Frieling-Verlag Berlin

Bücher und Menschen

Gedicht des Monats

 Gedicht des Monats März

01.03.2017

von Hans-Ulrich Schneider

 

Das Schneeglöckchen

Der Winter neigt sich seinem Ende entgegen,

noch liegt Schnee auf Feld, Wiesen, auf allen Wegen.

Die Natur hat ihren Kreislauf auf Sparflamme geschaltet,

sie spart ihre Energie, die sie verwaltet.

 

Bäume und Sträucher haben ihre Blätter verloren,

Blumen wie Rosen und Nelken sind erfroren.

Alles wartet auf die wärmende Sonne,

auf einen Frühling voller Wonne.

 

Die triste Jahreszeit mag ich nicht leiden.

Muss mich gegen die Kälte oft dick einkleiden.

Ich schaue beim Spazierengehen suchend über die Zäune,

mich interessieren nicht die Bäume,

 

ob ich im weißen Schnee den grünweißen Farbklecks sichte?

Der gehört nämlich zum Schneeglöckchen, über das ich hier dichte.

Durchstoßen diese graziösen Blümchen die schützende Decke,

weiß mein depressiver Nachbar, der wohnt um die Ecke,

 

dies ist ein Zeichen, dass die Tristesse ist zu Ende.

Die Schneeglöckchen Zeichen auf Erfahrung die Wende.

Der Frühling steht vor den Toren,

der lange, kalte Winter hat verloren.

 

So hat das blühende Schneeglöckchen erreicht,

dass die gedrückte Stimmung beim Nachbarn weicht.

Das Schneeglöckchen macht uns Menschen Mut,

der klirrenden Kälte trotzen kann es gut.

 

Die Kraft zum Überleben steckt in der Erde,

eine Zwiebel garantiert, dass aus ihr ein Frühlingsbote werde.

So zeigen sie mit ihrem Erscheinen an,

der kalte Winter geht, nur wann?

 

aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Welt der Poesie. 16. Edition" 

ISBN: 978-3-8280-3358-0

 Gedicht des Monats Februar

01.02.2017

von Walter Heczko

 

Winterstille

Winterstille;

es rührt sich kaum

der Flockenfülle

dick in jedem Saum.

Der Tannen grünes Kleid

weiß bedeckt;

Sträucher Nacktheit

jetzt versteckt.

Wohin das Auge blickend,

prank's hell aus Baum wie Busch;

bizarr, doch auch entzückend

liegt weiter Wald im winterlichen Tusch.

 

aus:

Walter Heczko

"Jahreszeitliche Impressionen"

ISBN: 978-3-8280-3226-2

Gedicht des Monats Januar

01.01.2017

von Anne David


Lebe Jetzt

Du lebst in der Welt von morgen,

während dir das Heute durch die Finger rinnt.

Lass deine nichtigen Sorgen,

sieh zu, daß das Leben jetzt beginnt.

Laß die alten Klischees vom Glücklichsein,

Glück ist allein dein Vorhandensein,

all die in dir steckenden Möglichkeiten,

weck sie auf, laß sie schon heute streiten.

Deine Zeit ist begrenzte wie alle Zeit.

Eines Tages tut dir Versäumtes leid,

nicht gedachtes und nicht genutztes Gut,

nicht erkannter und nicht genutzter Mut.

Drum besinne dich jetzt auf deine Kraft,

denn man schafft nur das, was man selber schafft

und die alten Klischees des Glücklichseins

wechsle ein in das Glück des Vorhandenseins.


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Ly-La-Lyrik. 26. Band"

ISBN: 978-3-8280-3320-7

Gedicht des Monats Dezember

01.12.2016

von Hilde Mai

 

Schweigend ruht

Schweigend ruht der weiße Tann.

Silbersternchen funkeln von den Zweigen.

Mützen voller Schnee sich neigen,

heimisch fühlt der Sonnenhauch sich an.

 

Bei der Schonung gibt es eine Fährte.

Ist der Fuchs, den ich vom Fenster sah,

hier im Waldgebiet nah?

Ausgemergelt er nach Futter spähte.

 

Plötzlich unterbricht die Stille dort

Krächzen von der Nebelkrähe,

die ich auf dem Eichbaum sehe.

Als sie auffliegt, stiebt der Schneestaub fort.


