Frieling-Verlag Berlin

Bücher und Menschen

Broser, Franziska

Als Franziska Broser über ihre Kindheit zu schreiben begann, ahnte sie nicht, wohin sie ihre Spurensuche führen würde. Mit der Flucht aus Dresden hatte sie die Stätte ihres Glücks verloren. Nachdem sie von den deutschen Kriegsverbrechen erfahren hatte, konnte sie sich nicht mehr mit dem Land ihrer Geburt identifizieren und arbeitete ein Jahr lang in einem Kibbuz in Israel. Dort begegnete sie ihrer Freundin Sarah, durch die sie später auch Australien kennen- und lieben lernte und eine überraschende Erfahrung machte: „Die Wörter nahmen mich an die Hand und ließen verstummte Erinnerungen sprechen.“

Wolkenschatten der Vergangenheit

Spurensuche in Dresden und Australien

Das Liebste, das sie besaß, war ihre Kindheit in Dresden. Von ihr musste sie sich trennen, als die Familie 1952 in den Westen flüchtete. Die neuen Wege und Straßen aber blieben stumm unter den Füßen des Mädchens, das in Dresden liebevoll „Blaugucke“ genannt worden war. 1943 inmitten der Kriegswirren geboren, versteht Franziska Broser ihren Erfahrungsreichtum als ein Geschenk, das man immer wieder öffnen kann, um sich daran zu erfreuen. Einfühlsam und mit träumerisch-poetischen Bildern beschreibt sie ihr Leben und das ihrer Familie. Später sucht die Autorin ihrem Großvater näherzukommen, der nach dem Krieg im Zuchthaus in Bautzen verstarb. Sie schreibt dem Toten Briefe aus Australien, einer Welt größter Freiheit, während der Großvater in der Enge seiner Zuchthauszelle elend zugrunde gerichtet worden war.


144 Seiten • Taschenbuch (Paperback) • EUR 10,90

ISBN 978-3-8280-3173-9


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Interview mit der Autorin

Welcher Mensch beeindruckt Sie? 
Vorbilder habe ich keine, die vielleicht wegweisend für mich sein könnten. Ich halte mich an die "kleinen Leute", an die "ohne Namen" und lerne von ihnen über das Leben.

Welches ist das letzte Buch, das Sie gelesen haben? 
Ich lese viel. Es gibt ein Buch, das immer wieder von neuem mein "Letztes" ist. Es ist "Dshamilja" von Aitmatov. Die Musik seiner Worte begleitet mich schon mein ganzes Leben. Immer wieder lese ich es anders.

Welches Ziel haben Sie vor Augen, wenn Sie schriftstellerisch tätig sind? Was sollen Ihre Texte bei dem Leser bewirken? Welche Emotionen möchten Sie mit Ihrem Werk wecken? 
Ich wünsche mir, dass die Worte in meinem Buch auch die Kraft haben, den Leser zu berühren.


Welchen Traum würden Sie im Leben gerne noch verwirklichen? 
In der großartigen Weite Australiens Energie tanken für den Jakobsweg im nächsten Jahr. Ich lebe meine Träume, fotografiere viel und schreibe Gedichte. Das heißt, sie nisten sich ganz plötzlich in meinem Kopf ein und wollen von mir zu Papier gebracht werden. Dann erst beginnt die Arbeit mit den Worten, dem Feilen, Weglassen und Hinzufügen.