Frieling-Verlag Berlin

Bücher und Menschen

Warum schreiben Menschen Bücher?

Die Macht der Worte und ihre Wirkung


Schreiben, um zu unterhalten

Menschen zu unterhalten und ihnen in ihrer Freizeit Spaß und Herzklopfen zu bereiten, ist wahrlich eine Gabe. Ferner ist es wichtig, Menschen überhaupt die Möglichkeit zu geben, aus der realen Welt in ein Buch abzutauchen und ihren Alltag dabei zu vergessen. Beim Schreiben, um zu unterhalten, geht es in erster Linie darum, dass die LeserInnen das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollen und nach jedem Kapitel erfahren möchten, wie es in Ihrer Geschichte weitergeht. Auch wenn es recht einfach klingt, zu schreiben, um zu unterhalten, ist dies deutlich schwerer, als es auf den ersten Blick erscheint. Sie müssen es schaffen, allein mithilfe Ihrer Worte die LeserInnen zum Nachdenken, zum Lachen oder zum Weinen zu bringen, und sie so an Ihre Charaktere und Ihre Geschichte zu binden, sie fast schon süchtig nach dem Buch werden zu lassen.

Trotz des positiv konnotierten Wortes Unterhaltung muss diese nicht immer mit positiven Gefühlen einhergehen. Nicht nur eine Komödie oder ein Liebesroman fallen in die Kategorie der Unterhaltungsliteratur, auch ein gut geschriebenes Drama, welches die LeserInnen zu Tränen rührt, oder ein Horrorroman, der den LeserInnen mitunter ihren Schlaf raubt, gehören derselben Kategorie an. Meistens handelt es sich um fiktive Geschichten, was allerdings nicht bedeutet, dass Sie nicht auch (auto)biografisch schreiben können, um zu unterhalten. Um sich in eine der in den folgenden Tagen erläuterten Schreibrichtungen einordnen zu können, ist die eigene Intention beim Schreiben elementar. Oftmals können auch verschiedene Schreibabsichten miteinander verknüpft werden. Wichtig ist allerdings, dass Sie nie Ihre Absicht aus den Augen verlieren.


Schreiben, um zu behüten und zu ermutigen

Es ist von großer Bedeutung, Menschen in schwierigen Lebenslagen Mut zuzusprechen und ihnen zu zeigen, dass ihre Situation nicht ausweglos ist und sie nicht die einzigen Menschen sind, die sich in einer solch schwierigen Lebenslage befinden. Auch von Vergangenem zu berichten, um zu versuchen, Menschen vor solchen Situationen zu schützen, ist eine wertvolle Ambition für das Verfassen der eigenen Geschichte. Beim Schreiben, um zu bewahren oder zu ermutigen, geht es genau darum, dass Sie anderen Menschen Ihren persönlichen Weg aufzeigen, damit die LeserInnen aus Ihren Erfahrungen lernen können. Hierbei können Sie beispielsweise darüber berichten, wie Sie besonders schwierige Lebensumstände gemeistert haben, um andere zu ermutigen, in scheinbar aussichtslosen Situationen nicht die Hoffnung zu verlieren. Sie können auch über negative Erlebnisse – beispielweise über schlechte Erfahrungen mit einem Reiseunternehmen – berichten, damit andere Menschen nicht die gleichen Strapazen durchleben müssen wie Sie oder zumindest aus Ihren Erfahrungen lernen können. Meist finden sich in dieser Kategorie Erfahrungsberichte, die eigene Erlebnisse der AutorInnen schildern, was allerdings nicht bedeutet, dass nicht auch eine fiktive Geschichte diesen Zweck erfüllen kann. Ein fiktiver Roman beispielsweise, der die Geschichte eines in der Kindheit missbrauchten Mädchens erzählt, das beginnt, sich gegen ihre Peiniger zu wehren, diese zur Verurteilung bringt und sich schlussendlich dafür einsetzt, Anlaufstellen für Missbrauchsopfer zu etablieren, kann als fiktiver Roman ebenfalls eine Ermutigung sein und Menschen in ähnlichen Situationen Kraft schenken.


Schreiben, um sich mitzuteilen

Schreiben kann unglaublich befreiend sein und viele Menschen können ihren Gefühlen über das Medium der Schrift besser Ausdruck verleihen als in irgendeiner anderen Form. Es ist eine Art der Selbstheilung, seine Gefühle, Gedanken, Bedenken, Ängste und Träume herauszulassen und diese nicht in sich zu vergraben. Deshalb geht es beim Schreiben, um sich mitzuteilen auch weniger um das Publikum, welches Sie mit Ihrem Werk erreichen wollen, als um die schreibende Person selbst. Im Fokus stehen Ihre Gedanken, Erlebnisse oder Erfahrungen und der Wunsch, diese aufzuschreiben und mit anderen Menschen zu teilen. Dies kann nicht nur – wie einem eventuell zuerst in den Sinn kommt – in Form einer Autobiografie oder eines Erfahrungsberichtes geschehen, sondern kann beispielsweise auch über Gedichte erfolgen. Zwar können auch solcherlei Werke andere Menschen berühren oder – wie gestern bereits erläutert – ermutigen oder vor Fehlern bewahren, der Fokus liegt allerdings darauf, sich selbst mitzuteilen und etwas in die Welt zu geben beziehungsweise für die Nachwelt festzuhalten, was Sie erlebt oder gefühlt haben. Auch hier ist es wiederum wichtig, zu erwähnen, dass nicht pauschal gesagt werden kann, ob diese Form der Mitteilung positiv oder negativ ausfallen wird. Was Sie mitteilen möchten, kann in alle möglichen Richtungen gehen und alle möglichen Formen annehmen, denn es geht nur um Sie. Das, was Sie ausführen möchten, und wie Sie dies tun wollen, steht Ihnen vollkommen frei.