 

aus:

Hilde Mai

"Stern der Weihnacht" 

ISBN: 978-3-8280-3332-0

Gedicht des Monats November

04.11.2016

von Susen Paul

 

Herbstzeit

     In Herbstgezeiten

          die Blätter streben,

               dem Baum entgleiten,

               dem Boden entgegen.

     Die bunte Pracht

         wie Teppich hernieder,

           ein Blätterdach

             dem Ast zuwider.

           Dem Bunten verfallen

         zu schwach sein Leben,

     dem Geäste wallen,

von Kahlem umgeben.

      Sie buhlen sodann

        wer erst getragen,

          dem Boden voran,

            in Windestagen.

            Im sachten Schoß der Briefe

               ein Blatt sich wiegt,

              im Vergehen der Sommerwiese

            der Regen es besiegt.

          Doch wenn die Sonne

          sich traut heraus,

     über bunter Blätterwonne

     dem Regen ein Graus.

       Und als Antwort nun, Himmel, sprich,

         ein bunter Schimmer sich um ihn schlich,

           der Regenbogen schon entfach'

             dort oben über dem Blätterdach. 


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Welt der Poesie. 16. Edition" 

ISBN: 978-3-8280-3358-0

 

Gedicht des Monats Oktober

11.10.2016

von Bernhard Klinger

 

Herbst

Die Sonne sich nun Tag für Tag ein bisschen neigt,

der Sommer hat dem Herbst die Hand gereicht!

Am Morgen glitzert ein Spinnennetz im Tau,

am Nachmittag treiben filigrane Fäden durch das Himmelsblau.

 

Auf den Stoppelfeldern die Kinder lachen –

lassen steigen bunte Drachen.

Über den Feldern kreist ein Schwarm von Tauben –

an den Hängen reifen nun die letzten Trauben!


Menschen schütteln nun das Obst vom Baum,

die Welt versinkt in einem Traum.

Durch das Dorf streicht ein einsamer Hund,

an den Bäumen wird das Laub nun bunt!

 

Nachdenklich sitzt du im milden Licht auf einer Bank –

denkst an längst verflogenen Zank.

Ein Kind spielt mit seiner Mutter auf den Wiesen,

auch sie wollen die letzten Sonnenstrahlen genießen!

 

Viele denken nun zurück, mit ein bisschen Plage,

an verflossene heiße Sommertage!

 

Die Glocken läuten vom nahen Dom –

ein Schiff zieht seine Bahn im glänzenden Strom!

Eine alte Frau sitzt versonnen am rauschenden Fluss,

an was sie wohl jetzt denken muss?

 

Und wenn der Regen dann macht alles so richtig nass,

sagen wir dennoch: auch der Herbst bringt uns Spaß.

Kinder sich im Matsch so richtig versauen,

zu Hause aus Kastanien Männchen bauen!

Bald in der Küche Nüsse knacken,

dann die ersten Plätzchen backen.

Im Park bei Nässe spazieren gehen,

graue Fetzen wabern sehen!

 

Ein junges Pärchen lehnt an einer feuchten Wand –

und sie geben sich vielleicht gerade jetzt für's Leben nun die Hand.

 

Dann, eines Morgens beim Wandern, werden dir die Finger steif,

denn auf den Feldern liegt glitzernd der erste Reif.

 

Und bald, das wird jetzt wohl bedacht,

übernimmt der Winter das Zepter, mit Macht!


 

aus:

Bernhard Klinger

Schneeflockenfenster

ISBN: 978-3-8280-3350-4

Gedicht des Monats September

06.09.2016

von Irmgard Schreiner


Heimkehr

Zu den Gedichten kehr ich heim,

weg vom Hasten, Alltagsjagen,

hin zu wesentlichen Fragen,

ich kehre heim vom Schein.


Zum Lieben kehr ich heim,

weg von Vorurteil und Hassen,

hin zum Los – und Geltenlassen,

zum Lieben kehr ich heim.


Zu den Gebeten kehr ich heim,

weg vom Haben, bürgerlichen Gelten,

hin zu anderen höh'ren Welten:


Ich kehre heim zum Sein.


aus:

Irmgard Schreiner

Such mich im Gegenwind

ISBN: 978-3-8280-3355-9

Gedicht des Monats August

01.08.2016

von Hildrun Hauthal-Stegner


Mallorca-Sommer für Urlauber

Mallorca – Wunderland?

