Frieling-Verlag Berlin

Bücher und Menschen

Andere Länder, andere Sitten: Weihnachtsbräuche in fünf verschiedenen Ländern

Fragen Sie sich nicht auch manchmal, wenn hier der ganze Weihnachtstrubel losgeht, was wohl im Moment in anderen Ländern passiert? Ob dort auch alles wochenlang von einem Fest bestimmt wird? Hierzulande gibt es rund um Weihnachten und die Adventszeit eine Menge Bräuche und Traditionen: Weihnachtsmärkte, Plätzchenbacken, Dekorieren, Lichter, Weihnachtsbäume, Geschenke usw. Da es sich um ein christliches Fest handelt, wird es auch überall dort gefeiert, wo es Christen gibt. Doch wann und wie man feiert, ist sehr unterschiedlich.


Italien: Weihnachtsfiguren, Dudelsack und die Hexe Befana

In Italien hat die Weihnachtskrippe eine besondere Bedeutung. Wochenlang wird sie im Wohnzimmer aufgebaut und erweitert. Manchmal wird daraus ein großes Kunstwerk, das weit über die klassischen Figuren und die Stallszene hinausgeht. Am 24. Dezember wird dann das Christuskind in die Krippe gelegt. Inzwischen sind die Figuren oft nicht mehr von Hand gearbeitet, sondern Plastik und Massenware. In Neapel gibt es jedoch noch immer viele Kunsthandwerker, die sich den Weihnachtsfiguren widmen. In der Straße der Krippenbauer (Via San Gregorio Armeno) kann man das ganze Jahr über Figuren kaufen.

Eine andere Tradition mag schottisch anmuten, denn zur Weihnachtszeit findet man in den Städten viele Dudelsackspieler. Das Instrument ist zwar inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten, war jedoch früher in Italien weitverbreitet. Die Hirten spielten zur Weihnachtszeit auf den Marktplätzen, um ihre Verdienste aufzubessern. Bis heute gehört der Dudelsack in Süditalien zur Adventszeit.

Früher brachte die gute Hexe Befana die Geschenke am Dreikönigstag. Inzwischen bekommen viele Kinder ihre Geschenke am 25. Dezember vom Christkind oder dem Weihnachtsmann. Mit viel Glück wird man doppelt beschenkt, weil in einigen Familien alte und neue Traditionen gepflegt werden. Der 24. Dezember ist nicht so wichtig, er ist lediglich der Weihnachtsvorabend. Man isst gemeinsam ein großes, fleischloses Abendessen. Doch der eigentliche Feiertag beginnt erst mit der Mitternachtsmesse. Sie ist der weihnachtliche Höhepunkt.

Dann wünscht man sich: Buon Natale!


Island: Die Trolle sind los

Weihnachten wird auf Island vor allem als Lichterfest gefeiert. Das liegt wohl daran, dass die dunkle Jahreszeit in dem skandinavischen Land noch deutlich dunkler ist als hier. Am 24. Dezember wird morgens der Toten gedacht und abends kommt man zum Essen zusammen. Neben verschiedenen traditionellen Gerichten und dem in Öl gebackenen Weihnachtsgebäck „Laufabrauð“ ist es Brauch, Milchreis zu kochen, in dem eine Mandel versteckt wird. Wer sie findet, bekommt ein zusätzliches Geschenk.

Die Weihnachtsgeschenke werden von den 13 Weihnachtskerlen oder Weihnachtstrollen gebracht. Sie sind die Söhne einer Hexe und haben den Menschen früher Streiche gespielt. Jeder hat eine Persönlichkeit, Lieblingsstreiche und Essgewohnheiten, die sich in seinem Namen widerspiegeln. So heißen sie z. B. Löffellecker, Kesselkratzer, Kerzenschnorrer, Türschlitzschnüffler oder Wurststibitzer. Inzwischen übernehmen sie die Aufgabe der Geschenkeverteilung. Sie kommen der Reihe nach ab dem 12. Dezember aus den Bergen und stecken braven Kindern ein Geschenk in den Schuh, der auf dem Fensterbrett bereitsteht. Damit sie kein Unwesen treiben, ist es ratsam, ihnen eine leckere Kleinigkeit für den Weg hinzustellen. Ungezogene Kinder bekommen alte Kartoffeln. Fürchten muss man jedoch nur die Weihnachtskatze. Sie ist ein riesiges, blutrünstiges Geschöpf, das Jagd auf faule Menschen macht. Diese erkennt man daran, dass sie keine neue Kleidung haben, denn wer geholfen hat, die im Herbst gewonnene Wolle bis Weihnachten zu verarbeiten, wird zum Fest mit neuer Kleidung belohnt.