Schreiben, um zu informieren

Jeder Mensch hat ein bestimmtes Fachwissen, einen Bereich, in dem er oder sie besser informiert ist als andere Menschen. Oftmals wäre es aber von großer Wichtigkeit, wenn auch andere Menschen über dieses Thema Bescheid wüssten und mehr Informationen darüber hätten. In vielen sehr relevanten Bereichen herrscht oftmals Unwissenheit über bestimmte Sachverhalte, bei denen ein gewisses Grundwissen viele Dinge erleichtern oder Menschen zu anderen Denkweisen bewegen könnte. Sollten Sie über ein solches Fachwissen verfügen, können Sie dieses gezielt einsetzen, um andere über Ihr Thema zu informieren und aufzuklären. Dies kann sowohl auf rein funktionaler, auf rein emotionaler, aber auch auf einer Ebene geschehen, die diese beiden Informationskanäle miteinander verstrickt. So gehört beispielsweise ein Buch über den richtigen Gebrauch eines Glätteisens ebenso in diese Kategorie wie ein Buch über die Gefahren, denen Flüchtlinge auf dem Fluchtweg über das Mittelmeer ausgesetzt sind. Obgleich hier das eine Beispiel eher erklären will, während das andere Buch eher aufrütteln und aufmerksam machen möchte, haben doch beide das Ziel, die LeserInnen über ein bestimmtes Thema auf unterschiedliche Art und Weise zu informieren.

Ob Sie Bezüge zu anderen Werken mit ähnlicher Thematik in Ihrem Buch herstellen möchten, ist Ihnen überlassen und hängt sehr stark von der Richtung ab, in die Ihr Buch gehen soll. Bei unserem ersten, sehr funktionalen Beispiel kann das Buch eine rein subjektive Perspektive einnehmen und benötigt keinerlei Quellen, Hintergründe, Fakten oder Statistiken, um das Niedergeschriebene zu untermauern. Bei unserem zweiten Beispiel aber gestaltet sich diese rein subjektive Darstellungsweise problematisch. Da es sich um ein komplexes gesellschaftliches Thema handelt, welches nicht in die Richtung einer Anleitung, sondern in die Richtung einer Aufklärung geht, empfiehlt es sich hierbei, gewisse Statistiken, Quellen oder Fakten hinzuzuziehen, um Ihren Informationen Nachdruck zu verleihen.


Schreiben, um zu beweisen

Es ist von großer Wichtigkeit, immer wieder neue Ideen, Thesen und Fragestellungen zu entwickeln, um neue Gedanken über aktuelle Themen anzuregen und Informationen anzuzweifeln oder zu überprüfen. Um allerdings nicht einfach Geistesblitze als Wahrheiten zu verkaufen, ist es wichtig, dass Sie Ihre Thesen auf der Grundlage von überprüfbaren Quellen beweisen. Beim Schreiben, um zu beweisen geht es deshalb nicht etwa darum, KritikerInnen und ZweiflerInnen zu beweisen, dass Sie in der Lage sind, ein Buch zu schreiben und dieses zu veröffentlichen. Es geht darum, eine These, die Sie aufgestellt haben, mit anderen Quellen zu untermauern und dies schriftlich festzuhalten. Wichtig ist hierbei, verwendete Quellen immer auch genau anzugeben und sich auf diese zu beziehen.

Viele Bücher, die beim Schreiben, um zu beweisen entstehen, können in das Genre der wissenschaftlichen Arbeit eingeordnet werden. Im Gegensatz zum Schreiben, um zu informieren verknüpfen Sie beim Schreiben, um zu beweisen verschiedene Quellen, Ansichten und Positionen, um Ihre These zu unterstreichen, und können sich nicht nur auf eine Quelle, eine Organisation oder eine Person beziehen. Ebenfalls wichtig ist, dass beweisen nicht immer heißen muss, am Ende zu einem klaren positiven Ergebnis zu kommen. Sie können eine These ebenfalls widerlegen und aufzeigen, aus welchen Gründen diese nicht der Wahrheit entspricht. Ebenfalls müssen Sie nicht zu einem deutlichen „wahr oder falsch“-Ergebnis kommen. Es ist ebenso denkbar, dass Sie am Ende Ihrer Arbeit Möglichkeiten oder Wahrscheinlichkeiten aufzeigen, auf Unklarheiten oder Quellenmangel hinweisen oder zu dem Ergebnis kommen, dass Ihre Arbeit eine bestimmte Tendenz aufzeigt, welche allerdings nicht als die reine und einzige Wahrheit angesehen werden sollte.