Frieling-Verlag Berlin

Bücher und Menschen

Schreibtipps – Ein Kinderbuch oder Jugendbuch schreiben

Die Verantwortung und die Herausforderung der Kinder- und Jugendbuchautoren

Ein Kinderbuch schreiben sei kinderleicht? Texte für Kinder zu schreiben stellt Autoren vor eine besondere Herausforderung, da Bücher einen wichtigen Einfluss auf Kinder und ihre Entwicklung darstellen. Die lebhaftesten Erinnerungen aus der Kindheit sind oft bestimmt durch Menschen und Lebewesen, die niemals lebendig waren, weil sie der Welt der Fiktion entstammen. Und doch prägen uns diese Figuren sehr: Superhelden, sprechende Elefanten, Hexen, Kobolde, freche Lausbuben oder besonders mutige und schlaue Kinder. Sie begleiten uns als Vorbilder und Orientierungshilfen, während wir größer werden und uns in der komplexen Welt der Erwachsenen zurechtfinden müssen. 

Doch in erster Linie empfinden Kinder ihre Lieblingsfiguren als Freunde. Durch serielles Erzählen lernen sie die geliebte Figur oft in allen Lebenslagen kennen. Und auch wenn Kinder die meisten Geschichten hinter sich lassen, wenn sie ein bestimmtes Alter überschreiten, prägen diese Kindheitshelden sie trotzdem noch weit darüber hinaus. Vielen Erwachsenen kann man ein Lächeln ins Gesicht und ein Leuchten in die Augen zaubern, wenn man die Lieblingsfiguren ihrer Kindheit und Jugend erwähnt. Oft werden Berufswünsche oder eine intensive Beziehung zu bestimmten Orten durch Kinderbücher erklärt, die viele Jahre zuvor einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Der Umgang mit Kinder- und Jugendbüchern legt auch den Grundstein für das künftige Leseverhalten. Gute Bücher können schon früh begeistern, motivieren und dafür sorgen, dass sich Lesegewohnheiten stabilisieren. Dadurch verbessern sich die Rechtschreibung und das Gefühl für Sprache, der Wortschatz und die Konzentrationsfähigkeit. All dies macht deutlich, dass der Einfluss von Kinderbüchern nicht zu unterschätzen ist. Geschichten und Idole, die eine derart wichtige Rolle in der Entwicklung von Kindern spielen, sollten ernst genommen werden und Wertschätzung erfahren. Gute Kinderbücher sind wichtig. Aber worauf kommt es beim Schreiben an? Welche Funktionen soll ein gutes Kinderbuch erfüllen? Und: Seit wann gibt es Kinderbücher eigentlich? Diese Woche geben wir Ihnen als Verlag einige Informationen zur Entstehung des Genres und konkrete Ratschläge für das Schreiben von Kinderbüchern.

 

Entstehung und Funktionen von Kinderbüchern

Die ersten Bücher, die Kindern überhaupt zugänglich gemacht wurden, waren die Bibel und Gesangbücher. Im 16. Jahrhundert kamen Märchen und lehrreiche Sachtexte, die sogenannten ABC-Bücher oder Fibeln, dazu. Die ersten kindgerechten Romane entstanden dann im 18. Jahrhundert. Im Jahr 1779 schrieb Joachim Heinrich Campe zum Beispiel Robinson Crusoe für ein jüngeres Publikum zu Robinson der Jüngere um. Damit rückten neben moralischer und religiöser Bildung bei der Lektüre für Kinder zunehmend auch Spannung und Unterhaltung in den Fokus. Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Klassiker wie Max und Moritz und Pu der Bär veröffentlicht, die sich bis heute größter Beliebtheit erfreuen. Alice im Wunderland (1865) von Lewis Carroll gilt als das erste Kinderbuch, das vollständig frei ist von moralischen Botschaften. Doch Moral und Erziehung blieben weiterhin ein wichtiger Bestandteil des Genres.

