Frieling-Verlag Berlin

Verlag sucht Autoren

Kurzgeschichten Schreiben – Schreibtipps

Kurzgeschichten schreiben


Franz Kafka, Günter Grass und Ernest Hemingway – das sind nur einige von vielen weltberühmten Schriftstellern, deren Kurzgeschichten zu Klassikern avancierten und von denen so manche für die Kinoleinwand verfilmt wurden. Auch die meisten der über hundert, für das deutsche Fernsehen in Südengland gedrehten Romanzen von Rosamunde Pilcher, basieren auf den Kurzerzählungen der erfolgreichen englischen Autorin. Daran lässt sich ersehen, wie unterhaltsam und packend Kurzprosa sein kann. Auch wenn die Lektüre von Kurzgeschichte seit den 1960er aus der Mode gekommen zu sein scheint – sie lohnt sich noch immer, schon um ein Gespür für das Genre zu bekommen. Für angehende Autorinnen und Autoren bietet die Kurzgeschichte ein ideales Exerzierfeld, um in die Welt der Schriftsteller einzusteigen. Beim Verfassen von Kurzgeschichten gilt es allerdings, einiges zu beachten.


In der Kürze liegt die Würze

Das ist nicht nur eine Binsenweisheit, sondern etwas, das Sie beim Schreiben Ihrer Kurzgeschichten immer vor Augen haben sollten. Was die Länge insgesamt angeht, manche Kurzprosastücke, die sog. Drabbles, bestehen nur aus 100 Wörtern, andere sind fünf oder fünfzig Seiten lang. Als Daumenregel gilt: eine Kurzgeschichte sollte nicht mehr als 15.000 Wörter umfassen. Von daher muss Kurzprosa von Anfang an knackig und packend sein. Ihre Leser müssen gleich Mitten in das Geschehen der Geschichte katapultiert werden und aus den ersten zwei, drei Sätzen entnehmen, um welches Genre es sich handelt. Ist Ihre Kurzgeschichte ein Krimi, eine Liebesgeschichte oder eine Komödie? Während Romanautoren sich Zeit lassen können, um auf vielen Seiten die Vorgeschichte zur eigentlichen Handlung zu erzählen, müssen Sie in Ihrer Kurzprosa sofort zum Wesentlichen kommen. Wer ist Hauptfigur, und vor welchem Problem steht sie? Was die Handlung angeht, so beschränkt sich die Kurzgeschichte auf ein zentrales Thema oder einen zentralen Konflikt. Die Frage, die den Leser interessiert, lautet: wie löst der Protagonist sein Problem? Wird er es schaffen? Eine Antwort darauf muss es allerdings nicht geben. Auch das ist ein Merkmal von Kurzgeschichten, die oft ein plötzliches und offenes Ende haben.


Figuren und Handlungsort

Weder die Figuren noch der Handlungsort werden ausführlich vorgestellt, sondern nur oberflächlich beschrieben. Die Helden in der klassischen Kurzgeschichte sind meist keine außergewöhnlichen Menschen, sondern vielmehr Außenseiter, Randfiguren oder durchschnittliche Menschen. Anders als ein Roman, in dem es sehr viele Haupt- und Nebenfiguren gibt, beschränkt sich Kurzprosa auf nur eine Handvoll Charaktere.


Vorbereitung

Bevor Sie mit dem Schreiben einer Kurzgeschichte beginnen, sollten Sie schon mal ein paar Klassiker gelesen haben, damit Sie ein Gespür bekommen. Legen Sie sich eine Sammlung der Figuren an, die in Ihrer Kurzgeschichte vorkommen könnten. Überlegen Sie sich, welche dramatischen Momente oder Wendepunkte in Ihrer Kurzgeschichte vorkommen könnten. Welche Probleme einzelner Menschen oder der Gesellschaft könnten als Themen für Ihre Kurzgeschichte in Betracht kommen?


Einstieg, Wendepunkt, Ende

Eine Kurzgeschichte beginnt ohne lange Vorüberlegungen. Der Leser wird Zeuge einer Momentaufnahme im Leben des Protagonisten. Es wird nicht erklärt, wer die handelnden Figuren sind, welche Schulbildung sie haben oder in welchem Land oder welcher Stadt sie sich im Moment befinden. Das weckt die Neugierde beim Leser, der wissen möchte, was los ist. Die Kurzgeschichte erzählt eine kurze, aber dramatische oder entscheidende Episode aus dem Leben der Figur. Ihre Aufgabe als Schriftstellerin oder Schriftsteller ist es, auf wenigen Seiten einen Wendepunkt im Leben Ihres Protagonisten abzubilden. War die Hauptfigur bis dahin vom Unglück verfolgt, so eröffnet sich nun ein Hoffnungsschimmer. Was hat diesen Wendepunkt bewirkt? War sie bisher glücklich, so wird sie ins Unglück gestürzt. Wie kam das? Das Ende klassischer Kurzgeschichten meist bleibt offen. Dadurch werden Ihre Leser zum Nachdenken angeregt, und sie stellen sich die Frage, wie es mit der Figur weitergehen könnte.


Quellen der Inspiration

Ideen für eine Kurzgeschichte finden Sie überall, wenn Sie mit offenen Augen durchs Leben gehen. In Ihrem sozialen Umfeld und in den Medien, die jeden Tag von menschlichen Schicksalen, Missständen, Verbrechen und Ungerechtigkeiten, aber auch von glücklichen Wendungen berichten. Schöpfen Sie aus dem Fundus der Wirklichkeit und lassen Sie Ihrer Kreativität und Phantasie freien Lauf, um daraus etwas Packendes zu entwickeln.


Los geht’s!

Wenn Sie mit dem Schreiben Ihrer Kurzgeschichte beginnen, dann konzentrieren Sie sich auf die Botschaft und die Idee Ihrer Kurzgeschichte. Nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich sollten Sie sich aufs Wesentliche beschränken. Vermeiden Sie lange Sätze und blumige Wendungen. Schreiben Sie kurz und knackig. Verdichten Sie Ihre Kurzgeschichte, indem Sie sie nach dem ersten Entwurf überarbeiten – und zwar so lange, bis Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind. Schleifen Sie an Ihrem Rohdiamanten, bis er funkelt. 
Kristallisieren Sie die Essenz
Sich kurz zu halten ist eine Kunst. Ihre Kurzgeschichte wird spannend, wenn Sie es schaffen, mit einer überraschenden Wendung am Ende zu versehen. Dazu gehen Sie wie beim Filettieren vor: Sie schneiden Stück für Stück das überflüssige Fett ab, bis zum Schluss nur noch das Gute übrig ist.