Heute wünschen wir: Gleðileg jól!


Mexiko: Posada, Piñata und Party

Ab dem 16. Dezember wird in Mexiko die Suche von Maria und Josef nach einer Herberge nachgespielt. Bei den sogenannten „Posadas“ verkleiden sich zwei Personen und klopfen an Haustüren, um nach einer Unterkunft zu fragen. Zweimal werden sie mit dem Hinweis auf die überfüllte Herberge abgewiesen, dann werden sie und die anderen Gäste eingelassen und es wird ausgelassen gefeiert, gesungen und getanzt. Für die Kinder ist die „Piñata“ der Höhepunkt des Festes. Nacheinander dürfen sie mit verbundenen Augen auf eine Figur aus Pappe oder Ton einschlagen, die mit Süßigkeiten, Nüssen und Früchten gefüllt ist. Die erwachsenen Gäste erfreuen sich an „Buñuelos“ (süße Krapfen) und „Ponche de Fruta“ (Fruchtpunsch). Die nächste „Posada“ richtet jemand anderes aus, und so ist in diesen Tagen immer etwas los.

Geschenke gibt es oft erst am 6. Januar. Man trifft sich mit Freunden und Familie zum Essen. Es gibt unter anderem „rosca de reyes“ (Dreikönigskuchen), ein süßes Brot, in dem eine Plastikfigur des Jesuskindes versteckt ist. Wer sie findet, muss das Fest zu Mariä Lichtmess („Día de la Candelaria“) am 2. Februar ausrichten.

Natürlich darf der Weihnachtsstern in seinem Ursprungsland Mexiko nicht fehlen. Überall findet man diese festliche Pflanze als Weihnachtsdekoration.

Feliz Navidad!


Russland: Väterchen Frost, Schneeflocke und Neujahr bringen Geschenke

Russische Kinder werden nicht vom Weihnachtsmann oder dem Christkind besucht, sondern von Väterchen Frost (Дед Мороз ). Man orientiert sich am Julianischen Kalender und feiert Weihnachten erst am 7. Januar. Die Geschenke bringt Väterchen Frost allerdings schon am 31. Dezember. Er kommt in Begleitung eines Jungen namens Neujahr und eines Mädchens, das Schneeflocke heißt. Sie kommen mit einem Pferdeschlitten (Troika) und werden mit einem lauten, dreifachen „Väterchen Frost!“ gerufen. Die Kinder verkleiden sich zu dem großen Fest als Schneeflocke oder Kaninchen. Zur Begrüßung stampft Väterchen Frost mit seinem Eiszapfen auf, der ihm als Wander- und Zauberstab dient. Dem deutschen Weihnachtsmann nicht unähnlich, trägt er einen langen weißen Bart und einen roten oder blauen Mantel. Es gibt einen geschmückten Weihnachtsbaum, ein Festmahl und es werden Lieder gesungen oder Gedichte aufgesagt. Ruhiger geht es dann am 7. Januar zu. Orthodoxe Christen feiern die Menschwerdung Gottes mit einem besonderen und sehr langen Gottesdienst. Man wünscht sich: Cчастливого Рождества!


Nigeria: Die Reichen beschenken die Armen

Auch in dem afrikanischen Land wird Weihnachten im Kreis der Familie gefeiert. Viele Menschen in den Städten machen sich auf den Weg in ihre Heimatdörfer, um dort ihre Verwandten zu treffen. Nach dem gemeinsamen Festessen am 24. Dezember ist es nach einer alten Tradition üblich, von Haus zu Haus durch das Dorf zu gehen, um Weihnachtslieder zu singen und Glückwünsche auszutauschen.

Viele Gemeinden haben eigene Bräuche. Oft findet an den Tagen zwischen Heiligabend und Silvester ein mehrtägiges, ausgelassenes Fest statt. Dabei gibt es oft Masken und schauspielerische oder musikalische Darbietungen. In vielen Gemeinden leben Muslime und Christen zusammen und dann wird auch das weihnachtliche Dorffest gemeinsam begangen. Ursprünglich gab es die Tradition, dass die Reichen den Armen etwas schenken. Dieser Brauch wird aber bedauerlicherweise kaum noch praktiziert. Geschenke spielen allgemein keine sehr große Rolle oder werden nur in betuchten und sehr westlich geprägten Familien ausgetauscht. Wichtiger ist das Zusammensein und der Wunsch: aṅụri ekeresimesi! Frohe Weihnachten!