Frieling-Verlag Berlin

Bücher und Menschen

Schreibtipps – Erinnerungen schreiben

Der zeitliche Rahmen der Erinnerungen

Wenn Sie sich dazu entschlossen haben, Ihre Erinnerungen aufzuschreiben, haben Sie wahrscheinlich bereits eine bestimmte prägende Phase Ihres Lebens im Kopf, von der Sie der Überzeugung sind, dass diese niedergeschrieben werden sollte. Der Inhalt Ihres Buches ist dementsprechend in Ihrem Kopf bereits verankert. Als ersten Schritt empfiehlt es sich deshalb, einen Zeitstrahl anzulegen, der diesen Lebensabschnitt strukturiert. Tragen Sie die wichtigen Eckdaten des Lebensabschnittes, den Sie niederschreiben möchten, chronologisch in den Zeitstrahl ein. Dies kann Ihnen im weiteren Verlauf ungemein helfen, denn schon während dieses Prozesses müssen sie sich dessen bewusst werden, was von großer und was von eher geringerer Relevanz für Ihre Geschichte ist. Es empfiehlt sich, zu versuchen, übergeordnete Kategorien zu finden und in Stichpunkten darunter viele kleine Stichworte zu notieren. 

Ebenfalls müssen Sie bereits entscheiden, wo der Zeitstrahl beginnt und wo er endet. Ist es relevant, in der frühen Kindheit anzusetzen, wenn Sie über Ihre Erlebnisse in der Berufswelt berichten möchten? Ist es relevant, auch ausführlich vom Hier und Jetzt zu berichten, wenn sich Ihr Erfahrungsbericht um Erfahrungen während des Zweiten Weltkriegs dreht? Diese Fragen können natürlich nicht pauschal beantwortet werden, sondern sind immer individuell zu beantworten. Eventuell war Ihre Kindheit für Ihre berufliche Laufbahn durchaus prägend, vielleicht aber auch irrelevant. Der Zeitstrahl hilft Ihnen, sich über diese Fragen bewusst zu werden, und zeigt Ihnen des Weiteren auch eventuelle Lücken auf. Vielleicht gibt es einige Dinge, bei denen Details fehlen oder bei denen Sie sich der genauen zeitlichen Abfolge nicht mehr sicher sind. Um spannend und mitreißend von Ihren Erinnerungen zu berichten, ist der Zeitstrahl also die Grundlage.


Die wichtigen Personen, die in den Erinnerungen beschrieben werden

Nachdem nun der Zeitstrahl steht, müssen Sie sich überlegen, welche Personen in diesem Zeitabschnitt für Sie relevant waren. Hierbei ist ganz egal, ob Sie diese Personen positiv oder negativ geprägt oder berührt haben, wichtig ist lediglich die Rolle, die sie in Ihrem Leben gespielt haben. Zu unterscheiden ist dabei zwischen wichtigen Personen, die sie zeitlebens geprägt haben, und wichtigen Personen in bestimmten Lebensabschnitten. Beispielsweise kann Ihre Mutter eine außerordentlich wichtige Person für Sie sein, in dem Lebensabschnitt, den Sie beschreiben möchten, allerdings keine signifikante Rolle gespielt haben. Sie sollten sich dann gegebenenfalls nicht zu intensiv mit dieser Person beschäftigen und sie auch im Prozess des Schreibens nicht in allen Details schildern, um nicht unnötig und übermäßig von Ihrem Hauptthema abzuschweifen.

Empfehlenswert ist es auch, sich die wichtigen Personen in verschiedenen Farben unter dem Zeitstrahl zu notieren und mit Punkten oder Pfeilen Verbindungen zu den Ereignissen auf dem Strahl zu ziehen. So erkennen Sie nicht nur, ob eine Person, die Sie anfangs als relevant herausgestellt haben, dies auch wirklich ist, sondern können darüber hinaus auch feine Abstufungen vornehmen. Dies ist wichtig, um die einzelnen Personen im Prozess des Schreibens unterschiedlich detailliert zu charakterisieren. Eine für den Erinnerungsbericht signifikante Person sollte auch dementsprechend beschrieben werden, während weniger wichtige, allerdings immer noch erwähnenswerte Charaktere nicht bis ins kleinste Detail beschrieben werden müssen.


