Feiern und Beschenken,
wenn man von Gottes Gnade spricht,
auch wie ein Christenmensch zu denken,
denn die im ´´Dunklen´´ sieht man nicht.

Wem grämt es schon in warmen Betten,
wenn Fremde frieren vor der Tür.
Erbarmen kann die Seele retten,
erwartet keinen Dank dafür. 


Mitten in der Winternacht 2017 (von Hilde Mai)

  Solang’ uns Gott einen Menschen sendet,

der für uns da ist und dessen Liebe Güte spendet
und hütet die Botschaft von der Heiligen Nacht,
wo’s Christkind in der Krippe wird von Engeln bewacht.

Die heil’ge Familie und Ochs, Esel, Lamm gehören dazu.
Noch schläft die Gnade in einsamer Ruh.
Die heil’gen drei Könige verteilen Gaben ans Jesuskind
Und Myrrhe, Gold, Weihrauch ihre Geschenke sind.

Tut Gutes, zeigt Erbarmen in eisiger Nacht.
Wo viele Gewissen erst jetzt sind erwacht.
Macht Himmelstore weit für offene Herzen hier auf Erden,
Es muss endlich wieder Frieden werden.

Gedicht des Monats Dezember

01.12.2017

von Marion Garbe


Mein Winterland

 

Durch meine Träume hindurch
sind Sterne gefallen
auf meinen Frühlingsweg.
Weiße Sterne aus Schnee.

Mit dem Frost bin ich gegangen,
mit der kühleren Sonne
durchs Haus der Eiskristalle
ins Winterland.

Vom Pfahl der Pferdekoppel
aus verwittertem Holz
sieht lautlos der Rabe mir nach,
blaugrün gefiedert.
Und am Ende des Weges,
zart und hochgewachsen
in all dem Winterweiß
ist Restgras lebendig
wie Ährengold im Sommer.
Oder so golden wie
das Haarkleid des Hundes
in meiner Hand.

Über mir aber ruhen
Schicksalsgestirne. Zeitlos.
Vom Gestern geleiten sie
auf die Wege des Morgen,
jener Ferne entgegen,
die Verheißung ist und
einziges Tor zum Immergrün.


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Auslese zum Jahreswechsel. 26. Edition"

ISBN: 978-3-8280-3413-6

Gedicht des Monats November

01.11.2017

von Christian Barsch 


Im Nachtschwarz

  

"Im Nachtschwarz wird des Menschen Ausblick klarer,
         als je ihm hastigbunter Schein zeigt." –
"Grübelnde Seele nun Problemeerfahrer,
         bis grau druchs Fenster Tag hereinsteigt."


aus:

Christian Barsch

"Miniatur-Dialoge"

ISBN: 978-3-8280-3396-2

Gedicht des Monats Oktober

01.10.2017

von Alli Wolfram

 

Blätterverwandtschaft


Tanzend in den Winden fliegend,
bunt und voller Farbenpracht,
säuselnd sich auf Bäumen wiegend,
spiel'n sie – wie der Herbst nun lacht.

Weinig von dem einst so grünen,
frischen, jungen, saft'gen Laub
kann sich noch des Lebens rühmen.
Bald schon wird's der Stürme Raub.

An den kühlen, nassen Tagen
– trübe ist des Himmels Licht –
kann ihr Flattern nichts mehr fragen.
Ruh'n am Boden dicht bei dicht.

Schlaf jetzt, bis der Frühling winkt,
schlaft, ihr wilden Brüder.
ICH BIN, DER DIE TINTE TRINKT.
Auf mir steh'n eure Lieder.

(Sechs Monde später grünt es wieder
und auf uns fällt der Regen nieder.)