Abgesehen von diesen pädagogischen Aspekten können Kinderbücher auch das Interesse an Themen fördern, die im Umfeld des Kindes nicht direkt vorkommen. Sie können Empathie und Verständnis für Probleme oder fremde Lebenswelten fördern und so neues Wissen und schwierige Lektionen spielerisch vermitteln. Wenn eine solche Thematik geschickt verpackt ist, regt sie die junge Leserschaft dazu an, sich Gedanken zu machen und mitzufühlen, jedoch ohne sich dabei zu fühlen, als müssten sie etwas lernen. Die größte Herausforderung beim Schreiben von Kinderbüchern ist wohl, diese beiden Ebenen zu bedienen. An diesem doppelten Boden der Geschichten liegt es wohl auch, dass die meisten Erwachsenen gerne Kinderbücher vorlesen. Wenn man es schafft, Jung und Alt durch ein Buch zu bewegen, zu amüsieren und an komplexe Themen heranzuführen, ohne jemanden zu verschrecken, hat man den Spagat geschafft, der in kaum einem anderen Genre so groß ist.

 

Tipps zum Schreiben von Kinder- und Jugendbüchern

Kann jeder ein Kinderbuch schreiben? Manchmal begegnet einem der Irrtum, ein Kinderbuch zu schreiben, könne nicht besonders schwierig sein. Da die Geschichten verhältnismäßig einfach gestrickt sind und die Sprache nicht allzu komplex sein darf, wirkt das Schaffen eines solchen Werkes auf einige Menschen auch nicht besonders schwierig. Doch weit gefehlt! Das Schreiben von guten Geschichten, die Kinder und Jugendliche begeistern, ist eine große Herausforderung, die viel Feingefühl verlangt. Hier nun einige Tipps, was wichtig ist, worauf man achten und was man vermeiden sollte.


Die Welt mit Kinderaugen sehen (Tipp 1)

Wenn Sie als Erwachsener ein Kinder- oder Jugendbuch schreiben möchten, ist es wichtig, sich intensiv auf Ihre Leserschaft einzulassen und zu versuchen, die Welt durch Kinderaugen zu sehen. Es ist wichtig, dass die Leser einen Bezug zu Handlung, Handlungsort und Figuren aufbauen können. Das bedeutet nicht, dass diese eins zu eins ihrer eigenen Lebenswelt entsprechen müssen, aber es sollte dem Kind möglich sein, Bezüge herzustellen. Natürlich gibt es hierbei sehr unterschiedliche Möglichkeiten. Es macht durchaus einen großen Unterschied, ob Ihre Protagonisten sprechende Tiere im Wald, Kobolde oder Kinder sind. Aber die Probleme, um die es geht, und der allgemeine Rahmen der Geschichte sollten für Ihre Leser nachvollziehbar sein. Dafür ist es sehr wichtig, dass Sie sich von vornherein Gedanken darüber machen, an welche Altersgruppe Sie Ihr Buch richten möchten. Diese Zielgruppe sollten Sie bei jedem Schritt des Schreibprozesses genau vor Augen haben. Mit diesen Überlegungen im Hinterkopf können Sie nun Ihrer Fantasie erst einmal freien Lauf lassen!


Themenwahl – Die Fantasie beflügelt, aufklären oder belehren? (Tipp 2)

Beim Schreiben eines Kinderbuchs ist es besonders wichtig, das Alter der Zielgruppe genau zu bedenken und die Handlung daran anzupassen. Für 10- bis 12-Jährige bieten sich zum Beispiel die Themen „neue Schule“ und „Freunde finden“ an. Das sind selbstverständlich auch für etwas jüngere oder ältere Kinder spannende Fragen. Doch ganz besonders in dem Moment, wo sie im eigenen Leben eine große Rolle spielen, lassen sich Kinder gerne auf Geschichten ein, die Mut machen oder Lösungswege vorschlagen.

Es ist sehr beliebt, Kinder- und Jugendbücher so zu gestalten, dass sie eine moralische Botschaft oder einen pädagogischen Wert enthalten. Dabei sollte man jedoch nicht zu offensichtlich vorgehen. Lehrreiche Geschichten können Spaß machen; belehrende Bücher, die mit dem symbolischen erhobenen Zeigefinger auftreten, sind auch bei jungen Kindern nicht sehr beliebt. Unterschätzen Sie Ihre Leser nicht! Kinder bekommen eine ganze Menge mit.


