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Bücher und Menschen

Science-Fiction

Wie schreibt man einen Science-Fiction-Roman oder eine Science-Fiction-Geschichte?

Die Science-Fiction-Literatur entsprang dem Fortschritts- und Wissenschaftsglauben der Moderne. Der Blick in die Zukunft wurde durch die Industrialisierung immer verheißungsvoller und die Fantasie des Menschen wurde geprägt von technischen Möglichkeiten und Utopien. Reale wissenschaftliche Perspektiven können demnach in diesem Genre mit fiktiven Annahmen vermischt werden und somit zu einer mitreißenden, innovativen Geschichte verschmelzen. Noch heute zeigen filmische Dauerbrenner wie Star Wars oder Star Trek deutlich ein gesteigertes Interesse an dem Genre. Auch Kombinationen mit anderen Sparten wie Fantasy, Thriller, Horror oder Märchen haben derzeit auf dem Büchermarkt Hochkonjunktur. Dabei bleibt diese einst so spezielle Kategorie nicht mehr nur den Wissenschafts-Freaks vorbehalten, sondern erfreut sich auch als Unterhaltungsliteratur für die breite Masse einer besonderen Beliebtheit. Oftmals haben Autoren allerdings Berührungsängste mit dem Genre und fühlen sich mit der stringenten Welt der futuristischen Technik überfordert. Diese Ängste sind glücklicherweise völlig unbegründet und können mit ein paar grundlegenden Schreibtipps an dieser Stelle vertrieben werden.


Entscheiden Sie sich für eine Zeit und einen Schauplatz

Tipp 1

Die Wahl der Zeit und des Schauplatzes gestaltet sich genauso vielfältig wie der Handlungsverlauf an sich. Viele Science-Fiction-Geschichten spielen in der nahen Zukunft und haben mehr als einen Planeten als Schauplatz. Es kann aber auch zwischen den Zeiten und Welten gesprungen werden. Wurmlöcher, Portale und Zeitmaschinen sind beliebte Hilfsmittel, um von einer Epoche in die nächste zu reisen. Generell gilt: Es ist alles erlaubt, was einen Blick in die Zukunft gewährt. Dabei sollte die Weiterentwicklung der Technik und die damit veränderte Welt im Vordergrund stehen. Durch den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt ändert sich allerdings nicht nur das Handlungsumfeld der Geschichte, sondern auch das Alltagsleben der Protagonisten ist dadurch geprägt: Fliegende Autos, nützliche Roboter, Raumgleiter oder Teleportation können in der Lebenswelt der Charaktere zum Einsatz kommen. Ihrer Fantasie und Kreativität ist also keine Grenze gesetzt. Bedenken Sie, den Zeitraum der Geschichte passend zum Inhalt zu wählen. Denn sollten Sie nur zehn Jahre in die Zukunft gehen, ist die Wahrscheinlichkeit, sich in fliegenden Autos fortzubewegen, wohl eher gering.


Wählen Sie Ihre Hauptfiguren und Charaktere

Tipp 2

Natürlich lebt jede gute Geschichte von einer einnehmenden, sympathischen Hauptfigur oder einem Helden, mit dem der Leser mitfiebern kann. Versuchen Sie trotz der futuristischen Umgebung einen lebensnahen Charakter zu schaffen, der den Lesern emotional nahekommt. Trotz aller Technisierung ist es schön, den Menschen an sich wahrzunehmen und ihn mit all seinen Gefühlsregungen zu Papier zu bringen. Sie können sich dabei auch an anderen Genres orientieren, schließlich gibt es in der klassischen Literatur wahre Meister der Figurenzeichnung.

Der ausgewählte Charakter kann von einem Wunsch, einem ganz bestimmten Ziel oder einer Mission angetrieben werden. Natürlich können hier diverse Ideen kombiniert werden, um zu einem überraschenden Showdown zu führen. Mit einer ausgefeilten Charakterisierung der Protagonisten können Sie den Handlungsverlauf auf alle Fälle vorantreiben und der Geschichte eine gewisse Tiefe geben.