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Ly-La-Lyrik. 27. Band"

ISBN: 978-3-8280-3391-7

Gedicht des Monats September

01.09.2017

von Hans-Ulrich Schneider


Das Glühwürmchen

 

An einem schönen Tag im August,
als hätte es die Sonne gewusst,
verließ sie mit einem blutroten Scheine,
es sah aus als ob die Sonne weine,

mit einem Abendrot das Firmament,
ein Rot, man meinte, der Himmel brennt.
Dieses Schauspiel war bald zu Ende,

die Dunkelheit brachte die Wende.

Zur gleichen Zeit will ich berichten,
von einem Streit, den sollt' ich schlichten.
Ein Glühwürmchen in seiner Wohnung putzte,
als es klingelte an der Tür, mit einmal stutzte.

Es war ein Vertreter vom Stromkonzern,
dieser sehe es gar nicht gern,
wenn ein Kunde mit seiner Leuchte
nach hinten scheint wenn er sie vorne bräuchte.

Das Glühwürmchen versprach dem Vertreter,
es wolle etwas später,
durch den Einsatz von LED,
die Wege so hell ausleuchten als läge Schnee.

 

aus:

Hans-Ulrich Schneider

"Der Schmetterlingsstrauch und andere Gedichte"

ISBN: 978-3-8280-3408-2

Gedicht des Monats August

01.08.2017

von Adèle Lukácsi


Ein Strauss Worte

Ein Strauss Worte
Ein Strauss, aus Worten gebunden.
"Wir sind das Leben", sagen sie,
"bunt, veränderlich, vergänglich"
versuche zu versteh'n,
folg' Spuren, die zu Herzen geh'n.
Vertraue deiner Stimme – vertraue ihr.
Deine Seele liegt in ihr.

 

aus:

Adèle Lukácsi

"Sonare, mein Lied"

Mit Zeichnungen von Madeleine Felber

ISBN: 978-3-8280-3394-8

Gedicht des Monats Juli

01.07.2017

von Thomas Helmer

Der Raum ist still

Der Raum ist still
kein Hauch bewegt sich
lautlos die Luft im Raum steht
zwei Blicke berühren sich
von Angesicht zu Angesicht
und erhellen nicht nur diesen Ort
dieser Augenblick spricht für sich
es ist ein Anblick
der himmlischen Muße
Worte bedarf es derzeit keine
mit ihrer Kraft ringen sie
diesen Moment der Stille nieder
jetzt sprechen Herz und Seele
und das
mit ihren eigenen Worten
wenn und aber
kennen sie nicht
ihnen jetzt Einhalt zu gewähren
wäre unnütz
sie gehen ihren Weg
es erwärmt sich die Luft im Raum
anziehend wirkt diese Wärme
sie beginnt gar zu knistern
ohne jeden Unterlass
schweigsam sich im Moment
die Gesichter betrachten
ihre Lippen bewegen sich
ohne Wort und Melodie
in diesem Moment
sagen die Augen
was sie fühlen
die Luft beginnt zu glühen
sie begehrt jene innigen Umarmungen
welche keine weiteren
Worte bedürfen.

 

aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Ly-La-Lyrik. 27. Band"

ISBN: 978-3-8280-3391-7

 

Gedicht des Monats Juni

01.06.2017

von Friedrich J. Minde


Zwei Enden zur Schleife

 

Ganz ungehärtet die Existenz

Kleinblütiger Wildkräuter

Und unter dem Pechglanz

Von außen angreifender

 

Eiserner Reifen

      Wunden sie bluten uns blind –


Wahrnehmungsaufgabe fremden

Gefühls – dass eine Fürhilfe

Gleichsinnig

Schwindendem Wind – dass sie

Der Schwere schwach widerspricht

 

        Blind müssen Augen uns weinen –

 

Bewusst aber der Schlange

Gespaltener Kuss: Wenn er die

Doppelfigur die

Öffnet sich auf den Grund

Wo Unberührbares aufscheint


        Füll mir die Wunden mit Tränen –

        Bis sie uns Augen sind

 

aus:

Friedrich J. Minde

"Blauton und Turbulenzgeräusche"

ISBN: 978-3-8280-3382-5

Gedicht des Monats Mai

01.05.2017

von Winfried Aurich


Frühlingserwachen


Den Winter können wir entbehren,
der Frühling stellt die Sonnenuhr,
wer sollte sich dabei beschweren,
ein Lächeln geht durch die Natur.