Protagonisten – Hauptfiguren wählen, mit denen sich die Leser identifizieren können (Tipp 3)

Es gibt sehr unterschiedliche Protagonisten in Kinder- und Jugendbüchern. Trotz der Vielfalt gibt es allerdings auch hier wichtige Aspekte, die beim Schreiben beachtet werden sollten. Die Leser sollten sich mit den Hauptfiguren identifizieren können. Dies kann über verschiedene Wege ermöglicht werden: über Handlungsort, Problemstellung, Alter, Aussehen, Interessen oder durch den Charakter des Protagonisten. Eine schöne Basis ist, wenn ein Leser sich dank gewisser Gemeinsamkeiten mit dem Protagonisten identifizieren kann, zugleich aber einige der genannten Aspekte ganz anders sind als im eigenen Leben. So entsteht auch eine Projektionsfläche für Sehnsüchte, Träume, Bewunderung und Faszination. Die Protagonisten können die Leser in ihre Welt entführen und von der eigenen Realität ablenken, und doch haben die Geschichten eigentlich immer mit dem eigenen Leben zu tun. Beispiel: Die Harry Potter-Bücher lassen ihre Leser erst einmal den Alltag vergessen, weil sie in eine Welt abtauchen, die von Zauberei und großen Abenteuern bestimmt ist. Doch selbst da begegnen den Lesern bekannte Themen (Schule, Freundschaft, Identität …), in denen sie sich wiederfinden. Räumen Sie also beim Schreiben dem Entwickeln der Hauptfiguren viel Zeit ein.


Illustrationen – Wann es es sinnvoll, ein Kinderbuch zu illustrieren? (Tipp 4)

Je nach Alter Ihrer Zielgruppe sollten Sie darüber nachdenken, Ihr Manuskript mit Bildern zu veröffentlichen. Jüngere Leser brauchen diese visuelle Unterstützung der Texte oft. Wenn es den Kindern noch schwerfällt, Geschichten und komplexe Zusammenhänge zu verstehen, und die Konzentration sehr schnell nachlässt, ist ein Bild manchmal dankbarer als ein Text. Illustrationen können den Sympathiefaktor der Figuren deutlich erhöhen, Gefühle verstärken, die Fantasie anregen und Zusammenhänge verständlicher machen. Bei älteren Kindern und Jugendlichen hingegen entstehen automatisch Bilder im Kopf. Dabei kommt es dann mitunter zu dem altbekannten Phänomen, dass lebendige Beschreibungen die Fantasie zu den atemberaubendsten Vorstellungen und gedanklichen Bildern anregen, mit denen kaum ein Bild oder Film konkurrieren kann. In diesen Fällen muss man gut überlegen, ob man mit Bildern arbeitet, und wenn ja, in welcher Form. Eine jüngere Leserschaft nimmt konkrete Angebote in Bildform allerdings in der Regel dankbar an, ziehen Sie also in diesem Fall eine Illustration Ihres Buches in Betracht.


Sprache – den richtigen Ton treffen, ohne Babysprache oder Jugendjargon (Tipp 5)

Wie jede Geschichte sollte auch ein Kinder- oder Jugendbuch ein zentrales Thema und eine klare Struktur haben. Wenn Sie viele wichtige Thematiken behandeln wollen, nehmen Sie sich ruhig die Zeit, mehrere Geschichten zu schreiben. Bei Kinder- und Jugendbüchern sind Fortsetzungsgeschichten ohnehin sehr beliebt. Benutzen Sie neben einem klaren und einfachen Aufbau auch möglichst eine einfache, klare Sprache. Wenn Sie für ältere Kinder und Jugendliche schreiben, kann die Komplexität der Sprache etwas angehoben werden. Herausforderungen sind gut und es ist toll, wenn die Leser bei der Lektüre ihren Wortschatz erweitern können, aber auf der anderen Seite sollten sie nicht abgeschreckt werden. Wenn ein Buch zu kompliziert geschrieben wird, überfordert es und wird schnell weggelegt. Das wäre schade, denn das Wichtigste ist, die Freude am Lesen zu fördern und die Leser mit den Inhalten zu erreichen!

Noch ein konkreter Hinweis: Vermeiden Sie beim Schreiben Babysprache oder Jugendjargon. Dies erweckt schnell einen seltsamen Eindruck und kann albern wirken oder so, als wolle sich der Autor bei den Lesern anbiedern. 

Abschließend eine Weisheit der roten Eule: "Wer sich standhaft weigert, erwachsen zu werden, kann auch ein gutes Kinderbuch schreiben!"

WEITERE SCHREIBTIPPS 

-> Buch veröffentlichen

-> Manuskript einsenden