Frieling-Verlag Berlin

Verlag sucht Autoren

Schreiben als Balsam für die Seele – Die Bedeutung des expressiven Schreibens


Der heutige Tag ist ein Resultat des gestrigen

„Geschichte schreiben ist eine Art, sich das Vergangene vom Halse zu schaffen.“ So lautet ein überliefertes Zitat des berühmten Dichters, Naturwissenschaftlers und Staatsmannes Johann Wolfgang von Goethe.

Würde Herr von Goethe heutzutage bei seinen Spaziergängen durch das Labyrinth einer modernen Großstadt flanieren, so würde er angesichts der zahlreichen psychologischen Praxen wohl das Gefühl bekommen, mit seinen Worten auf taube Ohren gestoßen zu sein.

Nun ist es möglicherweise nicht jedem vergönnt, etwas Großes zu vollbringen und Geschichte zu schreiben. Doch kleine Geschichte schreibt das Leben täglich und wir alle sind die Protagonisten unserer Komödien und Tragödien.

An freudige Ereignisse, wie das erfolgreiche Bestehen einer Prüfung oder das Sicherfüllen einer erhofften Liebe, erinnern wie uns nur allzu gerne, da sie uns einen positiven Blick auf unser Dasein bescheren.

Unglücklicherweise schmecken manche Gaben des Lebens nicht nur bitter, sondern zeigen sich auch schwer verdaulich. Es scheint unmöglich, sich vor diesen faulen Früchten des Lebens zu schützen. Es bleibt ein übler Nachgeschmack, der sich auch nach dem Herunterschlucken noch lange um unseren Gaumen legt.

Bei Verdrängung dieser Schattenseiten unserer Vergangenheit können sich Spätfolgen wie Angst, emotionale Taubheit oder eine pessimistische Lebensansicht manifestieren. Zur philosophischen Sichtweise der Vergangenheit schrieb der Dichter, Schriftsteller und Journalist Heinrich Heine: „Der heutige Tag ist ein Resultat des gestrigen. Was dieser gewollt hat, müssen wir erforschen, wenn wir zu wissen wünschen, was jener will.“


Das expressive Schreiben

Einen interessanten Weg, unsere Vergangenheit zu erforschen, begründete James Pennebaker in den Achtzigerjahren. Der Psychologe bat seine Studenten beim Schreiben 15 Minuten lang ihren tiefsten Gefühlen und Gedanken nachzugehen. Nach anfänglicher Niedergeschlagenheit stellten die Versuchspersonen nach wiederholtem Schreiben eine deutliche Verbesserung ihrer seelischen und körperlichen Konstitution fest.

Expressives Schreiben lindert Ängste, weil sich der Mensch durch wiederholtes Schreiben und folglich wiederholtes Konfrontieren an schlimme Erfahrungen gewöhnt, vermuten Psychologen. Empfindungen verlieren an Intensität, wenn sie mehrmalig ausgesprochen oder niedergeschrieben werden.  Das wohltuende Gefühl, das sich einstellt, nachdem man sich etwas von der Seele geredet hat, kennen wir wohl alle.

Befreien Sie durch Schreiben Ihre Seele und sprengen Sie die Fesseln früherer Zeiten.

Auch wenn Vergangenes wie eine Tragödie erscheint, haben Sie die Möglichkeit, Ihrer Zukunft ein Happy End zu schreiben.


Tipps zum expressiven Schreiben:

Schreiben Sie an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen jeweils 15 bis 20 Minuten über ein Thema, das Sie emotional belastet.

Versuchen Sie die Bruchstücke Ihrer Erinnerung zu einer zusammenhängenden Geschichte zusammenzufügen.

Ein Perspektivwechsel, zum Beispiel die Schilderung aus Sicht einer dritten Person, verstärkt den Effekt zusätzlich.

Erzwingen Sie nichts und legen Sie bei einer zu starken Belastung eine Pause ein.