Man muss schon diesen Schöpfer loben,
der täglich neues neu erschafft,
das Blut der Erde steigt nach oben,

mit seiner wunderbaren Kraft.

Die Sonne half mit warmen Blicken,
das Land verlor sein Schneegesicht.
Sie kann die Zeiten überbrücken,
drängt sich das Leben an das Licht.

Der Schöpfer kennt nur Unikate,
in Form und Farbe, irrem Duft
und unbegrenzt ist die Parade,
in Wiesen, Wäldern und der Luft.

Es ist als könnten Bäume sprechen,
wenn man erstaunt darunter steht,
man hört die prallen Knospen brechen,
wenn die Natur auf´s  ganze geht.

Sie kann empfangen und gebären,
als Mutter der Unendlichkeit.
Was sterblich ist kann sie vermehren,
sie trägt des Frühlings Umstandskleid.


Er balzt verzückt im Liebesreigen,
nichts kann entflieh´n vor seiner Lust.
Nach Übermut folgt banges Schweigen,
mit Abschiedsschmerzen in der Brust. 

Gedicht des Monats April

01.04.2017

von Karin Walter

 

Wolkenreise

Kommst du mit auf eine Wolkenreise?

Das tut gut auf eine beruhigende Weise.

Du brauchst nur einen klaren Blick

und ich verspreche dir, du kommst erholt zurück.

 

Setze dich gemütlich auf einen bequemen Platz,

von dem du Sicht auf ein Stück Himmel hast.

Dann schau dir nur die Wolken an,

wieviel man in ihnen sehen kann.

Sie ziehen vorbei in tausend Formen.

Sie unterliegen keinerlei Normen.

 

Schon beim Betrachten wird es still in dir.

Und manchmal entdeckst du dort oben ein Tier,

das aus den vorbeiziehenden Wolken entsteht.

Du schaust ihm nach und fragst dich,

wohin wohl seine Reise geht.

 

12.09.2016

 

aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Ly-La-Lyrik. 27. Band"

ISBN: 978-3-8280-3391-7

Gedicht des Monats März

01.03.2017

von Hans-Ulrich Schneider

 

Das Schneeglöckchen

Der Winter neigt sich seinem Ende entgegen,

noch liegt Schnee auf Feld, Wiesen, auf allen Wegen.

Die Natur hat ihren Kreislauf auf Sparflamme geschaltet,

sie spart ihre Energie, die sie verwaltet.

 

Bäume und Sträucher haben ihre Blätter verloren,

Blumen wie Rosen und Nelken sind erfroren.

Alles wartet auf die wärmende Sonne,

auf einen Frühling voller Wonne.

  Die triste Jahreszeit mag ich nicht leiden.

Muss mich gegen die Kälte oft dick einkleiden.

Ich schaue beim Spazierengehen suchend über die Zäune,

mich interessieren nicht die Bäume,

 

ob ich im weißen Schnee den grünweißen Farbklecks sichte?

Der gehört nämlich zum Schneeglöckchen, über das ich hier dichte.

Durchstoßen diese graziösen Blümchen die schützende Decke,

weiß mein depressiver Nachbar, der wohnt um die Ecke,

 

dies ist ein Zeichen, dass die Tristesse ist zu Ende.

Die Schneeglöckchen Zeichen auf Erfahrung die Wende.

Der Frühling steht vor den Toren,

der lange, kalte Winter hat verloren.

 

So hat das blühende Schneeglöckchen erreicht,

dass die gedrückte Stimmung beim Nachbarn weicht.

