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WEIßRUSSLAND/ RUSSLAND - Sitten, Gebräuche und Landestypisches 




Geburt in Russland

In Russland gibt es schon Bräuche, bevor das Baby das Licht der Welt erblickt. So sollen nur Frauen, die sich selbst ein Baby wünschen, den Bauch einer Schwangeren berühren, denn eine Schwangerschaft gilt als ansteckend. Eine weitere Tradition betrifft die Ankunft des Babys. Die Krankenschwester, die dem frischgewordenen Vater sein Baby zum ersten Mal überreicht, erhält etwas Gold. Dies soll dem Neugeborenen Gesundheit und Wohlstand bringen.


Hochzeit in Russland 

Am Morgen der Hochzeit besucht der Bräutigam die Braut bei ihr zu Hause und verhandelt mit den Freundinnen, den Trauzeugen und der Mutter der Braut. Dabei stellen diese dem Bräutigam und seinen Trauzeugen Fragen und denken sich Rätsel aus, die der Bräutigam beantworten und lösen muss.
Eine russische Hochzeitsfeier wird traditionell von einem Tamada (Trinkmeister) moderiert. Dieser empfängt Brautleute und Gäste und ist für die Organisation von Spielen und Tänzen verantwortlich.
Ein typisch russisches Ritual, das auf jeder Hochzeit Pflicht ist, ist der Empfang des Ehepaares durch die Eltern mit Brot und Salz. 

Auf russischen Hochzeiten werden beim Empfang nach einem Trinkspruch die Champagnergläser auf den Boden geworfen. Je mehr Gläser beim Aufprall in Scherben zerspringen, desto mehr Glück soll das Brautpaar haben.


Tod in Russland 

In Russland wird in vielen Teilen wenig über den Tod gesprochen, teils wird er sogar tabuisiert. Das mag daher rühren, dass Russland im Laufe des 20. Jahrhunderts vielen tragischen Ereignissen ausgesetzt war, die zu Millionen von Opfern führten. Der Erste Weltkrieg, der Bürgerkrieg, die Massenhungersnot, der Zweite Weltkrieg sind nur einige der zahlreichen Ereignisse. Zudem wurden in der Sowjetunion viele Menschen durch Kriege geografisch entwurzelt und verloren ihre Eltern, Verwandte und sahen sich in ihrer ethnischen Identität und Kultur unterdrückt. In den 1930er Jahren bis 1967 verschwanden die traditionellen Trauer-und Beerdigungsrituale in der Sowjetunion. Die Bevölkerung wuchs allerdings und damit auch die Zahl der Beerdigungen. Krankenhäuser, Leichenhallen und Pflegeheime übernahmen im Zug dessen die Aufgaben, die zuvor von Verwandten ausgeübt worden waren. Dadurch verloren die Menschen den Kontakt mit dem Körper und damit auch zum Tod. Viel von dieser Einstellung und Haltung ist noch bis heute übrig geblieben. Doch langsam werden die historischen Friedhöfe Russlands wiederentdeckt und es werden spezielle Führungen angeboten, um dem Menschen die Berührungsängste zu nehmen.

Feste und Feierlichkeiten in Russland

In Russland wird am 23. Februar der Tag der Vaterlandverteidiger gefeiert. Dieser Tag ist seit 2002 arbeitsfrei. Ursprünglich erinnert er an die Gründung der Roten Armee im russischen Bürgerkrieg und war zu Sowjetzeiten als „Tag der Roten Armee und der Kriegsmarine“ bekannt. Seit vielen Generationen sehen die Russen diesen Tag auch inoffiziell als Vatertag an, unabhängig davon, ob sie jemals ihr Vaterland verteidigt haben oder nicht.


Skurriles

Zum Ende des Winters wird in den osteuropäischen Ländern „Maslenitsa“ („Масленица“) gefeiert. Das Datum variiert jedes Jahr, da es abhängig vom kirchlichen Kalender ist. Oft liegt es zwischen Ende Februar und Anfang März. Das Fest symbolisiert die Jahreszeitwende. Der Winter wird durch lautes Feiern und die Verbrennung einer Vogelscheuche, der „Tschutschelo Maslenitsi“ („чучело Масленицы“), die den Winter darstellt, vertrieben. Gleichzeitig wird der Frühling willkommen geheißen. Maslenitsa ist ein Familien- und Straßenfest, für das verschiedene Volksspiele und Wettbewerbe typisch sind. Eines davon ist das Klettern auf einen hohen Holzstamm, ähnlich wie der Maibaum. Zu den üblichen Speisen für dieses Fest gehören die Pfannkuchen, „Blini“ („блины“). In dieser Zeit wird viel und gut gegessen, da darauf die Fastenzeit folgt.


Die “Ivan Kupala“ Nacht („Иван Купала“), die Nacht vom 6. zum 7. Juli, ist eine inoffizielle Volksfeier. Die Wurzeln des aus früheren Tagen bekannten Sommerfests liegen in den alten heidnischen Kulten der Slawen. Der alte Gott „Kupala“, dem diese Feier ihren Namen zu verdanken hat, begünstigte sommerliche „Fruchtbarkeit“ und „Ergiebigkeit“. Dieses bunte, nächtliche Fest feiert den Triumph des Sommers mit Ritualen wie dem Springen über eine offene Feuerstelle, dem Flechten von besonderen „Kupala Kränzen“, die die Köpfe der Frauen schmücken und dem nächtlichen Schwimmen in Flüssen und Seen. Früher glaubte man, dass Heilkräuter in dieser Nacht ihre Kräfte besonders stark entfalteten. Die Feuer- und Wasserrituale symbolisierten die Reinigung und das offene Feuer, welches die ganze Nacht brannte, steht für den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit. Heute wird diese Nacht nur noch selten gefeiert. Von der orthodoxen Kirche wurde es nie anerkannt. Für das russische Volk ist dieses bunte und mysteriöse Fest ein Teil ihrer Geschichte, welches eine Verbundenheit zu ihren Vorfahren darstellt.