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ESTLAND – Sitten, Gebräuche und Landestypisches

   


Geburt in Estland

In Estland glaubt man traditionellerweise, dass Kinder Muttermale an den Stellen bekommen, an denen die werdende Mutter sich beim Anblick eines Brands als erstes berührt hat. Auch bezüglich des Tages und der Zeit der Geburt gibt es einen Aberglauben: Wer an einem Sonntag geboren wurde, soll ein besonders glückliches Leben führen, während Montag, Dienstag und Freitag als ungünstig angesehen werden. Außerdem glauben manche, dass wer am Abend geboren wird, wird ein leichtes Leben haben, während am Morgen Geborene ihr ganzes Leben hart arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen.


Hochzeit in Estland

Traditionelle estnische Hochzeiten dauerten ein ganzes Wochenende, heute laufen sie aber innerhalb eines Tages ab. Früher lud man außerdem das gesamte Dorf ein, da man nicht viele Menschen aus anderen Dörfern kannte. Da so viele Menschen zusammenkamen, half und brachte jeder etwas mit. Bis heute erhielt sich dadurch der Brauch, dass jeder seinen eigenen Teller, Becher und sein eigenes Besteck mitbringt, da man nie genügend Geschirr für alle Menschen des Dorfes besaß. Auch nach dem Essen wusch im Idealfall jeder sein eigenes Geschirr ab, so bedeutete es für jeden nur einen geringen Aufwand und niemand hatte zu viel Arbeit.

In Estland spielten bei Hochzeiten die Feuer- und die Wassergöttin eine wichtige Rolle. Wenn die Braut in ihrem zukünftigen Heim angekommen war, brache sie den Göttinnen ein Opfer dar. Dieses Opfer bestand aus einer kupfernen Münze, die sie für jede haben musste. Die Münze für die Feuergöttin wurde zum Herd gebracht und die der Wassergöttin an einen Brunnen. Im Brunnen war die Münze sicher, der Herd musste jedoch während des ganzen Festtages von einer Feuerwache geschützt werden, da dieses Opfer sich in einen bösen Zauber verwandeln konnte.

    

Estnisches Hochzeitslied

Schmück dich, Mädchen, eile Mädchen,
Schmücke dich mit jenem Schmucke,
Der einst deine Mutter schmückte.
Lege an dir jene Bänder,
Die die Mutter einst anlegte;
Auf den Kopf das Band des Kummers,

Vor die Stirn das Band der Sorge!
Sitze auf dem Sitz der Mutter;
Tritt auf deiner Mutter Fußtritt.
Weine, weine nicht, o Mädchen,
Wenn du bei dem Brautschmuck weinest,
Weinest du dein ganzes Leben.
Vor die Stirn das Band der Sorge!
Auf den Scheitel Tuch der Trauer!
Rüstig! es wird draußen helle!
Rüstig! draußen dämmert Morgen;
Schlitten fangen an zu fahren,
Kufen fangen an zu tanzen.

Nachdichtung von Johann Gottfried Herder

 

Tod / Beerdigungsriten / Trauer in Estland

Rote Nelken erinnern in Estland an die Beerdigung sozialistischer Parteiführer und sollten daher als Geschenk eher gemieden werden. 


Feste und Feiertage in Estland

Am 24. Juni wird in Estland der Johannistag, der „Jaanipäev“ gefeiert. An diesem besonderen Tag der Mittsommernacht versucht jeder Este auf dem Land an den zahlreichen Festen teilzunehmen. Die Städte sind an diesem Tag ziemlich leer, da die meisten Menschen mit ihren Familien Verwandte auf dem Land besuchen. Die traditionellen Feierlichkeiten beginnen am Abend des 23. Juni und dauern bis zum nächsten Morgen. Es wird gesungen und getanzt, außerdem brennen die ganze Nacht über leuchtende Feuer. Die jungen Männer zeigen oft ihren Mut beim Überspringen der Feuerstellen. Die jungen und unverheirateten Mädchen sammeln wilde Blumen und Gräser, da man ihnen in dieser Nacht magische Kräfte nachsagt. Sie binden daraus Kränze, um sich mit ihnen für ihren Zukünftigen zu schmücken. Manche legen ihn auch unter ihr Kopfkissen in der Hoffnung, dass sich ihr „Zukünftiger“ im Traum zu erkennen gibt. 


Landestypisches / Besonderheiten aus Estland

  • Schaukeln ist bei den Esten eine besonders beliebte und extreme Sportart. Beim Kiiking handelt es sich um Schaukeln, bei dem Überschläge das Ziel sind. 1993 wurde die erste Kiiking-Schaukel gebaut und seitdem gibt es über das ganze Land hinweg verschiedene Wettbewerbe bei denen derjenige gewinnt, der beim größten Radius einen Überschlag mit den wenigsten Schwüngen schafft.  
  • In estnischen Rauchsaunas gibt es keine Schornsteine, sodass der Rauch bis zum Erreichen der gewünschten Temperatur im Raum zirkuliert, und alle Oberflächen rußbedeckt sind. Dann werden die Öffnungen des Holzofens geschlossen und es wird mithilfe einer Fensterluke stoßgelüftet, damit keine schädlichen Rußgase mehr in der Luft liegen. Die Saunabesucher setzen sich während des Saunierens auf ein hölzernes Sitzbrett, um nicht schwarz vom Ruß zu werden.