Das Thema und der Konflikt

Tipp 3

Um in das Science-Fiction-Genre tiefer eintauchen zu können, ist es empfehlenswert, sich mit den wissenschaftlichen Fakten auseinanderzusetzen und das Thema gut zu recherchieren. Je besser Sie ein Thema recherchieren, desto authentischer wird Ihre Geschichte auf den Leser wirken. Fachzeitschriften, Bücher oder die entsprechenden Websites zu dem gewählten Thema können dabei eine große Hilfe sein. Auch ist es hilfreich, andere erfolgreiche Sci-Fi-Romane zu lesen, um ein Gespür für einschlägige Handlungs- und Figurenkonstellationen zu bekommen.

Um das Thema und den Konflikt besser umreißen zu können, machen Sie vielleicht anfangs ein kurzes Brainstorming und überlegen sich Ihre verrücktesten Zukunftsideen und Vorstellungen. Fragen Sie sich: „Was wäre wenn …“, und konstruieren Sie Ihre eigene fiktive Welt. 

Jeder Sci-Fi-Roman ist geprägt von einem Konflikt oder einer Mission, die es zu erfüllen gilt. Im Vordergrund stehen oftmals kriegerische Handlungen oder rätselhafte Entdeckungen. Die Gegenspieler sind zumeist Außerirdische, Technologien, welche sich verselbstständigt haben, oder andere Menschen mit sinisteren Interessen. Egal für welches Thema Sie sich entscheiden, das A und O bleiben die Spannung und die Nachvollziehbarkeit des Handlungsverlaufes.


Überschneidungen und Abgrenzungen zu anderen Genres

Tipp 4

Science-Fiction wird gern mit Fantasy verwechselt oder gleichgesetzt. Prinzipiell geht es in der Science-Fiction, wie oben schon beschrieben, um den technischen Fortschritt und wissenschaftliche Entwicklungen. Fantasy dagegen entspringt den nordischen Mythen und Sagen. Die Merkmale dieses Genres sind märchenhafte, übernatürliche oder magische Begebenheiten sowie Fabel- und Sagengestalten. Seit dem großen Erfolg der Shadowrun-Reihe ist das Vermischen von Sci-Fi und Fantasy aber zweifellos mehr als salonfähig geworden. Auch der Meister des Horrors, Stephen King, setzte mit einigen seiner Bestseller-Romane einen Trend zum Durchdringen der Genre-Grenzen. Also scheuen Sie sich nicht, diese Schranken zu durchbrechen. Vielleicht setzen Sie einen neuen Buchtrend?!


Keine Angst vor wissenschaftlichen Ungenauigkeiten, Parodien und Satiren – alles ist erlaubt

Tipp 5

Auch wenn Sie kein präzises Wissen über die neuesten Technologien besitzen und keine Lust haben, Bücher zu wälzen, können Sie einen guten Science-Fiction-Roman schreiben. Im Bereich der harten Science-Fiction geht es darum, so detailliert wie möglich sämtliche technischen Daten niederzuschreiben. Aber es gibt auch weiche Science-Fiction, die mit Ungenauigkeiten, Auslassungen und weniger ausführlichen wissenschaftlichen Beschreibungen erfolgreich ist. Die Leserschaft wird Ihnen diese Ungenauigkeiten nicht übel nehmen und Ihnen eventuelle Verstöße gegen die heutige Meinung verzeihen. Sollten Sie allerdings gegen jegliche physikalische Grundlagen verstoßen, wäre eine „plausible“ Erklärung günstig, um dem Leser die Geschichte nachvollziehbarer zu gestalten.

Auch Parodien oder Satiren über das Genre werden gern gelesen. Humoristische Werke in Anlehnung an andere gelungene Sci-Fi-Romane können dabei genauso erfolgversprechend sein wie komplett eigene Kreationen und Ideen.

Sollte sich in Ihrer Schaffenszeit die eine oder andere Unsicherheit einschleichen, trauen Sie sich, Ihr Werk potenziellen Lesern in die Hand zu geben. Konstruktive Kritik und der Dialog mit Sci-Fi-Liebhabern ist immer eine große Hilfe und kann für neue Impulse sorgen.

Wir wünschen Ihnen viel Vergnügen bei der Erschaffung Ihres eigenen Universums!

 

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