Das Schneeglöckchen macht uns Menschen Mut,

der klirrenden Kälte trotzen kann es gut.

 

Die Kraft zum Überleben steckt in der Erde,

eine Zwiebel garantiert, dass aus ihr ein Frühlingsbote werde.

So zeigen sie mit ihrem Erscheinen an,

der kalte Winter geht, nur wann?

 

aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Welt der Poesie. 16. Edition" 

ISBN: 978-3-8280-3358-0

Gedicht des Monats Februar

01.02.2017

von Walter Heczko


Winterstille

Winterstille;

es rührt sich kaum

der Flockenfülle

dick in jedem Saum.

Der Tannen grünes Kleid

weiß bedeckt;

Sträucher Nacktheit

jetzt versteckt.

Wohin das Auge blickend,

prank's hell aus Baum wie Busch;

bizarr, doch auch entzückend

liegt weiter Wald im winterlichen Tusch.

 

aus:

Walter Heczko

"Jahreszeitliche Impressionen"

ISBN: 978-3-8280-3226-2

Gedicht des Monats Januar

01.01.2017

von Anne David

 

Lebe Jetzt

Du lebst in der Welt von morgen,

während dir das Heute durch die Finger rinnt.

Lass deine nichtigen Sorgen,

sieh zu, daß das Leben jetzt beginnt.

Laß die alten Klischees vom Glücklichsein,

Glück ist allein dein Vorhandensein,

all die in dir steckenden Möglichkeiten,

weck sie auf, laß sie schon heute streiten.

Deine Zeit ist begrenzte wie alle Zeit.

Eines Tages tut dir Versäumtes leid,

nicht gedachtes und nicht genutztes Gut,

nicht erkannter und nicht genutzter Mut.

Drum besinne dich jetzt auf deine Kraft,

denn man schafft nur das, was man selber schafft

und die alten Klischees des Glücklichseins

wechsle ein in das Glück des Vorhandenseins.


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Ly-La-Lyrik. 26. Band"

ISBN: 978-3-8280-3320-7

Gedicht des Monats Dezember

01.12.2016

von Hilde Mai


Schweigend ruht

Schweigend ruht der weiße Tann.

Silbersternchen funkeln von den Zweigen.

Mützen voller Schnee sich neigen,

heimisch fühlt der Sonnenhauch sich an.

 

Bei der Schonung gibt es eine Fährte.

Ist der Fuchs, den ich vom Fenster sah,

hier im Waldgebiet nah?

Ausgemergelt er nach Futter spähte.


Plötzlich unterbricht die Stille dort

Krächzen von der Nebelkrähe,

die ich auf dem Eichbaum sehe.

Als sie auffliegt, stiebt der Schneestaub fort.


aus:

Hilde Mai

"Stern der Weihnacht" 

ISBN: 978-3-8280-3332-0

Gedicht des Monats November

04.11.2016

von Susen Paul


Herbstzeit


     In Herbstgezeiten

          die Blätter streben,

               dem Baum entgleiten,

               dem Boden entgegen.

     Die bunte Pracht

         wie Teppich hernieder,

           ein Blätterdach

             dem Ast zuwider.

           Dem Bunten verfallen

         zu schwach sein Leben,

     dem Geäste wallen,

von Kahlem umgeben.

      Sie buhlen sodann

        wer erst getragen,

          dem Boden voran,

            in Windestagen.

            Im sachten Schoß der Briefe

               ein Blatt sich wiegt,

              im Vergehen der Sommerwiese

            der Regen es besiegt.

          Doch wenn die Sonne

          sich traut heraus,

     über bunter Blätterwonne

     dem Regen ein Graus.

       Und als Antwort nun, Himmel, sprich,

         ein bunter Schimmer sich um ihn schlich,

           der Regenbogen schon entfach'

             dort oben über dem Blätterdach. 