Hübsch ist der Strand,

frühmorgens meist

noch unbekannt.


Heiß ist die Luft,

voll Küchenduft,

der langsam nur

ins All verpufft.


Laut ist die Nacht.

Sie dröhnt und lacht,

wenn spät erst die

Musik erwacht.


Was einst vertraut,

man nicht mehr schaut.

Natur wird mehr

und mehr verbaut.


In Reih' und Glied,

recht für's Gemüt,

schmort man in Ruh'

der Bräune zu,


schwitzt wie das Land,

sonnenverbrannt.

Schwärmst du dann noch

vom Wunderland?

 

aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Reise, reise!" 

ISBN: 978-3-8280-3344-3

Gedicht des Monats Juli

05.07.2016

von Walter Heczko


Badewetter

Kaum geht ein linder Windzug durch Alleen

der Stadt, wie still schweigen alle Blätter.

Nur blauer Himmel ist zu sehn;

und heut ist Sonntag, obendrein das schönste Badewetter.


Wen zieht's da nicht zum Strandbad

aus der Stadt; liegt's doch wie vor der Tür,

wo g'rad'

die Sonne lacht am schönsten hier.


Wo sich's läßt da aalen;

den Tag genießt jung wie älter, die Familie, ob groß oder klein,

und Kinder ritzen und malen

in den warmen Sand noch mal die Sonne rein.


aus:

Walter Heczko

"Jahreszeitliche Impressionen"

ISBN: 978-3-8280-3226-2

Gedicht des Monats Juni

01.06.2016

von Ingolf Clausnitzer


Das Glück

Glück, du bist

des Herzens Rasen,

bist der Lippen

feuchte Spur,

kommst ganz heimlich

und gelassen,

weil du Feder

bist auch nur

leicht und leise

in der Schwinge

eines Vogels,

der aufsteigt

in des Himmels

Wolkenringe,

die ein neuer Tag

mir zeigt.

Und ich weiß,

es wird auch wieder

mit Geduld

das Ziel erreicht,

dass der ganzen

Kraft der Glieder

jeder Zweifel

wirklich weicht.

Das ist Glück,

wie ich es nenne,

wenn mir alles

gut gelingt

Nicht, dass ich

um Ehre renne,

die vielleicht

mir doch nichts bringt.

Dieses Wollen,

Wünschen, Binden

an der Hoffnung

leichten Schein

lässt Zufriedenheit

nur finden,

schließt Bescheidenheit sie ein.


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Welt der Poesie. 15. Edition" 

ISBN: 978-3-8280-3289-7

Gedicht des Monats Mai

03.05.2016

von Hans-Ulrich Schneider


Die Biene

Die Sonne schien mir auf die Nase,

lang ausgestreckt lag ich im Grase.

Vor Wolllust hab ich mich gestreckt.

Der Duft von Veilchen hat mich geweckt.

Als ich so langsam zu mir fand,

füllte ich meine Tasse bis zum Rand.

Aß dazu ein Stück Honigkuchen,

die Kaffeesahne musste ich suchen.

Plötzlich hörte ich ein Brummen,

von einer Veilchenblüte her kam das Summen.

Es was eine Biene, die hatte entdeckt,

dass mir im Grase der Kuchen schmeckt.

Sie flog erst mal von Blüte zu Blüte,

sammelte Nektar von feinster Güte.

Sie arbeitete mit Fuß und Rüssel,

hatte dafür keine große Schüssel.

Sie brachte diese süße Speise

auf einer langen beschwerlichen Reise

zu ihrer Brut im Bienenhause,

machte danach eine kleine Pause.

Sie zeigte dann die Richtung an,

wo ihr Volk etwas holen kann.

ich lag wieder lange ausgestreckt,

das Summen von Bienen hat mich wieder geweckt.

Ein Bienenschwarm kam geflogen,

und stürzte sich ganz ungelogen

auf die Reste von meinem Kuchen,

meinen Teil musste ich dann suchen.

Sie füllten ihre Mägen bis zum Rüssel,

hatten zum Transport wieder keine Schüssel,

mit Süßem von meinem Teller

verschwanden sie immer schneller.

