Frieling-Verlag Berlin

Bücher und Menschen

Welt des Schreibens: Anekdoten, Hintergrundinformationen und viel mehr!

Kleine Anekdoten aus dem Leben großer Literaten


Stephen King: Teddy in Not

Es ist mit Sicherheit ein tolles Gefühl für einen Schriftsteller, zu spüren, dass die Leser mitfiebern und die Fortsetzung eines Werkes kaum erwarten können. Und dieses Phänomen bringt mitunter sehr kreative Ideen hervor. Als Stephen King an seinem Dunkler-Turm-Zyklus schrieb, erhielt er eine Menge Zuschriften von ungeduldigen Fans, die das Erscheinen des nächsten Buches nicht erwarten konnten. Der wohl außergewöhnlichste dieser Fan-Briefe hatte sich scheinbar sehr vom Meisters des Gruselns inspirieren lassen: Er enthielt ein Polaroidfoto von einem Teddybären in Ketten mitsamt einer Botschaft, die aus Zeitungsausschnitten zusammengebastelt war. Diese besagte: „BRING DAS NÄCHSTE DARK-TOWER-BUCH SOFORT HERAUS, ODER DER BÄR STIRBT.“ Stephen King folgte dieser Anweisung zwar nicht, doch er hing den Brief in seinem Büro auf, „um mich an zweierlei zu erinnern: an meine Verantwortung und daran, wie wunderbar es ist, dass Leute sich tatsächlich ein wenig um die  Geschöpfe meiner Fantasie sorgen.“


Goethe und Schiller: Nerverei im Urlaub

Auch die größten Genies waren nur Menschen. So ist aus der berühmten Freundschaft zwischen Schiller und Goethe übermittelt, dass sich die beiden großen Denker im Alltag mitunter auch schlicht auf die Nerven gingen. Im Jahr 1774 entwickelte sich über die gemeinsam geplante Publikation der Zeitschrift „Die Horen“ ein Briefwechsel zwischen zwei der wichtigsten deutschen Schriftsteller. Daraus ergab es sich, dass Schiller Goethe für zwei Wochen in Weimar besuchte. Goethe hatte zu dieser Zeit eine Lebensgefährtin, mit der er zwar einen Sohn hatte, aber nicht verheiratet war. Da dies mit Schillers bürgerlichen Moralvorstellungen nicht vereinbar war, mussten sich Mutter und Sohn während des gesamten Aufenthaltes vor dem Gast verstecken. Obwohl er also die Lebensweise seines Freundes nicht wirklich kannte, kritisierte er dessen „falsche Begriffe über das häusliche Glück“. Goethe wiederum störte Schillers Tabakgestank und dessen Leidenschaft fürs Kartenspiel und er rächte sich, indem er die Anekdote verbreitete, Schiller könne nur dichten, wenn ihn der Geruch von faulen Äpfeln umgebe.


Arthur Miller: Ein lebendiger Klassiker?

Der berühmte amerikanische Dramatiker Arthur Miller ist erst 2005 verstorben. Manch einer hat allerdings den Eindruck, dieser Name gehöre in eine Reihe großer Schriftsteller, die vor langer Zeit gelebt haben. Dies schien den Autor anscheinend zu amüsieren, denn er erzählte gerne folgende Anekdote: Eines Tages wartete er auf den Aufruf seines Namens für eine Busfahrt. Der Schaffner war allerdings mit seiner Lektüre beschäftigt und machte keinerlei Anstalten, jemanden aufzurufen. Zuerst habe er sich geärgert, doch dann bemerkte Miller, dass der Mann in seinem Buch „Hexenjagd“ las. Als der Schaffner dann seinen Namen prüfte, bemerkte er die Übereinstimmung: „Sie haben den gleichen Namen wie der Mann, der dieses Buch schrieb“. Als Miller ihm daraufhin mitteilte, dass er das Buch tatsächlich geschrieben habe, bekam er zur Antwort: „Oh, nein, das ist ganz unmöglich, der ist doch schon lange tot!“


Bertolt Brecht: Mit Köpfchen gemogelt

Dr. Müller-Eisert, ein alter Freund von Bertolt Brecht, erzählt folgende Begebenheit aus der gemeinsamen Schulzeit: Brecht und ein weiterer Freund hatten schlechte Noten in Französisch und Latein. Dies gefährdete ihre Versetzung, also war Handeln gefragt. Die beiden Jungen überlegten sich unterschiedliche Taktiken, um dem gefürchteten Wiederholen des Jahres zu entkommen. Beide hatten eine sehr schlechte Abschlussarbeit geschrieben. Der Freund radierte einige Fehler aus seiner Arbeit und wollte dem Lehrer so weismachen, er habe sich verzählt. Dieser hielt jedoch das Heft gegen das Licht und sah die radierten Stellen. Dies endete wohl mit einer Ohrfeige und die schlechte Note blieb. Brecht lernte aus den Fehlern des anderen und fing es anders an: Er nahm rote Tinte und strich zusätzliche Fehler in seiner Arbeit an. Damit ging er zum Lehrer und fragte, wieso die Wörter markiert seien. Beschämt musste der Lehrer zugeben, dass die angestrichenen Wörter richtig waren und er sie demnach zu Unrecht markiert habe. Also schrieb er eine bessere Note unter die Klausur.


Friedrich Dürrenmatt: Mein Name sei Frisch

Der Schweizer Schriftsteller verdankt seinen Kriminalromanen und Dramen, seiner scharfsinnigen Gesellschaftskritik und vor allem seinem Humor große Beliebtheit bei der Leserschaft. Dass sich der Autor nicht so ernst genommen hat und immer für einen Spaß zu haben war, hat er oft bewiesen. So zum Beispiel im Jahr 1950, als ein Student ihn folgendermaßen ansprach: „Herr Frisch, ich will über Sie arbeiten und hätte da einige Fragen.“ Dürrenmatt zögerte nicht, die Situation für einen Spaß zu nutzen, und ließ sich auf das Gespräch ein. Mit Max Frisch verband ihn eine schwierige Freundschaft, was er auch ironisch in sein Werk einfließen ließ. Er plauderte also mit dem Studenten über sein – Max Frischs – Werk und lenkte das Gespräch schließlich auf jenen anderen Schweizer Schriftsteller: diesen Dürrenmatt. Lebhaft führte er aus, warum von diesem Autor wohl nicht viel zu halten sei. Der Student erwiderte daraufhin, dieser Meinung sei er zwar nie gewesen, doch die Argumente des Herrn Frisch hätten ihn nun doch überzeugt.


Anekdoten

Das Wort „Anekdote“ kommt aus dem Griechischen (an-ekdoton) und bedeutet „nicht herausgegeben“. Es bezieht sich auf Schriften, die aus irgendeinem Grund geheim gehalten und nicht veröffentlicht wurden. Heute bezeichnet man damit eine kurze Geschichte, die eine Person, eine Zeit oder einen bestimmten Umstand charakterisiert. In dieser Woche stellen wir Ihnen fünf Anekdoten aus dem Leben bekannter Autoren vor.