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Welt der Poesie. 16. Edition" 

ISBN: 978-3-8280-3358-0

Gedicht des Monats Oktober

11.10.2016

von Bernhard Klinger


Herbst

Die Sonne sich nun Tag für Tag ein bisschen neigt,

der Sommer hat dem Herbst die Hand gereicht!

Am Morgen glitzert ein Spinnennetz im Tau,

am Nachmittag treiben filigrane Fäden durch das Himmelsblau.

 

Auf den Stoppelfeldern die Kinder lachen –

lassen steigen bunte Drachen.

Über den Feldern kreist ein Schwarm von Tauben –

an den Hängen reifen nun die letzten Trauben!


Menschen schütteln nun das Obst vom Baum,

die Welt versinkt in einem Traum.

Durch das Dorf streicht ein einsamer Hund,

an den Bäumen wird das Laub nun bunt!


Nachdenklich sitzt du im milden Licht auf einer Bank –

denkst an längst verflogenen Zank.

Ein Kind spielt mit seiner Mutter auf den Wiesen,

auch sie wollen die letzten Sonnenstrahlen genießen!


Viele denken nun zurück, mit ein bisschen Plage,

an verflossene heiße Sommertage!


Die Glocken läuten vom nahen Dom –

ein Schiff zieht seine Bahn im glänzenden Strom!

Eine alte Frau sitzt versonnen am rauschenden Fluss,

an was sie wohl jetzt denken muss?

 

Und wenn der Regen dann macht alles so richtig nass,

sagen wir dennoch: auch der Herbst bringt uns Spaß.

Kinder sich im Matsch so richtig versauen,

zu Hause aus Kastanien Männchen bauen!

Bald in der Küche Nüsse knacken,

dann die ersten Plätzchen backen.

Im Park bei Nässe spazieren gehen,

graue Fetzen wabern sehen!

 

Ein junges Pärchen lehnt an einer feuchten Wand –

und sie geben sich vielleicht gerade jetzt für's Leben nun die Hand.

 

Dann, eines Morgens beim Wandern, werden dir die Finger steif,

denn auf den Feldern liegt glitzernd der erste Reif.

 

Und bald, das wird jetzt wohl bedacht,

übernimmt der Winter das Zepter, mit Macht!

  aus:

Bernhard Klinger

Schneeflockenfenster

ISBN: 978-3-8280-3350-4

Gedicht des Monats September

06.09.2016

von Irmgard Schreiner

  Heimkehr

Zu den Gedichten kehr ich heim,

weg vom Hasten, Alltagsjagen,

hin zu wesentlichen Fragen,

ich kehre heim vom Schein.

  Zum Lieben kehr ich heim,

weg von Vorurteil und Hassen,

hin zum Los – und Geltenlassen,

zum Lieben kehr ich heim.

  Zu den Gebeten kehr ich heim,

weg vom Haben, bürgerlichen Gelten,

hin zu anderen höh'ren Welten:

  Ich kehre heim zum Sein. 

aus:

Irmgard Schreiner

Such mich im Gegenwind

ISBN: 978-3-8280-3355-9

Gedicht des Monats August

01.08.2016

von Hildrun Hauthal-Stegner

 

Mallorca-Sommer für Urlauber

Mallorca – Wunderland?

Hübsch ist der Strand,

frühmorgens meist

noch unbekannt.

 

Heiß ist die Luft,

voll Küchenduft,

der langsam nur

ins All verpufft.

 

Laut ist die Nacht.

Sie dröhnt und lacht,

wenn spät erst die

Musik erwacht.

 

Was einst vertraut,

man nicht mehr schaut.

Natur wird mehr

und mehr verbaut.

 

In Reih' und Glied,

recht für's Gemüt,

schmort man in Ruh'

der Bräune zu,


schwitzt wie das Land,

sonnenverbrannt.

Schwärmst du dann noch

vom Wunderland?

 

aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Reise, reise!" 

