Frieling-Verlag Berlin

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Romanfiguren – Fiktive Charaktere entwickeln

Eine Geschichte ist immer nur so gut, wie die Charaktere, die die Handlung tragen. Gerade deshalb ist es wichtig, interessante und glaubwürdige Figuren mit Tiefe zu entwickeln, die der Leser gern eine Weile begleitet. Doch welche Schritte braucht es, um so einen Charakter zum Leben zu erwecken?


Aussehen – Der erste Eindruck

Zum einen ist natürlich das Aussehen des Charakters wichtig. Was hat er für eine Wirkung auf andere? Ist er groß oder klein? Muskulös oder doch eher schmächtig? Was für Kleidung trägt er am liebsten? Hat er ein Merkmal, das ihn besonders macht? Diese und noch viel mehr Fragen sollten Sie für sich beantworten, bis sich ein passendes Gesamtbild ergibt und Sie sich Ihre Figur bis ins kleinste Detail bildlich vorstellen können. Natürlich sollten Sie diese detaillierte Beschreibung nicht so in Ihren Roman übernehmen, aber es ist wichtig, Aussehen und Statur beim Schreiben immer vor Augen zu haben und bei der Handlung zu bedenken. 


Vergangenheit – Wie der Held wurde, was er ist

Unsere Vergangenheit macht uns zu dem, der wir sind. Alle Verhaltensweisen sollten sich daher irgendwie aus der Vergangenheit begründen lassen, damit sie glaubwürdig und konsistent wirken. Machen Sie sich deshalb Gedanken darüber, wie Ihr Charakter aufgewachsen ist, was für eine Familie er hat, ob es irgendwelche schicksalhaften Begegnungen oder Kindheitserlebnisse gab, die ihn geprägt haben, eine zerbrochene Beziehung, die ihn immer noch verfolgt … Aus der Vergangenheit entsteht zumeist die Motivation für das gegenwärtige Handeln des Helden, sie macht somit einen bedeutenden Anteil am Verhalten des Protagonisten aus. 


Einstellung – Ein Blick in die Gedankenwelt des Helden

Genauso wichtig ist es aber auch, wie der Charakter mit seinen Erlebnissen umgeht, welche Schlüsse er daraus zieht. Um einen Charakter wirklich kennenzulernen und plausibel handeln zu lassen, müssen Sie also seine Einstellungen und Ansichten, Vorlieben und Abneigungen kennen. Kommt er gut mit anderen Menschen aus oder ist er eher ein Eigenbrötler? Liebt er den Fortschritt und die Moderne oder ist er eher ein Bewahrer des Traditionellen? Welche Partei würde er wählen? Ist er Vegetarier oder isst er für sein Leben gern Fleisch? Was liest er gerne? Ist er leicht beeinflussbar oder sehr standhaft? Bei welchen Themen geht er in die Luft? Interessante Figuren werden geschaffen, wenn sie sowohl gute als auch schlechte Eigenschaften haben. Sie müssen Konfliktpotenzial in sich tragen, um die Geschichte reizvoll zu machen. 


Fähigkeiten – Der Held zwischen Stärken und Schwächen

Welche besonderen Talente hat der Charakter? Und was kann er gar nicht? Ist er intelligent? Ein Kraftprotz? Sportlich oder eher behäbig? Ist er kreativ? Kann er gut mit Worten umgehen und Menschen schnell um den Finger wickeln? Ist er handwerklich begabt? Hat er ein gutes Gespür für Menschen? Gerade hier sollte man besonders auf Ausgewogenheit achten. Nichts ist langweiliger als ein Held, der alles kann, oder ein Loser, der wirklich gar nichts zustande bekommt. Gerade die richtige Mischung und miteinander im Konflikt stehende Fähigkeiten und Träume, Einstellungen und Bedürfnisse des Charakters sind sehr reizvoll für eine spannende Geschichte. 


Gegenwart – Wie startet der Held in die Geschichte

Zu guter Letzt ist es wichtig, zu wissen, in welchem Zustand sich der Charakter zu Beginn des Romans befindet. In was für Kreisen bewegt er sich? Was arbeitet er? Wer sind seine besten Freunde? Hat er überhaupt Freunde? Ist er in einer Beziehung? Was beschäftigt ihn? Dies ist bedeutend, da hier der Startpunkt für die Reise des Charakters und seine Entwicklung während des Romans liegt. 


Glaubwürdigkeit – Alles hat einen Grund

Bei all diesen Schritten sollte man immer die Glaubwürdigkeit des Charakters im Blick behalten. Um eine glaubwürdige Figur zu entwickeln, müssen alle seine Handlungen einen Grund haben, der sich irgendwie in seiner Person finden lässt. Der Charakter sollte also passend zu seinen Fähigkeiten, Einstellungen, Motiven und seiner Vergangenheit handeln. Alles andere wirkt unlogisch und zusammenhangslos und lässt den Leser mit einem Gefühl der Unzufriedenheit zurück, wenn er nicht sogar gleich das Buch ganz aus der Hand legt. Vermeiden Sie außerdem Figuren voller Klischees, diese sind alles andere als glaubwürdig, sondern wirken schnell flach und uninteressant.


Show, don`t tell

Die ganzen Hintergrundinformationen, die Sie nun über den Charakter zusammengestellt haben, sollten Sie immer im Hinterkopf behalten, aber nicht haarklein in Ihrem Roman beschreiben. Stattdessen sollten die Fähigkeiten, Einstellungen und Eigenschaften des Charakters durch die Handlung ersichtlich werden. „Show, don’t tell“ ist hier die Devise.