Die Recherche für die Erinnerungen

Nachdem nun Zeitstrahl und Charaktere abgehandelt sind und somit eine ungefähre Struktur bereits vorhanden ist, sollten Sie noch einige Recherchen vornehmen. Zweifelsohne ist das, was Sie berichten möchten, in Ihrem Kopf wahrscheinlich noch sehr detailliert und emotional abrufbar. Trotzdem kann es nicht schaden, sich noch einmal intensiv mit dieser Zeit auseinanderzusetzen. Alte Fotoalben oder Artikel, Fernsehsendungen, Tagebucheinträge oder auch Gespräche mit alten Freunden oder Bekannten lassen Sie noch einmal tiefer in Ihre eigenen Erinnerungen eintauchen. Dies hilft nicht nur, eventuell durch den Zeitstrahl offenbar gewordene Lücken zu schließen und Unsicherheiten zu beseitigen, sondern auch, sich an kleinere Details zu erinnern und Gefühle hervorzurufen, die Sie damals gespürt haben. Sehr wichtig dabei ist, sich auf jeden Fall Notizen zu machen. Auch wenn es in einigen Momenten schwierig erscheint, Worte für bestimmte Gefühle oder Gedanken zu finden, sollten Sie stets versuchen, diese festzuhalten, sobald Sie in Ihnen hervorgerufen werden. Für genauere Formulierungen und Beschreibungen haben Sie zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt noch Zeit.


Der Aufbau der Erinnerungen

Nun geht es daran, Ihr Buch so aufzubauen, dass es die LeserInnen fesseln wird. Als Grundlage hierfür kann erneut der bereits erstellte Zeitstrahl dienen. Sie müssen sich nun entscheiden, wie Sie ihr Buch aufbauen möchten. Zum Beispiel ist es möglich, das Buch in zwei oder drei große Abschnitte bzw. Oberkapitel zu gliedern. Ebenso ist es denkbar, es nach Jahren, Monaten oder Jahreszeiten zu strukturieren. Eine pauschale Empfehlung kann hierbei nicht ausgesprochen werden, da Erinnerungen immer sehr unterschiedlich sind, nicht nur inhaltlich, sondern auch in Hinsicht auf ihren Zeitraum.

Schauen Sie sich Ihren Zeitstrahl an und entscheiden Sie, wie Ihr Buch stimmig und spannend aufgebaut werden könnte. Hilfreich dabei können auch die in Kapitel 1 Der zeitliche Rahmen empfohlenen Kategorien auf Ihrem Zeitstrahl sein. Lässt sich bei diesen eine Kontinuität erahnen? Erscheinen wichtige Daten vielleicht im Wochen-, Monats- oder Jahresrhythmus oder in bestimmten Lebensphasen? Ansonsten können diese Kategorien auch gut zur Orientierung für die verschiedenen Abschnitte Ihres Buches dienen.


Das persönliche und emotionale Schreiben beim Aufschreiben der Erinnerungen

Nun soll das Schreiben beginnen! Bei Erinnerungen ist es sehr wichtig, emotional und persönlich zu schreiben. Vergessen Sie nicht, dass Sie die Menschen, die Ihr Werk lesen werden, an ihren Erfahrungen, Erinnerungen und an den Dingen, die Sie erlebt und gefühlt haben, teilhaben lassen möchten. Um den LeserInnen das Gefühl zu geben, Ihnen beim Lesen nahe zu sein, kann es auch hilfreich sein, eigene Fehler einzugestehen und über Gefühle und Taten zu reflektieren, die Sie heute bereuen. Natürlich müssen Sie nicht jedes Detail wiedergeben und ausführlich beschreiben, bewusst können Sie natürlich auch Einzelheiten, die sie nicht gerne preisgeben wollen, verschweigen. Wichtig ist, dass Sie sich bei dem Gedanken wohlfühlen, dass andere Menschen Ihre Erinnerungen lesen werden. Das, was Sie berichten, sollte allerdings so detailliert und konsistent wie möglich geschildert werden. Versuchen Sie zu beschreiben, wie Sie sich gefühlt haben, und welche Gefühlen und Gedanken gewisse Situationen ausgelöst haben. Schrecken Sie nicht davor zurück, auch Vergleiche, Metaphern oder Analogien zu verwenden, um Ihren Emotionen Ausdruck zu verleihen. Die LeserInnen sollten sich bestenfalls fühlen wie gute Freunde, denen gerade vertrauliche und persönliche Dinge anvertraut werden.

Und nun wünschen wir Ihnen viel Spaß dabei, Ihre Erinnerungen niederzuschreiben. Wir freuen uns bereits darauf, sie zu lesen!

Warum es so wichtig ist, Erinnerungen aufzuschreiben und das Erlebte weiterzugeben? Lesen Sie mehr dazu hier.


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