ISBN: 978-3-8280-3344-3

Gedicht des Monats Juli

05.07.2016

von Walter Heczko


Badewetter

Kaum geht ein linder Windzug durch Alleen

der Stadt, wie still schweigen alle Blätter.

Nur blauer Himmel ist zu sehn;

und heut ist Sonntag, obendrein das schönste Badewetter.


Wen zieht's da nicht zum Strandbad

aus der Stadt; liegt's doch wie vor der Tür,

wo g'rad'

die Sonne lacht am schönsten hier.

 

Wo sich's läßt da aalen;

den Tag genießt jung wie älter, die Familie, ob groß oder klein,

und Kinder ritzen und malen

in den warmen Sand noch mal die Sonne rein.

  aus:

Walter Heczko

"Jahreszeitliche Impressionen"

ISBN: 978-3-8280-3226-2

Gedicht des Monats Juni

01.06.2016

von Ingolf Clausnitzer

 

Das Glück

Glück, du bist

des Herzens Rasen,

bist der Lippen

feuchte Spur,

kommst ganz heimlich

und gelassen,

weil du Feder

bist auch nur

leicht und leise

in der Schwinge

eines Vogels,

der aufsteigt

in des Himmels

Wolkenringe,

die ein neuer Tag

mir zeigt.

Und ich weiß,

es wird auch wieder

mit Geduld

das Ziel erreicht,

dass der ganzen

Kraft der Glieder

jeder Zweifel

wirklich weicht.

Das ist Glück,

wie ich es nenne,

wenn mir alles

gut gelingt

Nicht, dass ich

um Ehre renne,

die vielleicht

mir doch nichts bringt.

Dieses Wollen,

Wünschen, Binden

an der Hoffnung

leichten Schein

lässt Zufriedenheit

nur finden,

schließt Bescheidenheit sie ein.


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Welt der Poesie. 15. Edition" 

ISBN: 978-3-8280-3289-7

Gedicht des Monats Mai

03.05.2016

von Hans-Ulrich Schneider


Die Biene

Die Sonne schien mir auf die Nase,

lang ausgestreckt lag ich im Grase.

Vor Wolllust hab ich mich gestreckt.

Der Duft von Veilchen hat mich geweckt.

Als ich so langsam zu mir fand,

füllte ich meine Tasse bis zum Rand.

Aß dazu ein Stück Honigkuchen,

die Kaffeesahne musste ich suchen.

Plötzlich hörte ich ein Brummen,

von einer Veilchenblüte her kam das Summen.

Es was eine Biene, die hatte entdeckt,

dass mir im Grase der Kuchen schmeckt.

Sie flog erst mal von Blüte zu Blüte,

sammelte Nektar von feinster Güte.

Sie arbeitete mit Fuß und Rüssel,

hatte dafür keine große Schüssel.

Sie brachte diese süße Speise

auf einer langen beschwerlichen Reise

zu ihrer Brut im Bienenhause,

machte danach eine kleine Pause.

Sie zeigte dann die Richtung an,

wo ihr Volk etwas holen kann.

ich lag wieder lange ausgestreckt,

das Summen von Bienen hat mich wieder geweckt.

Ein Bienenschwarm kam geflogen,

und stürzte sich ganz ungelogen

auf die Reste von meinem Kuchen,

meinen Teil musste ich dann suchen.

Sie füllten ihre Mägen bis zum Rüssel,

hatten zum Transport wieder keine Schüssel,

mit Süßem von meinem Teller

verschwanden sie immer schneller.

So sorgen die Alten für die Jungen.

Sicher war es der Königin gelungen,

sie zu überzeugen, die Waffen zu schonen,

es würde sich für ihr Volk schon lohnen.

So endete ein Tag im Lenz,

zwischen mir und den Bienen in friedlicher Koexistenz.