So sorgen die Alten für die Jungen.

Sicher war es der Königin gelungen,

sie zu überzeugen, die Waffen zu schonen,

es würde sich für ihr Volk schon lohnen.

So endete ein Tag im Lenz,

zwischen mir und den Bienen in friedlicher Koexistenz.


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Ly-La-Lyrik. 26. Band"

ISBN: 978-3-8280-3320-7

Gedicht des Monats April

06.04.2016

von Barbara Vogler


Flüstern

Laß mich an deinen 

Ohren knuspern,

meinen Finger in deinen

Haaren kringeln,

meine Wange an deine

Haut legen,

meine Worte in deine Ohren

flüstern;

und lach, bitte lach mit mir

bis in den

neuen Morgen.


aus:

Barbara Vogler

"Liebes Geheimnis"

ISBN: 978-3-8280-3171-5

Gedicht des Monats März

01.03.2016

von Helmut Beckmann


Nächtliches


Und die Erde lag im Arm der Sterne, 

alles schien der Nacht anheimgestellt.

Meereswellen kamen aus der Ferne

wie aus Schößen einer andern Welt.


Träume flattern durch die Schweigsamkeiten

in den Umhang jeder Phantasie.

Träume, die nicht fliehen, nicht entgleiten.

weil das Dunkel ihm die Bilder lieh.


Doch die Nacht ist leise weggegangen,

hat ihr dunkles Kleid zurückgelegt,

weil der Kirschbaum, wo die Vögel sangen,

sich bei Licht mit neuem Leben regt.


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Ly-La-Lyrik. 26. Band"

ISBN: 978-3-8280-3320-7

Erscheint im März!

Gedicht des Monats Februar

01.02.2016

von Manfred Elsässer


Winterliche Gedanken


Den Winter habe ich jetzt satt, 

weil er so kalte Tage hat,

und es verschafft mir jetzt Verdruss,

dass durch den Schnee ich laufen muss.

Da sehne ich mich jedes Mal

nach einem warmen Sonnenstrahl.



aus:

Manfred Elsässer

"In manelsischen Gefilden"

ISBN: 978-3-8280-3312-2

Gedicht des Monats Januar

13.01.2016

von Hans Ebert


Das Gesetz, wonach man angetreten

Wenn nicht mit Dir,

lieber allein;

so geht es mir,

das ist mein Sein.


aus:

Hans Ebert

"Trauer muss nicht nur Elektra tragen"

ISBN: 978-3-8280-3302-3

Gedicht des Monats Dezember

01.12.2015

von Nancy Steinhoff


Weihnachtsgrüße vom Schneeflöckchen


Nun ist es wieder mal soweit:

Willkommen schöne Weihnachtszeit!

Weiße Flocken fallen leise,

beginnen ihre Winterreise.

Über Berg und über Tal

tanzen sie in großer Zahl;

und eines dieser dicken Flöckchen

mit Mütze, Schal und Spitzenröckchen

lässt Dich herzlich von mir grüßen,

landet vielleicht auf Deinen Füßen,

in der Hand oder im Gesicht

und sagt Dir: Ich vergesse Dich nicht

und wünsche Dir ein Weihnachtsfest,

das keine Wünsche offenlässt,

sowie ein glückliches Neujahr,

dass alles besser wird, wie's war."


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Welt der Poesie" (2014)

ISBN: 978-3-8280-3246-0

Gedicht des Monats November

03.11.2015

von Christine Pollok


Leben

für Wilhelm


Ich lebe meine Trauer.

Ich lebe meine Liebe.

Ich lebe mein Leben

und reiche dir die Hand

für die Fülle.

Du öffnest mir das Tor

für die Leere

und Beides ist eins

im Glanz der Seele

und im Leuchten dessen,

was unsterblich bleibt.

Im Auge der Stille

bebt mein Herz.


aus:

Christine Pollok

"Jetzt ist ewig"

ISBN: 978-3-8280-3242-2

Gedicht des Monats Oktober

30.09.2015

von Roland Watzke


Maßeinheit

Und habe gefunden

das Maß der Liebe.

Ich küsse dich

alle zehn Meter.


aus:

Johann Friedrich Huffmann (Hrsg.)

"Welt der Poesie"

ISBN: 978-3-8280-3289-7

Erscheint im Oktober!