 

aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Ly-La-Lyrik. 26. Band"

ISBN: 978-3-8280-3320-7

Gedicht des Monats April

06.04.2016

von Barbara Vogler

 

Flüstern

Laß mich an deinen 

Ohren knuspern,

meinen Finger in deinen

Haaren kringeln,

meine Wange an deine

Haut legen,

meine Worte in deine Ohren

flüstern;

und lach, bitte lach mit mir

bis in den

neuen Morgen.

 

aus:

Barbara Vogler

"Liebes Geheimnis"

ISBN: 978-3-8280-3171-5

Gedicht des Monats März

01.03.2016

von Helmut Beckmann


Nächtliches


Und die Erde lag im Arm der Sterne, 

alles schien der Nacht anheimgestellt.

Meereswellen kamen aus der Ferne

wie aus Schößen einer andern Welt.

 

Träume flattern durch die Schweigsamkeiten 

in den Umhang jeder Phantasie.

Träume, die nicht fliehen, nicht entgleiten.

weil das Dunkel ihm die Bilder lieh.

 

Doch die Nacht ist leise weggegangen,

hat ihr dunkles Kleid zurückgelegt,

weil der Kirschbaum, wo die Vögel sangen,

sich bei Licht mit neuem Leben regt.

 


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Ly-La-Lyrik. 26. Band"

ISBN: 978-3-8280-3320-7

Gedicht des Monats Februar

01.02.2016

von Manfred Elsässer


Winterliche Gedanken


Den Winter habe ich jetzt satt, 

weil er so kalte Tage hat,

und es verschafft mir jetzt Verdruss,

dass durch den Schnee ich laufen muss.

Da sehne ich mich jedes Mal

nach einem warmen Sonnenstrahl.

 

aus:

Manfred Elsässer

"In manelsischen Gefilden"

ISBN: 978-3-8280-3312-2

Gedicht des Monats Januar

13.01.2016

von Hans Ebert

 

Das Gesetz, wonach man angetreten


Wenn nicht mit Dir,

lieber allein;

so geht es mir,

das ist mein Sein.


aus:

Hans Ebert

"Trauer muss nicht nur Elektra tragen"

ISBN: 978-3-8280-3302-3

Gedicht des Monats Dezember

01.12.2015

von Nancy Steinhoff


Weihnachtsgrüße vom Schneeflöckchen


Nun ist es wieder mal soweit:

Willkommen schöne Weihnachtszeit!

Weiße Flocken fallen leise,

beginnen ihre Winterreise.

Über Berg und über Tal

tanzen sie in großer Zahl;

und eines dieser dicken Flöckchen

mit Mütze, Schal und Spitzenröckchen

lässt Dich herzlich von mir grüßen,

landet vielleicht auf Deinen Füßen,

in der Hand oder im Gesicht

und sagt Dir: Ich vergesse Dich nicht

und wünsche Dir ein Weihnachtsfest,

das keine Wünsche offenlässt,

sowie ein glückliches Neujahr,

dass alles besser wird, wie's war."


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Welt der Poesie" (2014)

ISBN: 978-3-8280-3246-0

Gedicht des Monats November

03.11.2015

von Christine Pollok


Leben

für Wilhelm


Ich lebe meine Trauer.

Ich lebe meine Liebe.

Ich lebe mein Leben

und reiche dir die Hand

für die Fülle.

Du öffnest mir das Tor

für die Leere

und Beides ist eins

im Glanz der Seele

und im Leuchten dessen,

was unsterblich bleibt.

Im Auge der Stille

bebt mein Herz.


aus:

Christine Pollok

"Jetzt ist ewig"

ISBN: 978-3-8280-3242-2

Gedicht des Monats Oktober

30.09.2015

von Roland Watzke


Maßeinheit

Und habe gefunden

das Maß der Liebe.

Ich küsse dich

alle zehn Meter.


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Welt der Poesie"

ISBN: 978-3-8280-3289-7




 
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